Diebstahl Langfinger greifen immer wieder in Bienenkästen

Imker beklagen regelmäßig, dass ihnen Bienenstöcke, Königinnen oder Honigwaben wegkommen. Zur Anzeige bringen sie den Verlust meist nicht. Sie haben Kollegen unter Verdacht.

Welcher Laie findet unter all den Bienen die Königin? Eigentlich nur einer, der sich auskennt, sagen die Hohenheimer Imker. Foto: dpa/Patrick Seeger
Welcher Laie findet unter all den Bienen die Königin? Eigentlich nur einer, der sich auskennt, sagen die Hohenheimer Imker. Foto: dpa/Patrick Seeger

Hohenheim/Filder - Während der Obstblüte ist es schon wieder passiert. Klaus Wallner kam bei den Bienenstöcken der Hohenheimer Landesanstalt an – und hat den Diebstahl entdeckt. Jemand hat circa zwei Dutzend Waben aus den Kästen geklaut, sie waren voller Honig und wogen gut und gerne 50 Kilogramm schätzt der Hohenheimer Imker. „Der Mensch, der sich da bedient“, kennt sich gut aus“, schätzt Wallner. Es sei nicht das erste Mal gewesen. Und überhaupt komme es immer wieder vor, dass sich Langfinger an fremden Bienenstöcken bedienen. Privat habe er das auch schon erlebt, erzählt Klaus Wallner, und von anderen Imkern höre er auch immer wieder diese Klagen.

Es sind nicht immer nur volle Honigwaben, die sich andere unter den Nagel reißen. Peter Rosenkranz, der Leiter des Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim, sagt, dass vor allem immer wieder Königinnen wegkämen, aber manchmal auch ganze Völker. Letzteres sei allerdings ungleich kompliziert, denn die Kästen seien sehr schwer und teils mit Brandzeichen kenntlich gemacht. Die müsse der Dieb hinterher auf jeden Fall los werden.

Dazu fällt Klaus Wallner eine Anekdote ein. Im seien privat schon Völker gestohlen worden. Etwas später sei er bei einer Grillparty auf einem Gartengrundstück eingeladen gewesen – und als er über den Zaun zum Nachbarn schaute, traute er seinen Augen nicht. Da standen seine Bienenkästen, mit Farbe angepinselt, doch er erkannte die Marke Eigenbau trotzdem. Dem Dieb ging es an den Kragen.

Einen Bienenräuber haben sie mit der Wildkamera überführt

Die Aussichten für bestohlene Imker, dass der Täter überführt wird, sei gleich null, sagt Peter Rosenkranz. Zumindest dann, wenn die Völker von einer ruhigen Obstbaumwiese ausschwärmen. Vor 15 Jahren hätten sie mal einen Bienenräuber mit einer Wildkamera überführt, sagt der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde. Doch so etwas sei die absolute Ausnahme.

„Bedrückend ist, dass es sich dabei wohl um Kollegen handelt“, sagt Klaus Wallner. Denn die Diebe gingen meist sehr fachmännisch vor, welcher Laie finde unter all den Bienen die Königin? Warum sich Imker gegenseitig bestehlen, hat wohl auch mit dem Thema Imkerehre zu tun, vermuten die Hohenheimer. „Vielleicht sind die eigenen Völker über den Winter weggestorben, vielleicht möchte der Dieb seine Kunden mit Honig bedienen, hat aber selbst keinen mehr“, sagt Rosenkranz. „Es ist auch oft ein einfacher Weg, um seinen Bestand aufzumotzen.“ Ums Geld gehe es jedenfalls kaum. Ein Volk mit honigvollen Waben ist vielleicht 300 Euro wert, schätzt er. Eine Königin koste zwischen 30 bis 80 Euro. „Das sind nicht die riesigen Gewinne.“ Klar ist: „Das schafft ein ganz ungutes Klima, weil das Misstrauen untereinander wächst.“

Nur wenige Fälle bei der Polizei angezeigt

Anders als in Hohenheim ist der Bienen-Klau beim Filder-Imker-Verein mit seinen knapp 400 Mitgliedern kein Thema, wie Uli Lutz aus Leinfelden-Echterdingen sagt. Ihm sei kein Fall bekannt, dass einem Imker etwas weggekommen sei. Das deckt sich mit den Zahlen der Polizei. So hat es im Landkreis Esslingen im Jahr 2020 bisher keinen einzigen Fall gegeben, laut einem Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen. Im vergangenen Jahr seien es fünf gewesen, nur einer davon auf den Fildern. Und auch die Stuttgarter Polizei kann zu Diebstählen rund um die Imkerei wenig sagen. Dieses Jahr sei nichts dergleichen angezeigt worden, 2019 seien Honigwaben gestohlen worden, in Stuttgart- West. Wobei die Hohenheimer Imker sagen: Zur Polizei zu gehen, das würden ihnen bloß Zeit rauben, gefunden werde der Täter in aller Regel eh nicht.

Das Phänomen Bienenklau ist ein altes. Im Mittelalter soll darauf in manchen Landstrichen sogar die Todesstrafe gestanden haben. Doch auch aus der jüngeren Zeit gibt es Fälle in Deutschland. So sollen erst im Mai einem Imker in Berlin acht Völker geklaut worden sein. In den USA soll der Bienen-Klau gar zu einem lohnenden Geschäft für organisierte Banden geworden sein, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Dort ist zudem zu lesen, dass etliche Bienen den Diebstahl nicht überleben würden.

Sterben viele Bienen beim Diebstahl?

Das sieht Peter Rosenkranz aus Hohenheim nicht gar so drastisch. Sie selbst würden die Bienenvölker ja immer wieder versetzen, und wenn man dies professionell mache, sterben nicht viele Bienen, sagt er. Doch das sei nicht gewährleistet, oft müssen die Diebe schnell vorgehen.

Klaus Wallner hat an den eigenen Bienen erlebt, was es mit den Tierchen macht, wenn ein Langfinger da war und die Honigwaben aus den Kästen geraubt hat. „Sie bauen dann wie wild Waben im Kasten“, sagt Wallner. „Und die Völker waren unglaublich aggressiv, weil er wohl sehr rabiat vorgegangen ist.“ Das Glück im Unglück: Weil er nur wenige Tage später bei seinen Bienenstöcken zur Kontrolle war, waren die Bienen noch nicht so weit mit dem Bauen. Etwas später, „und ich hätte beim Öffnen des Kastens alles rausgerissen“, sagt er.




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