Die Trends bei Gartenmöbeln Die Bankdrücker
Auf Bänken saßen einst die einfachen Leute. Heute teilen trendbewusste Städter ihre Plätze auf edlen, möglichst langen Sitzmöbeln. Auf Bänken kommt man sich näher.
Auf Bänken saßen einst die einfachen Leute. Heute teilen trendbewusste Städter ihre Plätze auf edlen, möglichst langen Sitzmöbeln. Auf Bänken kommt man sich näher.
Stuttgart - Zeig mir, wie du sitzt, und ich sage dir, wer du bist. Einst konnte man am Gebrauch des Sitzmöbels den Status des Sitzenden ablesen. Der König und hohe kirchliche Würdenträger saßen auf einem Thron, der Bürger auf dem Stuhl. Und das gemeine Volk? Drängelte sich auch einer Holzbank. Stühle und Sessel waren ursprünglich die Unterlagen der privilegierten Schichten. Verhältnismäßig spät, erst im 16. und 17. Jahrhundert, begannen englische Tischler mit der Fertigung von Stühlen auch für niedrige Stände. Der Stuhl wurde zum Gebrauchsgegenstand – und später zum wohl beliebtesten Designobjekt.
Die Geschichte des modernen Stuhldesigns beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem rot-blauen Stuhl von Gerrit Rietveld, der Mitglied der holländischen Designergruppe „De Stijl“ war. Rietveld führte den Stuhl auf seine geometrischen Elemente zurück und schuf eine Ikone der klassischen Moderne. Der war schön, kommerziell aber nicht annähernd so erfolgreich wie Marcel Breuers Stahlrohrsessel. Breuer leitete von 1925 bis 1928 die Möbelwerkstatt am Bauhaus Dessau. Sein wohl bekanntester Stuhl aus jener Zeit war der Clubsessel B3 aus Stahl, auch „Wassily“ genannt.
Bezeichnenderweise wurde am Bauhaus vieles, was das tägliche Leben betrifft, neu interpretiert und für eine serielle und kostengünstigere Produktion gefertigt. Nichts war vor der Gestaltungslust der Avantgardisten sicher. Lampen, Küchenschränke, Teppiche, Stühle, Häuser, sogar ganze Wohnsiedlungen wurden am Reißbrett der Bauhäusler zu Innovationen der Moderne. Nur eine Sitzbank, die war nicht darunter.
Kein Wunder, schließlich haftet der Sitzbank immer noch etwas Rückständiges, ja Provinzielles an. Eine Bank ist nichts für Individualisten. Lange Bänke fanden sich früher mal in Schulen, stehen heute immer noch in Kirchen, in Parkanlagen, Festsälen oder im Münchner Hofbräuhaus. Auf Volksfesten sitzt man auf der Bierbank mit anderen; aber nicht, um angeregt Konversation beim Espresso zu betreiben, sondern um sich lauthals zu amüsieren und sich einen hinter die Binde zu kippen.
In manch einem Wiener Kaffeehaus findet sich noch heute ein Thonet-Stuhl aus gebogenem Buchenholz. Das legendäre Sitzmöbel mit der Bezeichnung „No.14“ wurde allein bis 1930 rund 50 Millionen Mal gebaut. Auf solchen Stühlen wurde Weltliteratur verfasst, plante man Revolutionen. So viel Ehre wurde noch keiner Sitzbank zuteil.
Doch heute ist vieles anders und der Individualismus ist in Verruf geraten. Jüngere Menschen sind begeistert vom Prinzip des Teilens, alles soll man mit anderen gemeinsam machen, selbst das Sitzen ist nicht davon ausgeschlossen. Das Rustikale dominiert. Die Großstadt imitiert das Dorf. Man rückt zusammen, lernt jemand kennen. Man gibt sich volksnah. Pech, wenn man neben einem sitzen muss, der sich platzmäßig breitmacht und nicht teilt, sondern nimmt. Und noch schlimmer, wenn bei ausgelassener Stimmung die Sitzbank zur Stehbank umfunktioniert wird, um einen herum getanzt und gejohlt wird. „Oas, zwoa, gsuffa!“
Möbeldesigner haben den Trend zum Kuscheln und Partymachen erkannt und fertigen für alle Wohnbereiche Bänke an, vor allem im Essbereich, wobei es nicht um eine Renaissance der Eckbank geht, die vor allem in der alpenländischen Wohnarchitektur eine wichtige Rolle spielt. Es geht vielmehr um frei stehende Sitzbänke, die dem Raum klare Sichtachsen geben. Selbst in Gaststätten nördlich des Weißbieräquators werden immer öfter Bänke verbaut, in Burger-Restaurants oder Kettenlokalen mit asiatischer Küche. Das verspricht Authentizität, ist aber vor allem praktischer für den Betreiber. Die Anschaffung von Stühlen ist zudem teurer. Und über Bänke kann man feucht drüberwischen. Das Problem? Die Kleidung. Wer als Frau im Bleistiftrock die Beine über das Möbel schwingen muss, kann sich nur blamieren.
In Privatgärten war schon immer die gute, alte Bierbank mit den einklappbaren Beinen zu Hause, die immer zu kippen drohte, wenn einer am Rand saß. Doch für die anstehende Freiluftsaison haben die Designer von Muuto, Manutti oder auch Petite Friture so einiges jenseits der prolligen Biergartengarnitur aufgeboten. Stabil und schön sind die Teile – und alles andere als billig. Wer heute auf diesen Bänken thront, gehört zu den Privilegierten.