Die Welt der Vulkane Eifel, Tambora, Gran Canaria und der Wasen

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Die Eifel – ein Paradies für Vulkanologen

Hans-Ulrich Schmincke, einer der weltweit renommiertesten Vulkanologen, und sein Forscherteam haben diese Eruption detailliert untersucht. Allein im Umkreis von 55 Kilometern vom Laacher-See-Vulkan wurde eine Fläche von 1400 Quadratkilometern unter einer ein bis 50 Meter dicken Bimssteinschicht begraben. Asche ging in weiten Teilen Europas nieder. Sogar in Norditalien und Südschweden kann man sie nachweisen.

Voluminöse pyroklastische Ströme (zerstörerische, partikelgespickte Wolken, die am Boden entlang schossen) aus festen und gasförmigen Stoffen erreichten über ein Seitental in acht Kilometern Entfernung vom Krater den Rhein und stauten ihn zu einem riesigen See auf. „Als diese Aufdämmung noch während der Eruption brach, schoss eine gewaltige Flutwelle durch das Rheintal stromabwärts“, erzählt Cornelia Park, die diese Aufstauung des Rheins genauer untersucht hat. Es gebe außerdem viele Hinweise darauf, dass die Laacher See-Eruption auch das Klima über mehrere Jahre hinweg beeinflusst hat – ähnlich wie die Eruption des Tambora.

Der Tambora und die Wasen

Am 10. April 1815 ging die Welt unter. Seit Tagen schon hatte es im Inneren des 4300 Meter hohen Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa rumort. Am Abend schossen Säulen aus „flüssigem Feuer“ aus dem Schichtvulkan. Kurz darauf regnete es noch in 40 Kilometer Entfernung faustgroße Steine vom Himmel. Pyroklastische Ströme aus festen und gasförmigen Stoffen flossen ins Meer und verursachten Tsunamis. Mehr als 70 000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Das darauffolgende Jahr 1816 ging in Europa und Nordamerika als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Aufgrund von Missernten explodierten die Preise für Nahrungsmittel und Viehfutter. Pferde und Rinder starben in Massen, die Menschen hungerten, die Wirtschaft kollabierte. Das Königreich Württemberg war besonders schwer getroffen. König Wilhelm I. und seine Gattin Katharina riefen 1818 das „landwirtschaftliche Fest zu Cannstatt“ – den späteren Cannstatter Wasen – ins Leben, um die darbende Bevölkerung zu unterstützen.

Schwefelsäure in der Stratosphäre

Wie funktioniert der Klimaeffekt? Manche Vulkaneruptionen wie die des Tambora, Pinatuabou (Philippinen, 1991) oder Laacher-See-Vulkans emittieren riesige Mengen Schwefel in Form von Schwefeldioxid hoch in die Atmosphäre. So wurden beim Ausbruch des Pinatubo rund 17 Millionen Tonnen Schwefeldioxid freigesetzt.

Schwefeldioxid verändert das Klima, indem es in der Statosphäre in 20 bis 40 Kilometern Höhe Schwefelsäuretröpfchen bildet. Diese können durch die Winde über den Globus verteilt und jahrelang um die Erde wandern, wie Schmincke erläutert. Außerdem könnten sie Teile des Sonnenlichts absorbieren, was zu einer Abkühlung und zu einer Veränderung der Wettermuster führt.

Gran Canaria – das „beste Vulkanologie-Lehrbuch“

Der 77-Jährige erforscht seit Mitte der 1960er Jahre Vulkane. Seine Neugier trieb ihn in bis nach Nordkorea, Kamerun, Costa Rica, Patagonien, Japan, China und in die Osttürkei. Doch Schminckes Steckenpferd ist Gran Canaria. Die größte der sechs Kanaren-Inseln sei „das beste Vulkanologie-Lehrbuch, das ich kenne“.

Er schaue sich Vulkane-Filme manchmal im Fernsehen an, erzählt Hans-Ulrich Schmincke. Die meisten Filme seien ihm aber viel zu einseitig und würden nur auf die zerstörerische Seite von Vulkanen abheben. „Immer wieder werden nur die Gefahren sensationell dramatisiert. Dabei sind nur wenige Vulkane wirklich gefährlich. Sie sind ein ganz normaler, wunderbarer und dramatischer Teil der Natur.“