Die Windsors kommen nach Heidelberg Kate und William statt Wochenmarkt

Von Johanna Eberhardt 

Zwischen den Stationen Berlin und Hamburg reisen Prinz William (35) und Herzogin Kate (35) am 20. Juli nach Heidelberg. Am Neckar stehen unter anderem eine royale Ruderregatta, ein Besuch im Deutschen Krebsforschungszentrum und ein Gang durch die Altstadt auf dem Programm – doch bei manchem Heidelberger hält sich die Euphorie in Grenzen.

Der Marktplatz in Heidelberg ist auch so schön, für den königlichen Besuch wird  er nächste Woche  noch   herausgeputzt.Foto:Phililpp Rothe Foto:  
Der Marktplatz in Heidelberg ist auch so schön, für den königlichen Besuch wird er nächste Woche noch herausgeputzt. Foto:Phililpp Rothe

Heidelberg - Die Kanaldeckel in der Steingasse, durch die Prinz William und seine Gemahlin Kate, die Herzogin von Cambridge, bei ihrem Heidelberg-Besuch in den nächsten Woche vom Marktplatz zur Alten Brücke an den Neckar spazieren werden, sind dem Vernehmen nach schon zugeschweißt. Ein T-Shirt-Laden auf der Hauptstraße hat erste Willkommens-Shirts im Angebot, in einem Bonbon-Geschäft gibt es Lutscher in den britischen Nationalfarben. Ansonsten ist in den Straßen und Gassen der Heidelberger Altstadt noch so gut wie nichts zu merken von dem Großereignis, das der Stadt am 20. Juli bevorsteht. Viele Bewohner scheinen nicht allzu informiert über den hohen Besuch. „Wann kommen die?“, fragt eine Dame, die direkt am Marktplatz wohnt – mit bestem Blick auf das Geschehen dort. „Da werde ich gleich am morgens abhauen“, sagt sie. „Was soll ich denn anderes machen? Da komme ich doch sonst den ganzen Tag nicht mehr raus oder rein ins Haus“.

Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Ich telefoniere hier im Akkord“, sagt der Rathaus-Pressesprecher Tim Herre. Niemand könne bisher abschätzen, wie viele Besucher kommen werden, um einen Blick auf Kate und William zu erhaschen. „Wir haben da keine Erfahrungen, aber wir rechnen schon mit Zahlen im fünfstelligen Bereich“, sagt er.

Während der Regatta sind die Straßen entlang des Neckars gesperrt

Während einer 1000-Meter-Regatta auf dem Neckar, bei der Kate und William zwischen der Alten Brücke und der Theodor-Heuss Brücke flussabwärts zusammen mit Ruderern aus Cambridge und Heidelberg ein Achter-Rennen bestreiten wollen, sollen beide Straßen entlang des Flusses für Autos gesperrt werden und für Schaulustige zur Verfügung stehen. Davor hat die Stadt 200 Ehrengäste vor das Rathaus geladen. Wer zu den Auserwählten gehört, ist geheim. Das Paar habe sich „einen Querschnitt durch die Stadtgesellschaft gewünscht“, erklärt Herre. Der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Bernhard Eitel wird auf jeden Fall dabei sein – „und er freut sich sehr“, versichert seine Sprecherin. Auch die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Jan Gradel und Anke Schuster, haben zugesagt; etliche andere Räte dagegen dankend abgewinkt. Zur zweiseitigen Einladung habe es „acht Seiten Sicherheitsvorschriften gegeben“, verrät ein SPD-Mann. „Da bleibe ich lieber an meinem Schreibtisch und arbeite“.

Richtig rausgeputzt werden soll die Altstadt nach Angaben von Herre erst in letzter Minute am Morgen unmittelbar vor dem Besuch. „Wir haben ja viele motivierte Mitarbeiter und außerdem zusätzliche Einsatzkräfte verpflichtet; sie werden den Marktplatz und die Gassen bis zur Alten Brücke samt der Neckarwiese noch einmal richtig saubermachen, ein letztes Mal die Blumenkübel prüfen und für zusätzlichen Blumenschmuck sorgen“. Der reguläre Wochenmarkt wird ausfallen. Stattdessen gibt es einen Deutsch-Britischen Markt, bei dem die Stadt eine Auswahl ihrer biozertifizierten Betriebe präsentieren will und der Kinderchor der städtischen Musik- und Singschule die Gäste begrüßen soll.

Das Herzogpaar William und Kate wird kein Unkraut vorfinden

Schon deutlich weiter mit den Vorbereitungen für den hohen Besuch ist man im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Dort haben die Gärtner in den vergangenen Tagen die Grünanlage vor dem Haupteingang „auf Vordermann gebracht und das Unkraut gejätet“, verrät die Pressesprecherin. Die britischen Fähnchen, mit denen die Mitarbeiter den Gästen zuwinken können, sind bestellt, auch eine zusätzliche große Flagge wurde beschafft. Die Abteilung, in der ein britischer Nachwuchswissenschaftler den Vertretern seines Königshauses ein Projekt aus der Stammzellforschung vorstellen wird, ist frisch gestrichen worden. Außerdem warten dort auf Kate und William, die – auf eigenen Wunsch – bei ihrem Besuch in dem Forschungszentrum vorschriftsmäßig in Laborkleidung auftreten wollen, zwei funkelnagelneue weiße Kittel mit deutsch-englischer Aufschrift.

Das Landeskriminalamt, Polizei und Personenschützer haben das DKFZ bereits inspiziert. In der Altstadt und rund um das Rathaus sollen die Bewohner erst in den nächsten Tagen genauer über den Ablauf und eventuelle Einschränkungen informiert werden. Einigen Rathaus-Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass sie vor und während des Besuchs ihre Zimmer nicht verlassen dürfen. Für den Publikumsverkehr sei das Rathaus an dem Tag in jedem Fall geschlossen, sagt Herre. Zudem dürften während der Visite, bei der Oberbürgermeister Eckart Würzner und Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Paar empfangen, nur Mitarbeiter im Haus bleiben, die unmittelbar mit der Organisation zu tun hätten. „Manche sind hier schon ein bisschen hysterisch“, sagt eine der Betroffenen. Nach Einschätzung von Herre sollten Besucher und Bewohner nächsten Donnerstag in Heidelberg zumindest für einige Stunden mit erheblichen Einschränkungen rechnen: Genaue Zeit- und Ablaufpläne sind zwar bis jetzt aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlich worden. Wahrscheinlich aber sollen beide Straßen entlang des Neckars und die zwei Brücken der Innenstadt während der royalen Rudergatta gesperrt werden. Der Schiffs- und Bootbetrieb wird eingestellt; selbst die Weiße Flotte muss weichen, um dem hohen Besuch den ganzen Blick auf die Altstadt und Schloss freizugeben. „Für Zuschauer empfehlen wir das nördliche Neckarufer in Neuenheim“, sagt Herre. „Dort hat man sicher den besten Blick auf das Geschehen“. Große Hoffnungen, dass man Kate und Williams „auf Armeslänge nahekommt“ sollte sich niemand machen, rät er. Ein richtig öffentlicher Auftritt des Paares sei in Heidelberg nicht vorgesehen.

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