Herzlich willkommen im Königreich! Die StZ-Redakteurin Simone Höhn ist nach London gefahren, um über die köngliche Hochzeit zu berichten.
London - Wie soll ich mich heute im Menschenmob bloß zügig von A nach B bewegen, frage ich mich schon die ganze Zeit. Ich hab’s: mit dem Fahrrad! Nachdem heute sämtliche Straßen rund um die Orte des Geschehens zwischen Westminster Abbey und Buckingham Palast gesperrt sind, fahren dort keine Busse. Auch der Tube-Verkehr funktioniert nur eingeschränkt und beim Gedanken daran, auf dichte Tuchfühlung mit all den Verrückten im engen Zug zu gehen, respektive an Haltestangen oder Türen gepresst zu werden, wird mir flau. Erst am Donnerstag habe ich jede Menge platt gedrückte Haarschöpfe und Nasen an den Scheiben an mir vorbei fahren sehen.
Also, nichts wie hin zur Radstation. Nach etwa fünf Minuten hat die Ausleih-Maschine endlich verstanden, dass ich ein Fahrrad von ihr haben möchte. Mensch, ich hab’s doch eilig! Ich muss auf eine Hochzeit! Sie akzeptiert meine Kreditkarte und bucht sage und schreibe ein ganzes Pfund ab für 24 Stunden Fahrradglück in London. Das ist doch mal ein gutes Geschäft! Code eingegeben, Rad weg gedockt und in die Pedale getreten. Was mir bis dahin leider kurzfristig entfallen war: der Linksverkehr. Ich notiere: ausgeprägter Rechtsdrall bei Nicht-Insulanern wie mir festgestellt. Schwierig in Kombination mit entgegenkommenden, links abbiegenden Taxis. Melde: Fahrrad schnell wieder angedockt und kleinlaut zu Fuß dem Spektakel entgegen bewegt. So wie Hunderttausende andere im Übrigen auch. Eigentlich hätte ich es schon am Donnerstag besser wissen können als ich einen sehr stoischen Fahrradfahrer dabei beobachtet habe wie er mit einem Affenzahn über The Mall gefahren ist, so dass er beinahe einen Salto über den Jaguar mit Camilla Parker-Bowles an Board gemacht hätte. War bestimmt ein Anti-Monarchist.