Kriminalität Warum sich Diebe gern auf Baustellen herumtreiben

Von Caroline Holowiecki 

Ganoven haben auf der Filderebene mehrfach bei Baumaschinen und Materialien lange Finger gemacht. Das sind alles keine Einzelfälle, wie die Polizei erklärt. Baustellen sind beliebte Ziele von Ganoven.

Im Jahr 2019 wurden in Stuttgart 175 Diebstähle aus Rohbauten beziehungsweise von Baustellen gezählt Foto: dpa/Uwe Anspach
Im Jahr 2019 wurden in Stuttgart 175 Diebstähle aus Rohbauten beziehungsweise von Baustellen gezählt Foto: dpa/Uwe Anspach

Filder/Esslingen - Wann genau die Diebe kamen, ist unklar. Irgendwann zwischen dem 2. und dem 5. Oktober haben Unbekannte auf zwei Baustellen in Vaihingen und Möhringen fette Beute gemacht. Von einem geparkten Lastwagen an der Liebknechtstraße stahlen sie Baumaschinen. Und unweit entfernt, an der Schockenriedstraße, brachen die Täter einen verschlossenen Baucontainer auf und klauten daraus einen Schlagschrauber samt Zubehör. Gesamtwert der Beute: mehrere Tausend Euro.

Baumaschinen im Wert von einigen Hundert Euro

Das sind längst keine Einzelfälle. Die Polizeimeldungen, wonach Ganoven auf Baustellen lange Finger machen, häufen sich – in Stuttgart und der gesamten Region, aber auch speziell auf der Filderebene. Beispiele gibt es viele. Am 25. September erbeuteten Unbekannte in einem Rohbau an der Straße Am Wallgraben in Vaihingen mehrere Baumaschinen im Wert von einigen Hundert Euro. In den Tagen zuvor hatten es Diebe auf einer Großbaustelle an der Bernhauser Straße in Plieningen auf 240 Meter Kabel mit einem Gesamtgewicht von gut 500 Kilo abgesehen – mutmaßlich wegen des darin enthaltenen Kupfers, so die Polizei. Auch in Unteraichen bedienten sich Diebe mehrmals. Ende September entwendete jemand aus einem aufgebrochenen Container am Meisenweg diverses Werkzeug wie Akkuschrauber, Schweißgeräte und Kappsägen im Wert von mehreren Tausend Euro, bereits Ende August waren in dem Gebiet Elektro-Werkzeuge weggekommen.

Auf Baustellen haben Diebe leichtes Spiel. Die Areale sind nachts in der Regel verlassen und selten beleuchtet. „Es ist leicht, ungesehen reinzukommen. Wenn man drin ist, hat man alle Zeit der Welt“, erklärt Stephan Widmann, Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart. Das macht sie zu beliebten Zielen. 2019 wurden in Stuttgart 175 Diebstähle aus Rohbauten beziehungsweise von Baustellen gezählt, im Jahr zuvor 207, und 2017 waren es 150. Diese Straftaten hat es demnach schon immer gegeben, „mal mehr, mal weniger“, sagt Stephan Widmann.

Das macht einen Wiederverkauf lukrativ

Doch was wollen die Täter mit den Maschinen? Der Polizeisprecher kann nur mutmaßen, denn „in den seltensten Fällen kriegen wir die Täter“. Denkbar ist demnach, dass die Gauner die Beute entweder auf Bestellung klauen oder selbst verwenden möchten, „zum anderen gibt es sicher welche, die die Maschinen verhehlen“. Die Gerätschaften sind in der Regel teuer, das macht einen Wiederverkauf lukrativ. Es habe schon Fälle gegeben, in denen das Diebesgut wieder auf einer Verkaufsplattform im Internet aufgetaucht sei. Manches gehe sicher auch ins Ausland, „vor allem große Maschinen“, sagt Stephan Widmann und erinnert an den Fall eines in Stuttgart geklauten Krans, der Mitte 2018 in Ägypten aufgetaucht war. Dass momentan organisierte Diebesgruppen unterwegs sind, schließt er jedoch zumindest für Stuttgart eher aus. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass aktuell Banden unterwegs sind.“

Zeugen der jüngsten Diebstähle in Vaihingen und Möhringen werden gebeten, sich unter Telefon 0711/89 90 34 00 ans Polizeirevier 4 an der Balinger Straße zu wenden.




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