Die Trends auf der Ifa 2018 Schlafroboter, sprechende Küchen und vernetzte Bügeleisen erobern die Ifa

Schlafroboter Somnox in Kissenform: Er passt sich dem Atemrhythmus seines Nutzers automatisch an und spielt den Herzschlag oder Schlaflieder ab. Foto:  

Auf der Ifa Berlin passen sich immer mehr Hausgeräte ihren Nutzern an. Sie sprechen nicht nur, sondern beobachten mit ihrer künstlichen Intelligenz den Alltag. Aber das ist erst der Anfang.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Berlin - Noch immer ist die Ifa Berlin die Anlaufstelle für die neusten Fernseher und Audiogeräte. Doch die Funkausstellung, die ab Mittwoch für Fachbesucher und ab Freitag für das Publikum öffnet, hat sich längst zur Hightechmesse gemausert. In diesem Jahr werden die Alltagsgeräte für das Zuhause und für unterwegs noch ein klein wenig menschlicher. Zumindest reden und merken sie sich mehr. Das sind die fünf Messetrends:

 

1. Sprachassistenten breiten sich auf allen Geräten aus

Der Boom der Sprachassistenten ist enorm. Zuerst wurden sie in Smartphones integriert, aber nur selten genutzt – die bekanntesten heißen Siri (Apple), Assistant (Google) und Cortana (Microsoft). Mit Amazons vernetztem Lautsprecher Echo und der integrierten Sprachassistentin Alexa kamen die digitalen Assistenten im Herbst 2016 in den deutschen Wohnzimmern und vor allem im Bewusstsein der Verbraucher an. Obwohl Google mit Home und Apple mit dem Homepod nachzogen, dominiert Alexa den Smarthome-Markt und erobert immer mehr Gerätekategorien. Auf der Ifa werden Fernsehgeräte, Kopfhörer, Lichtwecker und Serviceroboter präsentiert, die aufs Wort gehorchen. Laut dem Branchenverband GFU wurden 2017 in Deutschland bereits zwei Millionen Geräte mit Sprachsteuerungsfunktion verkauft.

„Es gibt einen Trend zur tieferen Nutzung. Die intelligenten Lautsprecher werden als Steuerzentrale für das vernetzte Zuhause neben dem Smartphone immer wichtiger“, sagt Christopher Meinecke, Leiter Digitale Transformation beim Bitkom. „In drei bis fünf Jahren werden wir zurückschauen und uns wundern, dass Geräte ohne Sprachsteuerung verkauft wurden.“ Branchenführer Amazon prescht dabei weiter voran und entwickelt immer neue Schnittstellen, damit Programmierer die Sprachassistentin Alexa künftig auf möglichst vielen Geräten unterbringen. Derzeit lassen sich bereits 4000 Geräte von mehr als 1200 Marken mit Sprache steuern, sagt David Kaiser vom deutschen Alexa-Team. „Man muss sich Alexa vorstellen wie die Erweiterung des Gehirns.“

2. Die Deutschen freunden sich mit Smart Homes an

Schon seit Jahren wird das vernetzte Zuhause – Smarthome genannt – als Trend ausgerufen. Jetzt kann der IT-Branchenverband Bitkom die Behauptung endlich mit Zahlen belegen. Jeder vierte Deutsche nutzt laut einer Studie des Verbandes mindestens eine Smarthome-Anwendung – am häufigsten intelligente Beleuchtung, Videoüberwachung, Rollläden, Heizungen und Alarmanlagen, aber auch smarte Staubsauger und Gartengeräte finden mittlerweile immer mehr Käufer.

Von einem komplett vernetzten Zuhause sind die Deutschen aber noch weit entfernt. Viele finden die Installation zu aufwendig, die Bedienung zu kompliziert und den Nutzen zu gering. Dazu kommt die Angst vor Hackerangriffen. Deshalb betont Bitkom-Chef Achim Berg den gesellschaftlichen Nutzen, wenn es zum Beispiel um das selbstbestimmte Leben im Alter gehe. So finden sich auf der Ifa seniorengerecht vernetzte Bereiche, in denen Sensoren Stürze registrieren und Kameras als Mittel zur Überwachung und für die Kommunikation mit Ärzten genutzt werden.

