Diebischer Postbote in Fellbach Verdacht gegen Postzusteller: mehr als 1000 Briefe verschwunden

Ein Postbote, der in Fellbach austrägt, hat Briefe in Untertürkheim in einer Papiermülltonne entsorgt – ein aufmerksamer Bürger meldete den Fund der Polizei. Foto: Gottfried / Stoppel

In Fellbach ermittelt die Polizei gegen einen Postboten, der mehr als 1000 Sendungen nicht verteilt und zum Teil auch geöffnet haben soll. Betroffene berichten, die DHL Group nimmt Stellung.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Mit Verspätungen der Deutschen Bahn hat Thomas Schneider (Name geändert) leidvolle Erfahrungen. Immer wieder muss der Fellbacher deswegen mit dem Transportunternehmen in schriftlichen Kontakt treten. Dass neben Zügen auch Briefe der Bahn verspätet, besser gesagt: gar nicht ankommen – das war ihm neu. „Die Bahn hatte mir Anfang August mehrere wichtige Schreiben per E-Mail angekündigt“, erzählt Schneider. „Doch keine der fünf Sendungen kam jemals bei mir an.“

 

Nachdem auch die abonnierte Fernsehzeitschrift nicht die Voithstraße im Teilort Schmiden erreichte, meldete Schneider das Ausbleiben sämtlicher Sendungen bei der telefonischen Servicehotline der Deutschen Post, die nun DHL Group heißt: „Ich habe meine Adresse angegeben und erklärt, welche Briefe fehlen. Man versprach, sich darum zu kümmern – aber passiert ist nichts.“

Besonders ärgerlich sei es beim 76. Geburtstag seiner Mutter gewesen: „Die Schwägerin aus Brandenburg hatte eine Glückwunschkarte geschickt, die jedoch nie in Schmiden ankam. Wir wussten von dieser Karte nichts, und haben uns irgendwann Sorgen um die Schwägerin gemacht, weil sie sich zum Geburtstag gar nicht gemeldet hat“, erzählt Schneider. „Als wir dann bei ihr angerufen haben, hat die Schwägerin verschnupft reagiert, weil wir uns für die Karte – die ja nie bei uns ankam – nie bedankt hätten.“ Es folgte ein erneuter Anruf bei der Beschwerdestelle der Post, der gleiche Hinweis: „Es hieß wieder, man kümmere sich um die Angelegenheit.“ Gehört hat Schneider von der Post bis heute nichts. Immerhin hat ein Bekannter etwas in Erfahrung gebracht: Die fehlenden Briefe, Zeitschriften und die Karte sind auf einen Briefträger mit krimineller Energie zurückzuführen. Das bestätigt auch die Polizei auf Nachfrage.

Polizeisprecher Stephan Widmann Foto: Lichtgut//Max Kovalenko

„Der Sachverhalt ist bekannt und beim Polizeipräsidium Stuttgart in Bearbeitung“, teilt Polizeisprecher Stephan Widmann mit: „Wir ermitteln gegen einen 27 Jahre alten Mann, unter anderem wegen der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses, sowie Verletzung des Briefgeheimnisses.“ Offenbar wurden mehr als 1000 Sendungen nicht zugestellt und teilweise geöffnet. Es sind bislang sieben Geschädigte bekannt.

Was sagt die Post dazu?

„Ein Zeuge entdeckte am 14. August gegen 15.30 Uhr in einer Grünen Tonne im Lindenschulviertel in Untertürkheim eine Vielzahl von Briefen sowie mehrere Pakete und alarmierte dann die Polizei“, berichtet Widmann. „Ermittlungen führten auf die Spur des Tatverdächtigen.“ Nähere Infos zum Verdächtigen oder zum Schadensausmaß könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.

Der DHL-Sprecher Marc Mombauer nimmt auf Nachfrage Stellung zu dem Vorgang: „Alle Fälle dieser Art, die auf kriminelle Handlungen zurückgeführt werden können, werden in enger Zusammenarbeit unserer Konzernsicherheit mit den jeweiligen Polizeibehörden verfolgt und bei erfolgreicher Ermittlung geahndet.“ So sei das auch im konkreten Fall, um weiteren Schaden für die Kundinnen und Kunden abzuwenden. „Wir bitten jedoch um Verständnis, dass wir hier keine Angaben im Detail mitteilen. Für die unseren Kundinnen und Kunden entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.“

Wie Kunden bei verloren gegangener Post handeln sollten

Verluste von Sendungen seien bei der DHL „die große Ausnahme und bewegen sich mit Blick auf die Zahl der täglich von uns beförderten Briefe und Pakete im kaum messbaren Bereich“. Dies ändere sich auch dadurch nicht, dass in Spitzenzeiten vor Weihnachten zum Teil die doppelte Menge transportiert werde. Bei nachweisbaren Sendungen, etwa Einschreiben, ließen sich Briefsendungen durch einen individuellen Identcode auf ihrem Transportweg einzeln verfolgen. „Dies versetzt uns in die Lage, zum Beispiel bei Verzögerungen oder Sendungsverlusten, mögliche Fehler beziehungsweise Schwachstellen schneller zu finden und notwendige Verbesserungen einzuleiten“, so der DHL-Sprecher. „Für den Schutz der uns anvertrauten Sendungen haben wir in unseren Sortierzentren und beim Transport entsprechende Vorkehrungen getroffen, um kriminellen Handlungen vorzubeugen.“ Trotzdem ließen sich in einem Massengeschäft auch Sendungsverluste nie vollständig vermeiden. „Sobald wir von Kunden stichhaltige Hinweise erhalten, wird umgehend unsere eigene Security-Abteilung eingeschaltet und je nach Sachverhalt auch die Polizei.“

Betroffene sollen sich melden

Betroffene Kunden, die eine Sendung eingeliefert haben und die ihren Empfänger nicht erreicht, sollten sich umgehend mit einem Nachforschungsauftrag an den Kundenservice wenden. „Wichtig wäre in jedem Fall, immer den Einlieferungsschein zu behalten, um den Identcode der Sendung verfügbar zu haben.“

Bei Familie Schneider hielt sich der Schaden in Grenzen – doch für viele andere Betroffene könnte der Verlust von Sendungen schwerwiegendere Folgen haben.

Weitere Betroffene können sich unter 0711/89 90 35 00 bei der Polizei melden.

Wenn Briefe nicht ankommen

Geschädigte
Sind Sie vom vorliegenden Fall konkret betroffen? Dann melde Sie sich beim Stuttgarter Polizeirevier 5 an der Ostendstraße unter der Telefonnummer 0711/89 90 35 00.

Nachforschungsauftrag
Wenn Sendungen nicht ankommen, kann man dies unter der Kunden-Hotline 0228/433311 melden oder via www.deutschepost.de/de/hilfe-kundenservice einen Nachforschungsauftrag im Internet initiieren.

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