Die „Tatort“-Fledderei Von der Liebe überfahren

Von Tom Hörner 

Der hessische Hauptkommissar Murot wandelt wieder auf den Spuren eines Filmklassikers – auf denen von Komiker Jacques Tati. War das Anschauen von „Die Ferien des Monsieur Murot“ den Sonntagabend wert?

Die Idylle trügt: Die Ferien von Murot verlaufen überhaupt nicht harmonisch. Foto: HR/Bettina Müller 12 Bilder
Die Idylle trügt: Die Ferien von Murot verlaufen überhaupt nicht harmonisch. Foto: HR/Bettina Müller

Stuttgart - Was taugt „Die Ferien des Monsieur Murot “. Der neue „Tatort“ aus Wiesbaden im Schnellcheck.

Die Handlung in zwei Sätzen LKA-Ermittler Felix Murot trifft in den Ferien im Taunus auf einen Doppelgänger, den Gebrauchtwagenhändler Walter Boenfeld. Eine eigenwillige Männerfreundschaft bahnt sich an, die allerdings jäh endet, als Boenfeld von seiner Ehefrau (Anne Ratte-Polle) mit Absicht überfahren wird.

Zahl der Leichen Zwei. Wobei nur Boenfelds Tod auf der Landstraße wirklich unter die Haut geht. Gleich zweimal nimmt der Mercedes Fahrt auf, um den Mann zu überrollen, der den Tod („Ich habe Angst vor meiner Frau“) gewissermaßen kommen sah.

Großes Schauspiel In „Die Ferien des Monsieur Murot“ sehen wir Ulrich Tukur nicht nur in zwei, sondern genau genommen in drei Rollen: als leisen, feinsinnigen Schöngeist Felix Murot; als lauten, prolligen Gebrauchtwagenhändler Walter Boenfeld und dann noch als Murot, der den Boenfeld spielt.

Ein Original tritt ab Auch wenn das Drehbuch (geschrieben von Regisseur Grzegorz Muskala und Ben Braeunlich) Boenfeld keine lange Lebensdauer erlaubt, so lässt die nachdenkliche Frohnatur in der kurzen Spanne doch einige bemerkenswerte Sätze vom Stapel. In der Sauna, sozusagen mit heruntergelassener Hose, nur von einem Handtuch geschützt: „Das Leben ist die Hölle. Nur wer ist der Teufel?“ Beim Anblick von Murots Ro 80: „Alter Schwede. Das ist der Hammer. Der geht ab wie Blutstuhl.“

Die Versuchung Murot schlüpft in die Rolle des Gebrauchtwagenhändlers („Ich ermittle“) und verliebt sich in die Mörderin seines Doppelgängers (und diese sich in ihn). Womit mal wieder bewiesen wäre, dass an der Schlagerweisheit „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ was dran zu sein scheint. Am Ende kriegt Murot, der Mann des Gesetzes, doch noch die Kurve und liefert die schöne Mörderin ans Messer. Das tut fast ein wenig weh.

Unser Fazit Krimi? Liebesdrama? Komödie? Was spielt das für eine Rolle. Ganz großes Kino fürs Fernsehen.

Spannung Note 1; Logik Note 1




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