Als die Frage für mich relevant wurde, war die Wehrpflicht leider bereits ausgesetzt. Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr gesellschaftlich engagiert. Diese unterschiedlichen Perspektiven und Anforderungen waren für mich sehr lehrreich. Wenn wir in unser Land blicken, sehen wir, dass der Weg hin zum gesellschaftlichen Engagement für viele weiter geworden ist und nicht per se vorausgesetzt werden kann. Ich bin aber sehr davon überzeugt: Dienst für andere bringt unser Land, unsere Gesellschaft wie auch einen selbst voran.
Was spricht für ein verpflichtendes Dienstjahr?
In unserem christdemokratischen Staatsbild ist der Staat für jeden Einzelnen da. Aber wir sind auch davon überzeugt, dass jede und jeder Einzelne sich für unser Gemeinwesen und für unseren Staat einsetzen sollte. Diese Haltung ist ja dieser berühmte Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. In Zeiten des Kalten Krieges war die allgemeine Wehrpflicht eine Antwort auf eine konkrete Herausforderung. Heute, wo unser Land den Einzelnen an vielen anderen Stellen braucht – etwa bei der Pflege, bei den Blaulichtorganisationen, im sozialen Bereich, aber eben auch bei unserer Bundeswehr –, da ist doch richtig, nicht rückblickend altbekannte Antworten zu geben, sondern diese Frage ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. Das gerade meint unsere Idee des Deutschlandjahres. Unsere Gesellschaft ist viel pluralistischer geworden, und es begegnen sich immer mehr soziale und ethnische Milieus. Da kann das Gesellschaftsjahr viel Gutes bewirken.
Sollte es nicht doch besser freiwillig bleiben?
Das haben wir bereits. Daran wäre nichts neu. Einige machen ja – Gott sei Dank – etwa beim Freiwilligen Sozialen Jahr davon Gebrauch. Das stiftet viel Gutes in unserem Land. Gesellschaftlicher Zusammenhalt meint jedoch in dieser Frage nicht nur wenige, sondern eben alle. Jede und jeden Einzelnen. Diese Klammer wollen wir mit dem Deutschlandjahr schaffen.
Ein Ziel der zurückliegenden Bildungsreformen war, junge Menschen schneller in den Beruf zu bringen. Sie sollten wirtschaftlich produktiv sein, nicht gesellschaftlich.
Ziel des Staates, ja auch Ziel unserer Bildungsidee als CDU ist immer auch, dass unser Bildungssystem gefestigte Persönlichkeiten mit hoher sozialen Kompetenz hervorbringt. Das heißt, einen Fokus auf Achtsamkeit, Freiheit, Eigenverantwortung zu legen, aber auch auf Leistungsorientierung und Disziplin. Wichtig ist mir, dass wir stärker Wert auf Musik, Sport, Kunst und eine Kultur des Umgangs miteinander legen. Wenn ich mit Unternehmerinnen und Unternehmer spreche, dann haben die allermeisten viel Freude daran, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich neben ihrem Beruf an anderen Stellen in unserem Land einbringen. Klar ist aber auch, die Idee des Deutschlandjahrs wird nicht dazu führen, dass sich der Staat von seinen Aufgaben beginnt zurückzuziehen. Vielmehr soll er ergänzt und damit am Ende damit besser gemacht werden.