Die Trends des MWC in Barcelona Bei der Technik menschelt es

Von Daniel Gräfe 

Auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona wird ab Montag die Vernetzung der Welt auf die Spitze ­getrieben. Die Sprache wird zur neuen Schnittstelle ­zwischen Mensch und Maschine, Roboter sollen künftig auch soziale Funktionen erfüllen.

Süß und glubschäugig: Wie Sonys Roboterhund Aibo ­reagieren soziale ­Roboter auf das Verhalten von Menschen. weitere Fotos zu Techniktrends sind in der Bildergalerie zu finden. Foto: dpa 4 Bilder
Süß und glubschäugig: Wie Sonys Roboterhund Aibo ­reagieren soziale ­Roboter auf das Verhalten von Menschen. weitere Fotos zu Techniktrends sind in der Bildergalerie zu finden. Foto: dpa

Barcelona - An diesem Sonntagabend eröffnet Samsung auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona noch vor dem offiziellen Start den Wettbewerb um das beste Smartphone dieses Jahres. Die Smartphone-Hersteller stehen traditionell im Fokus der weltgrößten Mobilfunkmesse. Doch der MWC zeigt und diskutiert auch den Alltag der Zukunft. So verbinden die ersten Hersteller aus Angst, bei der Vernetzung nicht ganz vorne dabei zu sein, selbst Spiegel, Sofas und Betten mit dem Internet. Die wichtigsten Techniktrends im Überblick:

Der Vernetzungstrend treibt skurrile Blüten

Alles ist mit allem vernetzt – das ist das Mantra in Barcelona seit Jahren. In einer der Hallen wird das Zusammenspiel von smarten Häusern, Autos und Kommunikation in der vernetzten Stadt präsentiert. Laut den Marktforschern von Gartner sollen bis Jahresende weltweit mehr Geräte miteinander verbunden sein, als Menschen leben. Bis 2020 sollen gar mehr als 20 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren können. McKinsey & Company schätzt, dass sich allein in Deutschland der Umsatz durch das Internet der Dinge bis zum Jahr 2020 auf 23 Milliarden Euro verdoppeln könnte. Auch deshalb hat Bosch die Devise ausgegeben, bis in drei Jahren alle neuen elektronischen Produkte mit dem Internet zu verbinden.

Die Angst der Hersteller, dass Geräte ohne Internetanschluss zum Ladenhüter werden könnten, treibt bei den Neuheiten skurrile Blüten. Braucht es ein „erstes smartes Sofa der Welt“ (von Miliboo), um sein Smartphone drahtlos zu laden und um ein eingebautes Tablet zu nutzen, mit dem sich das Licht steuern lässt? Einen Spiegel, der Lieder aus dem Internet abspielt, Nachrichten anzeigt und die Haut analysiert (von Hi Mirror)? Muss ein Massagesessel auch noch den Blutdruck messen können?

Überhaupt spielt der Gesundheits- und Selbstoptimierungstrend auf der Messe eine bedeutende Rolle. Die Sensoren, mit denen sich Wegstrecken, Puls und Blutdruck messen lassen, stecken nicht nur in den populären Fitnessarmbändern und Computeruhren, sondern zunehmend auch in Kopfhörern und in Betten. Dort sollen sie helfen, die Schlafqualität zu verbessern. CCS Insight schätzt, dass 2020 weltweit 411 Millionen der am Körper getragenen vernetzten Geräte – auch Wearables genannt – verkauft werden. Der Umsatz soll dann auf umgerechnet 28 Milliarden Euro steigen.

Sprachassistenten sind das neue Must-have

Schon vor einem Jahr waren Sprach­assistenten der Megatrend der Messe. Mit ihren Mikrofonen lauschen sie ständig, sind mit dem Internet verbunden und beantworten auf Kommando Fragen, spielen Musik ab, steuern die Heizung, nehmen Bestellungen an oder navigieren das Auto. Doch selbst IT-Experten erstaunt es, wie schnell sich die smarten Assistenten ausbreiten. Zwar nutzen die Deutschen vor allem Googles Now und Apples Siri auf ihrem Smartphone, wie eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft zeigt. Die größte Dynamik geht aber von vernetzten Heimlautsprechern wie Amazons Echo oder Googles Home aus.

