Die Zeit nach der Schule in Gerlingen Eltern wollen mehr und flexiblere Schulkind-Betreuung

Von  

Die Verwaltung möchte das Tagheim umstrukturieren. Die Eltern wehren sich – sie wollen einbezogen sein.

Die Kinder, die jetzt noch das Kindertagheim besuchen, sollen  auch nach einer Umstrukturierung dort bleiben können. Foto: factum/Bach
Die Kinder, die jetzt noch das Kindertagheim besuchen, sollen auch nach einer Umstrukturierung dort bleiben können. Foto: factum/Bach

Gerlingen - S chulkinder sollen nach dem Unterricht in der Schule betreut werden und nicht mehr im Kindertagheim bei der Breitwiesenschule. Das schlägt die Verwaltung dem Gerlinger Gemeinderat vor. Dann könnte das Tagheim zu einer Einrichtung nur für Kindergartenkinder werden. Bisher sind dort 36 Schulkinder und 18 Kindergartenkinder – ursprünglich war es genau umgekehrt.

Die Eltern wehren sich gegen die Änderung. Sie verlangen, stärker an der Planung beteiligt zu werden. Zudem möchten sie mehr und flexiblere Betreuungsmöglichkeiten. Außerdem soll der für nächste Woche geplante Gemeinderatsbeschluss verschoben werden. Die Eltern sind bereit, an einer Bedarfsabfrage mitzuwirken.

Ein Vorschlag der Stadtverwaltung hat die ganze Debatte ausgelöst: Im Tagheim sollen nach einem gestaffelten Übergang nur noch Kinder im Vorschulalter aufgenommen werden. Die Schulkinder, die bisher noch nach dem Unterricht am Nachmittag das Tagheim besuchen, dürfen dort bleiben. Alle anderen sollen aber künftig nachmittags in ihrer Schule bleiben.

Halbtags- und Ganztagsschule

Die Gerlinger Grundschulen bieten aber keine so langen Betreuungszeiten wie das Tagheim – daran entzündet sich der Ärger der Eltern. Die Breitwiesenschule ist als Halbtagsschule konzipiert: Es soll dort nach dem Unterricht künftig ein Betreuungsangebot für 120 Kinder bis 15 Uhr geben, das von der Stadt organisiert wird.

An der Pestalozzi- mit der Waldschule gibt es das Halbtags- und das Ganztagsmodell. Im Ganztagsbereich geht die Betreuung in der Verantwortung von Schule und Lehrern bis 15.45 Uhr, an der Pestalozzischule will die Stadtverwaltung danach eine Betreuung bis 17 Uhr einrichten. Damit verbunden ist die Garantie, dass die dafür angemeldeten Kinder in den Ferien an der Schule betreut werden.

„Der Bedarf für die Betreuung von Schulkindern am Nachmittag ist deutlich gestiegen“, sagt Stefan Fritzsche vom Amt für Jugend, Familie und Senioren unserer Zeitung. Deshalb wolle man in Gerlingen mehr Plätze anbieten, auch bei der Kernzeitbetreuung. Man lasse sich von einem Gedanken leiten: „Was ist organisierbar und was bringt eine gewisse Qualität?“

Im Sozialausschuss des Gemeinderates wurde das Konzept der Verwaltung lange diskutiert. Eltern und Elternvertreter seien seit Juni an vier Gesprächen beteiligt gewesen, hieß es. Rolf Schneider (Grüne) argumentierte, kein Kindergartenträger könne allen individuellen Wünschen der Eltern und ihrer Arbeitgeber gerecht werden: „Verantwortlich sind zuvörderst die Eltern.“ Anette Lay (CDU) betonte, man habe versucht, die Angebote flexibel zu gestalten: „Das muss aber tragbar sein.“

Und Judith Stürmer (Junge Gerlinger) erkannte das Bedürfnis der Eltern an, betonte aber: „Bei einer vollständigen Flexibilität ist eine pädagogische Arbeit fast nicht zu leisten.“ Für Petra Bischoff (Freie Wähler) ist die Schulkindbetreuung gar „das schwierigste Thema in meiner Gemeinderats-Laufbahn“, wie sie bekennt.

Forderung durch Online-Petition untermauert

„Wir wollen uns stärker beteiligen“, sagte Jens König, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, unserer Zeitung. Zuerst müsse der Bedarf geklärt werden. Es gebe rund 660 Kinder an beiden Grundschulen, dazu kämen die nächsten Jahrgänge der Kindergartenkinder und Familien, die zuziehen. Die Eltern fordern, dass der Gemeinderat nächsten Mittwoch nicht entscheidet. Sie bieten an, ihre bereits entworfene Bedarfsabfrage in die Umfrage zum Stadtentwicklungskonzept zu integrieren: „Wir wollen nicht unbedingt eine eigene Umfrage.“ Die Eltern untermauern ihre Forderungen jetzt auch durch eine Online-Petition.

„Alle individuellen Wünsche können wir nicht erfüllen“, meinte die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel zum Ende der Debatte, „wir sind aber gerne bereit, nochmals zu diskutieren.“




Unsere Empfehlung für Sie