Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat sein Amt verloren, seinen guten Ruf – und jetzt auch noch seine zweite Frau. Seine Gattin Bettina und er haben nun nach fünf Jahren Ehe eine Trennungsvereinbarung unterschrieben.
Berlin - Das Ende dieser Ehe hat sich vor einem knappen Jahr schon abgezeichnet. Auf offener Bühne, vor laufenden Kameras. Es war am Tag, als Christian Wulff seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten verkündete. Er erschien dazu in Begleitung seiner Frau Bettina. Sie stellten sich der schwierigen Situation Seit’ an Seit’ – und doch getrennt, durch eine Kluft, die kaum wahrzunehmen und doch wohlüberlegt war. Bettina Wulf inszenierte bei diesem Rücktritt auch eine Art Rücktritt von ihrem Ehemann.
Die Trennungsvereinbarung ist bereits unterschrieben
Sie hat das später selbst offen bekannt. In ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“ liest sich der Anfang vom Ende dieser Beziehung so: „Mich nervte der Gedanke, dass ich mich vor die Masse an Journalisten stellen musste, die zu wenig unterschieden zwischen mir und meinem Mann.“ Sie habe sich „nicht selbstverständlich als untrennbares Doppel über einen Kamm scheren lassen“ wollen, schreibt Frau Wulff. „Ganz bewusst stellte ich mich ein Stück weit entfernt von Christian, um so zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau.“
Inzwischen hat sich Bettina Wulff noch weiter von ihrem Mann entfernt. Elf Monate nach dessen Scheitern im Amt ist auch die Beziehung gescheitert. Wulff sei am vergangenen Wochenende aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel ausgezogen, heißt es. Die beiden habe eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet, in der auch Unterhaltsfragen geregelt sind. Christian Wulff wohnt jetzt in einer Mietwohnung. Bei dem Familiendomizil, das weiter von Bettina Wulff beansprucht wird, handelt es sich übrigens um jene Immobilie, deren Kauf den Präsidenten in Erklärungsnöte brachte. Das war Anlass der Affäre, die mit dem Rücktritt endete.
Die Wulffs hatten jahrelang als Traumpaar der ansonsten eher drögen deutschen Politikerwelt gegolten. Mit der jetzt 39-jährigen Werbefachfrau hielt der Glamour Einzug, zunächst im faden Hannover, dann auch auf dem Parkett von Schloss Bellevue. Die Dame mit dem Tattoo auf dem Oberarm wurde von den Boulevardmedien auf eine Art willkommen geheißen, als leide eine Republik darunter, wenn die First Lady nicht wie Carla Bruni aussieht – oder sich wenigstens auf eine ähnliche Weise unter den Reichen und Schönen zu bewegen weiß. Erstmals wurden körperliche Details und die Garderobe der Präsidentengattin Themen der politischen Berichterstattung – wobei erst später ans Tageslicht kam, dass jene sich zum Teil gratis ausstaffieren und so als Modepuppe der Herstellerfirmen ausnutzen ließ.
Bettinas Biografie war auch eine Abrechnung mit ihrem Mann
Spätestens mit dem Erscheinen der Memoiren Bettina Wulffs in diesem Sommer wurde offenkundig, dass hier nicht nur der falsche Mann ins höchste Staatsamt gewählt worden war, sondern dass er auch noch die falsche Frau an seiner Seite hatte. Das Buch und die zur Beförderung seines Verkaufs vereinbarten Interviews verrieten, wie sehr Bettina Wulff ihre Rolle in der öffentlichen Ehe mit einem Staatsmann missverstanden hatte. Sie beklagte sich, dass „vor lauter Funktionieren-Müssen das Beziehungsleben so gut wie auf der Strecke blieb“ und darüber, die vielen Verpflichtungen als Präsidentgattin unentgeltlich erledigen und auf Dienstreisen Wand an Wand mit Personenschützern übernachten zu müssen („dann muss man ja verdammt leise sein bei allem, was man so tut“).
Die auf 223 Seiten ausgebreiteten Bekenntnisse der Bettina Wulff waren auch eine Abrechnung mit ihrem Mann. Sie waren der Schlussstrich unter ein Kapitel in der eigenen Biografie und sollten unverkennbar einen Neustart ermöglichen. Die Trennung hat eine lange Vorgeschichte.
Vom Patchwork bleiben nur noch Fetzen
Die Wulffs hatten als Paar voneinander profitiert. Der bis dahin allzu hausbackene CDU-Mann erschien durch die Liaison mit einer jüngeren, fotogenen Frau plötzlich wie ein Womanizer. Sie wurde aus unspektakulären Verhältnissen in die Belle Etage der Gesellschaft katapultiert. Die beiden waren als erste Patchworkfamilie ins Schloss Bellevue eingezogen und hatten diesen Anschein von Modernität auch zelebriert. Nun bleiben von Patchwork nur Fetzen übrig. Den Strapazen des Skandals um Wulff und dessen schmachvolles Scheitern im höchsten Staatsamt war diese Beziehung nicht gewachsen. Sie ist daran zerbrochen, vielleicht auch an einer Überfülle zerstörter Illusionen. Für ein Leben an der Seite eines abgehalfterten Politpensionärs ist Bettina Wulff wohl noch zu jung und ganz gewiss zu ehrgeizig.
Es verwundert kaum, dass ausgerechnet der Chef der Zeitung mit den größten Buchstaben als Erster über die neueste Wendung dieses Dramoletts berichtet. Er hatte den Stein ins Rollen gebracht, über den Wulff letztlich stolperte. Und als die Affäre vor gut einem Jahr in Fahrt kam, hatte der damals noch amtierende Präsident nichts Besseres zu tun, als sich bei diesem vermeintlichen Vertrauten zu beschweren. Der scheint aber nach wie vor mit den Verhältnissen der Wulffs sehr vertraut zu sein.