Herzlich willkommen im Königreich! Die StZ-Redakteurin Simone Höhn ist nach London gefahren, um über die königliche Hochzeit zu berichten.
London - Es ist einfach etwas anderes, ob man in die U 14 Richtung Remseck steigt oder in die Victoria Line, Direction Brixton. Das Gedränge der Menschen in den rumpelnden, stickigen Tubes, die zackigen Sicherheitstüren, der in den Ohren fast schmerzende Widerhall des Quietschens der Schienen – im Londoner Untergrund bleibt keine Zeit für Gemächlichkeit, man muss sich fix in den Takt einfügen. Alles schnell-schnell, die Menschen bleiben anonym, ein leicht genervtes „Sorry“ eines eiligen Mitfahrers, der an mir vorbei zum Ausgang drängt, ist die einzige zwischenmenschliche Kommunikation, die ich in der Unterwelt des öffentlichen Transports bisher erfahren habe.
Einige Meter weiter oben am Tageslicht sieht die Welt ganz anders aus. Die Briten sind unglaublich höflich, Worte wie „brilliant“, „Pleasure“ und aufrichtige „Sorrys“ höre ich ständig – und zwar nicht nur in Bezug auf die Hochzeit, sondern auch einfach so im alltäglichen Smalltalk. Beim Zücken des Personalausweises an der Bahnhofskontrolle („Thank you, that’s brilliant“), beim Ausfragen der Sicherheitsleute über den Ablauf der Zeremonie am Buckingham Palast („No worries, it’s a pleasure“), bei der Begegnung mit einer Polizistin, die keine Auskünfte zu den Sicherheitsvorkehrungen geben darf („Sorry about that“). Dabei sagt man den Briten ja auch nach, snobbish zu sein. Kann ich bisher nicht bestätigen. Gut, der Gardepolizist wollte partout nicht lächeln für mein Foto, aber der wird für seinen hochnäsigen Gesichtsausdruck ja auch bezahlt.