Die „Umdiedreißigjährigen“ Keine Angst vor dem Scheitern

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Es mag sein, dass diese Generation gelegentlich etwas altklug scheint und auftritt. Das ist aber nicht die Folge mangelnden Respekts vor dem, was die Generationen vor ihr erreicht haben und wissen. Vielmehr ist dieser Generation schon immer vermittelt worden, dass ihre Meinung zählt. Und das ist auch richtig so.

So wie unsere Eltern und Lehrer uns den Gedanken eingepflanzt haben, dass wir alles erreichen können, was wir nur wollen, und dass wir uns immer zu allem äußern dürfen, machen wir es auch: Wir sagen, was wir denken. Auch wenn wir natürlich wissen, dass wir jeden Tag Neues lernen müssen, dass wir manchmal scheitern. Doch das hält uns nicht davon ab, es immer wieder zu versuchen, denn wir sind es gewohnt, dass nicht immer alles klappt, was wir anpacken, dass wir auch mal danebenliegen oder uns blamieren. Gerade im Journalismus finden wir diese Einstellung jetzt wichtig: Nicht jeder Blog, jede Serie oder jede Idee zur Berichterstattung, die wir haben und umsetzen, wird erfolgreich sein.

Wir probieren es mal aus. Wir sind in einer Welt aufgewachsen, die sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Das finden wir nicht immer gut. Genauso wenig verstehen wir es aber, wenn jemand entschlossen an einem Produkt festhält, das ganz offensichtlich in dieser Form immer weniger Leute haben wollen. Wir finden es normal, dass wir unseren Job nicht dreißig Jahre lang auf die gleiche Weise machen, nur weil wir es irgendwann einmal so gelernt haben.

Die Eltern haben keine Ahnung

Übrigens wissen wir natürlich längst, dass unsere Eltern mit der Annahme, jedem von uns sei irgendwann alles möglich, nicht immer recht haben. So wie sie überhaupt in Wahrheit meist gar nicht beurteilen können, wie es bei uns im Studium und später in der Arbeitswelt abläuft. So wie unsere Eltern studiert haben, studieren wir spätestens seit Bologna nicht mehr. Was Credits sind, wissen die Eltern nicht. Sie stellen sich alles ganz falsch vor. Dass wir keinen Job finden werden, der ein Leben lang eine sichere Bank sein wird, das haben wir schon lange emotionslos anerkannt – und wir bedauern das nicht. Es ist für uns Realität und Normalität.

Auch das Internet hat dazu beigetragen, uns den Eindruck zu vermitteln, dass die Elterngeneration oft nicht mehr mitreden kann oder will. Laut der Jugendmedienstudie JIM von 2012 spielt heute die Hälfte aller Jugendlichen täglich Computerspiele. Das sei schlecht, sagen die Erwachsenen. Doch was ist daran eigentlich genau schlecht? Schlecht ist doch eher, dass da eine Generation in einer Lebensrealität heranwächst, von der alle vorher Geborenen nichts wissen – und offenbar häufig auch gar nichts wissen wollen. Das sind aber genau die Menschen, die später unsere Gesellschaft prägen und gestalten werden. Sollten wir also nicht versuchen, einander zu verstehen und zu respektieren?