Dienstwagenflut in Belgien Abschreckendes Beispiel

Von Markus Grabitz 

Ein Blick nach Belgien auf die dortige Dienstwagenpraxis zeigt: Der Fiskus sollte nicht versuchen, über Abgaben das ökologische Verhalten seiner Bürger zu steuern, meint Markus Grabitz.

Die private Nutzung eines Dienstwagens ist steuerlich interessant. Foto: dpa
Die private Nutzung eines Dienstwagens ist steuerlich interessant. Foto: dpa

Brüssel - Steuerzahler werden anderswo noch schlimmer behandelt als in Deutschland. Der Fiskus in Belgien bittet die Arbeitnehmer mit atemberaubenden Sätzen zur Kasse und produziert problematische Ausweichbewegungen. Schon ab einem zu versteuernden Einkommen von weniger als 2000 Euro im Monat sind in Belgien Steuern von 45 Prozent fällig. Derartige Sätze sind in Deutschland nur für absolute Spitzenverdiener denkbar, die mehr als das Zehnfache verdienen und „Reichensteuer“ zahlen.

Der belgische Fiskus hält aber Schlupflöcher bereit: Die private Nutzung des Dienstwagens samt Tankkarte wird deutlich geringer besteuert. Dies zeigt einmal wieder, dass gerade Geringverdiener in Hochsteuerländern die Gekniffenen sind. Die unteren Lohngruppen kommen regelmäßig nicht in den Genuss des steuerlichen Dienstwagen-Privilegs. Sie müssen ihr Erwerbseinkommen komplett versteuern.

Hilflose Reparaturversuche

Und sie sind auch diejenigen, die am Ende für die hilflosen Reparaturversuche zahlen müssen, die die Belgier nun gestartet haben. Die obere Kaste der Dienstwagen-Besitzer darf steuerfreie Lohnbestandteile einstreichen, wenn sie den Schlüssel für ihren Dienstwagen abgeben. Dieses „Cash for Car“-Programm und weitere Maßnahmen hatte die belgische Regierung aufgelegt, weil immer mehr Arbeitnehmer mit dem Dienstwagen zur Arbeit fahren und dieser Trend auf den belgischen Straßen und Autobahnen zum chronischen Verkehrsinfarkt geführt hat.

Das belgische Steuer-Elend legt zwei Lehren nahe. Erstens: Abgaben dürfen nicht zu sehr in die Höhe getrieben werden, ansonsten bahnen sich die Betroffenen Schlupflöcher im Steuerdschungel – und diese sind meistens hochgradig unsozial. Sie kommen eher Besserverdienern zu Gute. Zweitens: Der Fiskus ist gut beraten, nicht zu versuchen, über Steuern das ökologische Verhalten der Bürger zu steuern. In Belgien zeigt sich gerade, dass niemand ein Interesse daran hat, seinen Dienstwagen gegen Cash einzutauschen und mit Bus und Bahn zur Arbeit zu fahren. Der Belgier steht stattdessen lieber weiterhin in seinem Dienstwagen im Stau.