Die Ursachenforschung läuft Lungenkrank durch E-Zigaretten-Genuss?

Der Konsum von E-Zigaretten hat in den USA mehrfach zu massiven Atembeschwerden geführt. Foto: dpa

In den USA gibt es einige Todesfälle, die mit dem Dampfen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden. Die Fälle sind auf die USA begrenzt. Dennoch raten Experten Dampfern auch in Europa, keine selbst gemixten Cocktails zu verwenden.

Brüssel - Seit Ende Juni tauchen in den USA Fälle von schweren Lungenerkrankungen auf, die auf den Konsum von E-Zigaretten zurückgeführt werden. Die US-Behörden stellen inzwischen bei mindestens drei Todesfällen einen Zusammenhang her. Mittlerweile ist von einem vierten und einem fünften Todesfall die Rede, wo aber die endgültige Bewertung noch aussteht. Insgesamt wird von 450 möglichen Erkrankungen gesprochen, die in mehr als 30 US-Bundesstaaten aufgetreten sind. Zunächst waren junge Raucher rund um das 20. Lebensjahr unter den Todesfällen. Nun ist auch ein älterer Mann verstorben, der allerdings Vorerkrankungen hatte. Bisher sind die Fälle nur in den USA aufgetaucht.

 

Welche Symptome zeigen die Betroffenen?

Das Krankheitsbild ist nicht eindeutig. Es ist von Atembeschwerden die Rede, die sich bis zu Erstickungsanfällen steigern können. Patienten mussten künstlich beatmet werden und es wurden massive Schädigungen des Lungengewebes festgestellt. Auch von Brustschmerzen wird berichtet. Zudem sind Magen- und Darmbeschwerden vorgekommen – bis zum Erbrechen und Durchfall. Der Krankheitsverlauf wird als eskalierend bezeichnet. Bei den meisten Patienten verschwanden die Symptome aber, nachdem das Inhalieren eingestellt wurde.

Was kann die Ursache sein?

Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt gegenüber unserer Zeitung: „Es ist wahrscheinlich, dass problematische Inhaltsstoffe oder eine problematische Zubereitung, vielleicht auch die Kombination mehrerer Faktoren, Ursache für die Erkrankungen sind. Eine Infektion halten die US-Behörden für unwahrscheinlich.“ Bislang tappen die Behörden also noch weitgehend im Dunkeln. Die Untersuchungen konzentrieren sich aber auf die „Liquids“. Das sind Flüssigkeiten, die sowohl Nikotin enthalten, die aber auch nikotinfrei sein können. Diese Liquids erhitzt der Nutzer in der E-Zigarette mittels einer Batterie, der entstehende Dampf wird inhaliert. Derzeit werden offenbar 200 Proben der Liquids analysiert, dei von den Betroffenen konsumiert wurden. Bisher sind die Forscher dabei aber noch auf keine verdächtige Substanz gestoßen.

Welche Art der E-Zigaretten sind betroffen?

Offenbar sind in den USA vor allem „offene Systeme“ betroffen. Dabei handelt es sich um E-Zigaretten, bei denen die Liquids nicht in fest abgeschlossenen Behältern erworben werden, sondern bei denen die Konsumenten sich die Flüssigkeiten auch selbst mischen können. Die Erklärung für das mysteriöse Krankheitsbild und die schwer zu ermittelnde Ursache könnte also sein, dass experimentierfreudige Dampfer sich selbst einen Cocktail von Substanzen zusammengestellt haben, der die verhängnisvolle Wirkung entfaltet. Dem Vernehmen nach sollen keine Fälle im Zusammenhang mit der umstrittenen E-Zigarette Juul vorgekommen sein, die in der Vergangenheit in den USA Negativschlagzeilen wegen eines hohen Nikotingehaltes der Liquids gemacht hat. Es heißt, dass sie Jugendliche schnell süchtig machen sollen. Die Juul funktioniert mit geschlossenen Systemen. Die Konsumenten können sich für diese E-Zigarette also keine eigenen Liquid-Cocktails zusammenstellen. Die Juul gibt es auch in Europa, wegen scharfer EU-Gesetze ist der zulässige Nikotingehalt aber in Europa viel geringer als in den USA. die beiden Juul-E-Zigaretten sind also nicht vergleichbar.

Welche Substanzen stehen in Verdacht?

Die Behörden schließen nicht aus, dass Cannabis eine Rolle spielt. Womöglich haben die Nutzer den Wirkstoff THC, der in Cannabis-Produkten auftaucht, in ihren Liquids vermischt. Unter Verdacht ist auch ein Zusatzstoff, bei dem es sich um Vitamin-E-Azetat handelt. Diese Substanz ist aber als Zusatzstoff für nikotinhaltige Liquids in der EU verboten. Nicht verboten ist die Substanz aber als Zusatz in nicht nikotinhaltigen Liquids. Henkler-Stephani sieht eine Regelungslücke: „Die Bestimmungen der Tabakproduktrichtlinie zu den Inhaltsstoffen und zum Gesundheitsschutz gelten nur für die nikotinhaltigen Liquids, während die nicht nikotinhaltigen Liquids weniger streng reguliert sind. Es sollten vielmehr die gleichen Regeln auch auf alle nicht nikotinhaltigen Liquids angewendet werden, die mit E-Zigaretten inhaliert werden.“

Grundsätzlich rät er derzeit Dampfern in Europa vom Herumexperimentieren und dem Selbstmischen von Liquids ab: „Nutzer sollten nur Liquids aus dem Fachhandel kaufen, die tatsächlich für das Dampfen bestimmt sind und sämtlichen in der EU und in Deutschland geltenden Qualitätsstandards entsprechen. In der jetzigen Lage wird vom Selbstmischen dringend abgeraten, insbesondere wenn die Herkunft, Reinheitsgrade und Anwendungsbereiche von Chemikalien, Aromen oder sonstigen Zusätzen nicht garantiert sind.“

Wie reagiert die Branche?

Dustin Dahlmann vom Branchenverband Bündnis für Tabakfreien Genuss sieht schon jetzt Verunsicherung bei vielen Kunden und Großhändlern. Die E-Zigarette an sich habe aber nichts mit der Lungenkrankheit zu tun: Ein einfacher Becher könne schließlich auch benutzt werden, um ein Gift als auch ein Erfrischungsgetränk zu sich zu nehmen. „Es würde aber niemand auf die Idee kommen, vor Krankheitsfällen durch Becher zu warnen oder sie überhaupt nur damit in Verbindung zu bringen.“

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