Die Welt der Vulkane Feuerberge der Erde – Vulkane auf der Schwäbischen Alb

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Vulkane ängstigen und faszinieren die Menschen – und das zu recht wie der aktive Vulkan Mount Agung auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali. Auch die Schwäbische Alb hat eine explosive Vergangenheit, wie ein Streifzug durch ihre Geschichte zeigt.

Der Sinabung-Vulkan auf der indonesischen Insel Sumatra spuckte im Februar 2017 Rauch und Asche. Foto:  
Der Sinabung-Vulkan auf der indonesischen Insel Sumatra spuckte im Februar 2017 Rauch und Asche. Foto:  

Stuttgart - Um 1060 ließ Berthold I. von Zähringen, Herzog von Kärnten, auf einem malerischen Kegelberg im Vorland der Schwäbischen Alb eine Burg errichten – die Limburg. Sie thronte fast 200 Meter über dem Umland auf dem gleichnamigen Berg. Wie viele mittelalterliche Wehranlagen verfiel sie im Lauf der Jahrhunderte. Heute ist die Limburg samt Ruine der Hausberg von Weilheim an der Teck und ein beliebtes Ausflugsziel mit Blick auf Felder, Obstwiesen und Wälder.

Vor 17 bis elf Millionen Jahren entluden sich auf der Alb gewaltige Kräfte

Was Berthold der Bärtige damals nicht wusste und viele heute wahrscheinlich auch nicht vermuten: Die Limburg stellt quasi den Schlot eines erloschenen Vulkans des schwäbischen Vulkangebiets dar. Im Erdzeitalter des Miozäns vor 17 bis elf Millionen Jahren entluden sich hier gewaltige Kräfte. Auf einer Fläche von 40 mal 50 Kilometern entstanden rund 360 Vulkane. Zwischen den einzelnen Eruptionsphasen gab es jedoch sehr lange Ruhepausen. Im Zentrum dieses Gebiets liegt heute die Stadt Bad Urach.

„Die Alb war damals noch eine flach geneigte Tafel, ganz wenig über dem Meeresniveau“, erklärt die Vulkanologin Cornelia Park aus Tübingen. Das Landschaftsbild des Albtraufs sei erst viel später durch Hebung der Albtafel und anschließende Abtragung entstanden. Der Albtrauf ist eine 180 Kilometer lange Felskante, die das Hochplateau der Alb vom Albvorland mit seinen Obstbaum-Kulturen und Äckern trennt.

Als die Vulkane ausbrachen, reichte die Albtafel mindestens noch bis nach Stuttgart. Das beweist das Spektrum an unterschiedlichen Gesteinstrümmern der Alb­tafel im Tuffgestein des Scharnhäuser Vulkans in Ostfildern. Er ist als halbkreisförmige Mulde von 60 Metern Durchmesser – 800 Meter unterhalb des ehemaligen Vulkans – am Ortsrand Scharnhausens noch erkennbar. In Jahrmillionen wurde die Albtafel mitsamt der Vulkane so stark zurückerodiert – insbesondere während der Eiszeit –, dass der Albtrauf heute rund 23 Kilometer von Scharnhausen entfernt in südöstlicher Richtung liegt.

Überbleibsel aus unruhiger Zeit

Trotz ihrer prägnanten Kegelform, die an einen Schlackenkegel oder kleineren Schichtvulkan erinnert, stellt die Limburg nicht das eigentliche Vulkangebäude dar, sondern nur den Schlot (auch Diatrem genannt) dieses ehemaligen Vulkans – 200 bis 600 Meter unterhalb der ehemaligen Landschaftsoberfläche. Der Tuffschlot bildet jedoch nur das Zentrum der Limburg und tritt im Gipfelbereich zutage. Weiter unten ist er von einem Mantel aus Braunjuragestein umgeben . Es handelt sich hier also um die „Vortäuschung“ eines Vulkans.

Nach Aussage von Cornelia Park waren die schwäbischen Vulkane bis auf etwa zwei Ausnahmen keine Berge, sondern von einem niedrigen Ringwall umgebene Kratertrichter in einer weitgehend flachen Landschaft. Vulkanforscher oder Vulkanologen nennen diese Gebilde auch Maar-Diatrem-Vulkane.

Maare, Krater und Calderas

Wie es dazu kam, beschreibt die Vulkanologin so: Vor 17 bis elf Millionen Jahren kam es im Gebiet rund um Bad Urach mehrfach zu gewaltigen Wasserdampfexplosionen, immer wenn die aus der Tiefe aufsteigende Gesteinsschmelze (auch Magma genannt) in Oberflächennähe auf Grundwasser traf. Die bei diesen Eruptionen erzeugten Gesteinstrümmer und aus dem Magma entstandenen Partikel wurden explosionsartig empor geschleudert.

Bodenwolken, die sich mit rasender Geschwindigkeit vom Krater ausbreiteten, lagerten die Partikel ringsum als niedrigen Ringwall ab. Heute ist infolge der Erosion allerdings nur noch die Tufffüllung der ehemaligen Schlote erhalten. Sie besteht aus Material, das bei der Eruption in den Krater zurückgefallen beziehungsweise größtenteils von oben nachgerutscht war.

„Feurige Fontänen mit glühenden Partikeln oder Lavaströmen gab es auf der Alb praktisch nie – mit ganz wenigen Ausnahmen, zum Beispiel einer Spalteneruption bei Grabenstetten“, betont Cornelia Park. Der Grund: Das Magma traf beim Aufstieg durch den an Grundwasser reichen Albkörper fast immer auf Wasser, was dann eine schockartige Abkühlung des Magmas und gewaltige Wasserdampfexplosionen zur Folge hatte.

Limburg, Egelsberg und Dachsbühl

Da die Tufffüllung der Schlote widerstandsfähiger war als die umgebenden Gesteine der Albtafel, blieben im heutigen Albvorland isolierte Bergkegel wie die Limburg, der Egelsberg und der Dachsbühl stehen. „Man kann hier also den unterirdischen Teil der Alb Vulkane in ganz unterschiedlichen Tiefenniveaus unterhalb der ehemaligen Landschaftsoberfläche studieren. Ein Phänomen, das man auf der Erde nicht so häufig zu sehen bekommt“, unterstreicht Cornelia Park. Am Albtrauf selbst fallen die Tuffschlote weniger als Vulkane auf, wie der Hohenbol am Teckberg oder der Jusi bei Kohlberg.

Nachdem die Maar-Vulkane erloschen waren, entstand in ihrem trichterförmigen Krater ein See. Das bekannteste und größte Maar der schwäbischen Vulkangebiete ist das Randecker Maar südöstlich von Bissingen an der Teck. Im Umfeld seines Kratersees konnte man anhand von Fossilien, die man in den Seeablagerungen fand, eine sehr artenreiche Lebewelt nachweisen (Frösche, Fledermaus, Pferd, Nashorn oder Zitzenzahnelefant). Der See selbst war wohl wenig einladend. Man hat keine Fischreste gefunden. Das Wasser war möglicherweise zu sauerstoffarm oder durch Gase vergiftet, die aus dem Faulschlamm aufstiegen, der sich am Boden das anfänglich bis zu 135 Meter tiefen Sees abgelagert hatte.