Dienstvilla auf der Solitude Noch wohnt Oettinger in der Villa

Von Hildegund Oßwald  

Günther Oettinger dagegen war seinerzeit mit seiner Familie vom Frauenkopf auf die Solitude gezogen und residiert seit 2005 in dem zwischen Graevenitz-Museum und Pferdekoppel gelegenen, von einem Zaun nebst Polizeiposten geschützten Anwesen. Seinerzeit war von einer Kaltmiete von 3000 Euro die Rede und einem Sonderkündigungsrecht des Landes im Mietvertrag. Dass das Land davon Gebrauch machen muss, ist aber nicht zu erwarten. Denn Oettinger will eh ausziehen, nachdem er bei der Haussuche in Brüssel fündig geworden ist. "Herr Oettinger hat zu Ende August gekündigt", bestätigt seine Sprecherin Marlene Holzner. Bei Bedarf könne er auch schon vorher ausziehen.

 

Vor dem Einzug Oettingers hatte die 1968/69 für 400000 Mark (rund 200000 Euro) erbaute Villa trotz Vermietungsversuchen lange leer gestanden, denn Ministerpräsident Erwin Teufel hatte seinen Wohnsitz in Spaichingen beibehalten und mit einem Zimmer im Marienhospital als Zweitwohnsitz vorlieb genommen. Kurios: ein solches Zimmer hatte einst auch Ministerpräsident Hans Filbinger bewohnt, doch die Pendelei zwischen Stuttgart und seinem Erstwohnsitz in Freiburg galt irgendwann als unzumutbar. Just deshalb richtete man ihm zunächst eine Wohnung im ehemaligen Grävenitzhaus her und baute dann dem ersten Mann im Staate eine stattliche und standesgemäße Heimstatt, eben jene Dienstvilla. "Der Wohnsitz des Ministerpräsidenten wird auf die Familienverhältnisse Filbingers ausgerichtet, das heißt, auf ein Ehepaar mit fünf Kindern", schrieb seinerzeit die StZ.

Hans Filbinger blieb noch einige Jahre länger dort wohnen

Hans Filbinger schätzte das einsam gelegene Anwesen. Er blieb dort deshalb gerne auch noch einige Jahre nach seinem Rücktritt wohnen, musste nach öffentlichen Protesten aber eine Mieterhöhung von 2400 auf 4300 Mark (rund 1200 beziehungsweise 2150 Euro) schlucken.

Sein Nachfolger Lothar Späth zog erst 1984, sechs Jahre nach der Amtsübernahme, von seinem Reihenhaus auf die Solitude. Er ließ die Villa renovieren und einen Wintergarten anbauen. Späth hatte ein ambivalentes Verhältnis zu dem Herrschaftssitz, dessen Einsamkeit nicht vor neugierigen Untertanen am Zaun schützte. Wie sagte er doch einmal: "Der Ort ist zauberhaft, aber wir haben nicht geweint, als wir 1992 ins eigene Haus umgezogen sind."




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