Auch die Küche wird Teil des Smarthomes und passt sich in ihren Funktionen den Vorlieben der Verbraucher an. Die Geräte lassen sich mit Apps und Sprachassistenten steuern, nutzen WLAN und zeigen Rezepte an. Auf Kühlschränken lässt sich sogar fernsehen oder in das Innenleben blicken – integrierte Kameras machen es möglich. Harald Friedrich, Geschäftsführer bei Robert Bosch Hausgeräte, glaubt nicht, dass das die Verbraucher überfordert. „Der Schlüssel ist Reduktion auf das Wesentliche und Konzentration auf Details.“

3. Künstliche Intelligenz zieht in die Unterhaltungselektronik ein

„Künstliche Intelligenz (KI) spielt auch in der Konsumgüter-Technologie eine immer größere Rolle“, sagt Bitkom-Experte Meinecke. Smartphone-Nutzer kennen das bereits: Die digitalen Assistenten machen Vorschläge zu den Alltagsroutinen, etwa ein besonderes Angebot auf dem Weg zur Arbeit. Die Fotosoftware der besten Modelle erkennt Motive automatisch, interpretiert die Absicht des Nutzers und nimmt entsprechende Belichtungseinstellungen vor, sagt Jessica Ekholm, Spezialistin des Marktforschungsinstituts Gartner.

Jetzt wird auch der Haushalt clever: Fernseher schaffen es, Filme mit durchwachsener Auflösung so hochzurechnen, dass sie wie neu produziert wirken. Das geht nur, weil auch der Kontext der Bilder erkannt wird. Auch sonst geht es um Muster. Der Kühlschrank kann zum Beispiel aufgrund des Inhalts ein passendes Rezept vorschlagen. Bei Gesundheitsprodukten erkennen Sensoren schnell abweichende Werte und können vor allem bei chronischen Krankheiten wie Diabetes Alarm schlagen.

Wie viel Geld der Markt mit den künstlich intelligenten Produkten bringt, lässt sich schwer fassen, weil die Anwendungen nur ein Teil des Produktes sind. Experten sagen: Neben dem Internetanschluss ist KI künftig Voraussetzung für den Verkaufserfolg.

4. Die Fernseher werden jetzt noch schärfer

Fernseher machen noch immer fast die Hälfte des Marktes für klassische Unterhaltungselektronik aus und sind neben Smartphones das Rückgrat der Branche. Die ultrascharf auflösenden UHD-Fernseher – auch 4k-TV genannt – spielen dabei eine immer größere Rolle. Dieses Jahr werden die deutschen Verbraucher 3,5 Millionen dieser Geräte kaufen, so der Branchenverband GFU – eine Steigerung von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die HDR-Technik – ein Kürzel für die Spanne zwischen gleißend hellen und tiefschwarzen Bildpunkten – spielt eine kaufentscheidende Rolle.

Der Trend zu größeren und schärferen Bildschirmen wird auf der Ifa auf die Spitze getrieben. Jetzt sind auch 8k-Fernseher zu sehen, die viermal mehr Pixel bieten als der bisherige Standard. Der japanische Hersteller Sharp prescht voran, die anderen ziehen nach. Um den Unterschied zu einem 4k-Fernseher zu sehen, müsste der Bildschirm schon so groß sein, dass er nicht in ein kleines Wohnzimmer passt. Dennoch hat das 8k-Label Signalwirkung. Das Kalkül: Wer das technologisch neueste Modell kauft, ist für die Zukunft gerüstet. Die könnte allerdings auf sich warten lassen, denn bis es massenhaft Inhalte in 8k-Auflösung geben wird, wird es noch einige Jahre dauern.

5. Der Kopfhörer schrumpft zum Knopf im Ohr

Der Siegeszug von Audiogeräten setzt sich auf der Ifa fort. Ob Lautsprecherboxen oder Kopfhörer – angesagt sind die kabellosen Modelle, die sich über den Nahfunk Bluetooth mit dem Smartphone verbinden lassen und mit poppigen Farben oder in minimalistischem Design auch als Modestatement taugen. Bluetooth-Kopfhörer werden auf und über der Ohrmuschel getragen und immer häufiger als so genannte In-Ear-Modell in die Ohrmuschel gesetzt. Der Trend geht dabei zum Audio-Knopf im Ohr, „true wireless“ genannt. Das Münchner Start-up Braghi bietet mit die meisten Extras an. Mit dem schwimmbadtauglichen Kopfhörer Dash pro lässt sich auch telefonieren und der Puls oder die Wegstrecke messen. Außerdem kann das Menü mit Sprache und Kopfbewegungen gesteuert werden.

Praktisch alle namhaften Hersteller sind auf den Trend aufgesprungen und bieten sprachgesteuerte Modelle an, die gegen Spritzwasser und Staub geschützt sind und mit denen man auch telefonieren kann. Da ist es beruhigend, dass sich einige der renommiertesten wie Bang & Olufsen bei ihren Spitzenmodellen puristisch geben – und ganz auf den Klang setzen. Die Belohnung: Die Nachfrage nach Kopfhörern steigt weiter. 2017 wurden laut GFU zwölf Millionen von ihnen in Deutschland verkauft, der Umsatz lag bei knapp einer halben Milliarde Euro – rund zehn Prozent mehr als 2016.

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