Hier ist Amazons Sprachassistentin Alexa zurzeit das Maß der Dinge, laut einer Studie des Marktforschers eMarketer liegt Alexas Marktanteil bei den Sprachprogrammen bei 70 Prozent. Alexa findet derzeit aber nicht nur in Lautsprechern, sondern auch in Fernsehern, Küchengeräten, in Badezimmern, Autos und Computeruhren ihre sprachliche Heimat. Sogar auf immer mehr Windows-Rechnern breitet sie sich aus und könnte die Büroarbeit künftig ein klein wenig lauter machen. So viel Service gibt es nur im Tausch mit viel Privatsphäre: Die Assistenten sind Datensauger, mit denen das Verbraucherverhalten bis ins Detail analysiert werden kann.

Nach der Anbindung ans Internet entwickelt sich die Sprachsteuerung zum Must-have für neue Geräte. Und zu einer neuen Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Wer mit ihnen spricht, der nimmt weniger häufig sein Smartphone in die Hand oder ruft Seiten im Internet auf. Um ihre Produkte mit den Kunden sprechen zu lassen, integrieren selbst technisch ambitionierte Hersteller wie Bosch und Mercedes Alexa in ihre vernetzten Häuser und Autos. Gleichzeitig entwickeln sie eigene Assistenten – Bosch hat seinen Casey genannt.

Soziale Robotere zum Kuscheln, Spielen und Lernen

Der Mobile World Congress zeigt auch Trends, die in technikbegeisterten Ländern wie Japan oder den USA stärker ausgeprägt sind als in Deutschland. Von Japan aus will zum Beispiel der Software-Gigant Softbank „Roboter zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Alltagslebens“ machen. Softbank vermarktet seinen Roboter Pepper als freundlichen und geselligen Helfer für den Einzelhandel, Hotels, Restaurants und Altenheime. So soll er auch Gesichter und die Mimik und Gestik seines Gegenübers erkennen können.

Roboter wie Pepper sind als sogenannte Social Robots konzipiert, also automatisierte Gefährten des Menschen. Sie haben oft große Augen, runde Gesichter und Körperformen und sollen mit ihrem Niedlichkeitsfaktor gar nicht erst den Eindruck aufkommen lassen, dass sie einmal außer Kontrolle geraten könnten. Beliebt sind auch Robotertiere. Sonys neue Hunde-Generation Aibo, die nur in Japan auf den Markt kommt, funktioniert mit künstlicher Intelligenz. Durch eine ständige Internetverbindung kann Aibo sein Verhalten auf die einzelnen Familienmitglieder abstimmen und auch auf Lob oder Tadel reagieren. Im Januar wurde auf der CES in Las Vegas eine Roboterente vorgestellt, mit der krebskranke Kinder kuscheln können. Ziel der Hersteller von sozialen Robotern ist es, die Nutzer emotional möglichst stark zu binden. Das könnte künftig auch für das Lernen und für Schulen genutzt werden, heißt es bei Sony.

Intelligente Handy-Kameras erkennen die Welt

In den vergangenen Jahren konkurrierten die asiatischen Hersteller LG, Huawei und Samsung bereits am ­Eröffnungsvortag des MWC um die größte Aufmerksamkeit. Dieses Jahr gehört der Auftakt Samsung fast allein: LG, Huawei, aber auch HTC und Xiaomi werden höchstwahrscheinlich ­keine Flaggschiffe präsentieren. Das lässt sich aus den Einladungskarten zu den Pressekonferenzen erschließen. Technik­experten vermuten, dass diese die direkte Marketing-Konkurrenz mit dem Weltmarktführer Samsung scheuen – oder manches Spitzenhandy einfach nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Die jährliche Modelloffensive bringt auch Tech-Giganten an ihre Grenzen.

Die Einladung von Samsung zeigt die Nummer 9 für die neueste Galaxy-Generation und den Zusatz: „Die Kamera. Weiter gedacht“. Das neueste Modell dürfte damit stärker mit künstlicher Intelligenz arbeiten, um die Bilderkennung zu verbessern und die Aufnahmen ganz auf die Gewohnheiten des Fotografen auszurichten. Schon jetzt kann Samsungs aktuelles Spitzenhandy Objekte und Gesichter identifizieren, die es mit der Kamera fokussiert. Außerdem könnte eine duale Kamera an Bord sein, um Aufnahmen mit Weitwinkel und Teleobjektiv zu machen – wie es zurzeit zum Smartphone-Standard wird. Huawei wird diesen März auf einem eigenen Event in Paris vermutlich sogar ein Smartphone mit drei Linsen präsentieren – für monochrom, Farbe und Tele. Apples neue iPhone-Generation ist für den Herbst zu erwarten.