Nur selten noch öffnen sich die großen Scheunentore der denkmalgeschützten Denkendorfer Zehntscheuer. Wo vor 500 Jahren Heu, Stroh, Getreide und andere Feldfrüchte gelagert wurden, sind heute vor allem Utensilien für Festivitäten der Gemeinde untergebracht: Kühlwagen und -schränke, Biertischgarnituren, aber auch ein Notstromaggregat der Gemeinde bilden ein buntes Allerlei. Eine fahrbare, ausziehbare Feuerwehrleiter Baujahr 1924 steht ein wenig verloren in einer Ecke. So erinnert ein Teil der Zehntscheuer heute eher an einen vollgepackten Dachboden.
Überrascht wird, wer den großen mittleren Bereich betritt. Dieser präsentiert sich als hoher und weiter Raum, der heute den Blick freigibt bis in die Spitze des Satteldachs, unter dem sich einst zwei Dachböden und ein Spitzboden erstreckten. Die rohen Holzbalken bilden ein geometrisches, dreidimensionales Muster. Hier kann man alle zwei Jahre beim Schlehenfest im Trockenen sitzen oder bei Hitze die Kühle des Fachwerkgebäudes genießen.
Einst ein zentrales Gebäude des Kloster-Wirtschaftshofs
Das war nicht immer so, diente die Zehntscheuer doch zunächst dem Kloster, später privaten Eigentümern als Lagerfläche. Damals war der Innenraum vielfach horizontal und vertikal durch Lagerböden und Wände unterteilt. Schließlich wollte man möglichst viel in dem Zweckbau unterbringen. Auf den Dielen der verschiedenen Etagen, die meist nur durch Leitern erreichbar waren, wurde vor allem das Getreide üblicherweise nur in einer flachen Schicht gelagert. So konnte man es leichter umschichten und es kam nicht zur Erhitzung und damit zu Bränden.
Ursprünglich war der imposante Bau, der auf das Jahr 1532/33 datiert wurde, mit einer Länge von gut 41 und einer Breite von 14 Metern ein zentrales Gebäude des Wirtschaftshofs des Denkendorfer Klosters. Es war mit seiner Größe ein Symbol der Macht und Wirtschaftskraft des Klosters, die weit über Denkendorf hinaus reichten. Die Zehntscheuer ist laut dem Landesdenkmalamt neben der Scheune im Klosterhof das älteste erhaltene Wirtschaftsgebäude des Klosters. Sie steht am Fuße einer Bergnase, auf der sich die zentralen Klostergebäude befanden und bildete mit einigen anderen Wirtschaftsgebäuden, die heute zum Teil verschwunden sind, einen geräumigen, etwa quadratischen, von Mauern umgebenen Hofraum. Besonders bemerkenswert ist laut Denkmalexperten die Gliederung in zwei Schiffe und ursprünglich zwölf, später neun Abteilen. Damit gehöre sie zu den selten gewordenen, typischen spätmittelalterlichen Holzbauwerken in einer Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Der Bau fasziniere durch seine hervorragende Zimmermannskunst, schreibt Sabine Weyrauch vom Landesdenkmalamt.
Erbärmlicher Anblick in den 1990er-Jahren
Vier große Holztore, die sich zum Maierhof öffnen, und eine kleine Tür an der Ostwand zeigen, wo früher die Fuhrwerke die Lagergüter anlieferten. Von dort aus wurden die Waren auf die verschiedenen Lagerabteile verteilt. Auch direkt vor dem heutigen Westgiebel gab es laut Denkmalamt ursprünglich eine Toreinfahrt.
Auf einem Sandsteinsockel sind die Fachwerkwände errichtet worden. Wände und Dachstuhl werden durch dicke Balken – zumeist aus Eiche – gestützt. 1844 verkaufte der Staat die Zehntscheuer und andere Gebäude im Maierhof an Denkendorfer Bürger. Damals waren wohl noch mehrere Schafställe an die Scheune angebaut. Unter den Käufern waren neben dem Schultheißen auch drei Gastwirte und der örtliche Schäfer.
In den 1990er-Jahren bot das einst stattliche Gebäude einen erbärmlichen Anblick. Dachstuhl, Stützbalken und Wände waren so marode, dass das Ganze einzustürzen drohte. Das Dach und die Fassade präsentierten sich als Flickenteppich. Zwar war noch viel originale Bausubstanz erhalten, doch diese war in denkbar schlechtem Zustand. Dass so lange nichts geschah, lag auch daran, dass sich das Gebäude damals in der Hand von 29 Eigentümern mit zum Teil winzigen Anteilen befand. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse erschwerten eine Einigung über die dringend notwendige Sanierung. Der Durchbruch gelang erst, als die Gemeinde zunächst 28, später auch den letzten privaten Eigentumsanteil kaufen konnte.
Zehntscheuer wurde denkmalgerecht saniert
Die Sanierung erwies sich als aufwendig. Das Dach glich einer Hügellandschaft, der Dachstuhl war schief und Dachlatten teilweise gebrochen. „Für eine denkmalgerechte Sanierung versucht man, nur auszutauschen, was wirklich nötig ist, und den Originalbauzustand wiederzugeben“, erklärt Heidrich. So wurden etwa die mit Bruchsteinen aufgefüllten Wandgefache zwischen den Fachwerkbalken erhalten. Doch für Heidrich ist auch klar, dass es am Gebäude bereits in den zurückliegenden Jahrhunderten immer wieder Veränderungen gab. Jedoch war der einzige größere Einschnitt in der Geschichte der Klosterscheune laut Denkmalamt neben dem Teilabbruch die Aufteilung in einzelne, private Einheiten. Dies geschah wohl im Zusammenhang mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Einzelne Zonen sind zudem in den 1970er-Jahren abgebrochen worden.
Die Holzkonstruktion war marode
Sanierung
Die Sanierung der denkmalgeschützten Zehntscheuer erfolgte zwischen 1998 und 2001. Zur Sicherung des einsturzgefährdeten Gebäudes wurde das Dach neu gedeckt und die Holzkonstruktion wie auch die Wände und die inneren Bereiche saniert. Bis zu 70 Prozent der Holzteile, so schätzt Ortsbaumeister Michael Heidrich, mussten ausgetauscht werden.
Das Dach
Der Dachstuhl wurde auf einer Seite um etwa 15 Zentimeter angehoben um die Dachfläche wieder anzugleichen. Auch neue Dachziegel nach altem Vorbild wurden aufgebracht. Teilweise wurde das Fachwerk ausgetauscht. Ein Ziegelsteinboden wurde im Innern verlegt. Die Sanierung der Zehntscheuer kostete schließlich knapp 1,3 Millionen D-Mark. Im Juli 2001 wurde das sanierte Gebäude beim Schlehenfest eingeweiht.