Sie jagen lautlos über Parks, Gewässer und Dächer: Fledermäuse sind fester Teil des Stuttgarter Stadtlebens. Welche Arten hier leben und wo man sie entdecken kann.
In Baden-Württemberg leben fast alle der in Deutschland heimischen Fledermausarten. Auch in Stuttgart sind viele der Tiere zu Hause. Einige Arten sind im Stadtgebiet Stuttgart besonders häufig nachgewiesen, andere leben vor allem in Naturschutzgebieten. Die kleinen Tiere werden recht alt, in der Regel bis zu 30 Jahre oder sogar älter. Eine hohe Sterblichkeit ist vor allem bei Jungtieren zu erkennen.
Was fressen Fledermäuse?
Fledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten wie Mücken, Faltern, Käfern und Spinnen. Manche Arten fangen diese in der Luft, andere sammeln ihre Beute von Blättern und Bäumen ab. Eine Fledermaus frisst pro Nacht etwa 20 bis 50 Prozent ihres eigenen Körpergewichts.
Echo-Ortung und Jagd
Fledermäuse sehen zwar gut, aber nicht im Dunkeln. Da die kleinen Tiere nachtaktiv sind und im Dunkeln auf die Jagd gehen, verlassen sie sich in der Nacht nicht auf ihre Sehkraft. Fledermäuse senden Ultraschallrufe aus, die dann als Echo von Objekten zurückkommen. So kann der Jäger Hindernisse ausmachen und seine Beute genau lokalisieren. Das Echo verrät, die Entfernung, Größe und Form des Objektes. Dieses Echolot liegt zwischen 20 und 200 Kilohertz. Kilohertz ist eine Maßeinheit für Frequenzen, die mit 1000 Schwingungen pro Sekunde gemessen werden. Menschen können diese Frequenzen nicht hören.
Nachwuchs wird in Wochenstuben aufgezogen
Fledermäuse bringen ihre Jungen in sogenannten Wochenstuben zur Welt. Im April bis Mai bilden Weibchen Kolonien, die zehn, 100 oder noch mehr Tiere umfassen können. Diese Kolonien ziehen in warme Quartiere, wie Gebäude, Bäume oder Höhlen, wo jedes Weibchen im Juni bis Juli ein Jungtier zur Welt bringt. Ihre Jungtiere erkennen die Mütter an den Rufen. Die Kleinen werden etwa drei bis sechs Wochen gestillt, bevor die Kolonie sich im Herbst auflöst. Bei Arten wie dem Großen Mausohr, die ihre Jungen in großen Gebäuden aufziehen, kann es in einer großen Wochenstube hoch hergehen. Denn hier können auch um die 2000 Fledermäuse leben.
Fledermäuse halten Winterschlaf
Von Oktober oder November bis März ziehen sich Fledermäuse in kühlen Verstecken zurück und halten Winterschlaf. Ihre Fettreserven decken die Wintermonate ab. Dieser Winterschlaf wird etwa alle zehn bis 30 Tage unterbrochen, damit die Tiere das Klima überprüfen können und gegebenenfalls ihr Winterquartier wechseln können. Fledermäuse senken ihre Körpertemperatur während des Winterschlafs auf zwei bis zwölf Grad und verlangsamen ihren Herzschlag und die Atmung. Das Aufwachen dauert dann bis zu 50 Minuten, da der Körper zuerst Kopf und Herz erwärmen und die Muskeln aktivieren muss.
Zwergfledermaus lebt in Gebäuden
Eine häufige Gebäudebewohnerin in Stuttgart ist die Zwergfledermaus. Sie wird zwischen 3,5 und 4,5 Zentimeter groß und erreicht eine Flügelspannweite von 19 bis 25 Zentimetern. Schließt sie ihre Flügel, ist die Zwergfledermaus so klein, dass sie in eine Streichholzschachtel passt. Ihr Fell ist dunkel und einfarbig. Bei der Wahl ihres Lebensraums sind die Zwergfledermäuse anspruchslos. Sie leben in Städten, beispielsweise in Spalträumen von Gebäuden. Beobachten kann man sie am besten in Parks und Gärten, in der Nähe des Neckar-Ufers, aber auch in der Innenstadt.
Großer Abendsegler ist mit bis zu 60 Stundenkilometer unterwegs
Im Schutz der Dunkelheit zieht der Große Abendsegler seine Runden über den Neckar oder den Max-Eyth-See. Der Große Abendsegler fliegt besonders schnell und geradlinig mit bis zu 60 Kilometer pro Stunde über Gewässern. Als eine der größten heimischen Fledermausarten wird er zwischen sechs und neun Zentimeter groß. Seine Flügelspannweite liegt bei beeindruckenden 40 Zentimetern. Der Große Abendsegler bevorzugt lichte Laubwälder und Parks und schläft gerne in Baumhöhlen, Spechthöhlen oder auch Gebäudespalten.
Mückenfledermaus ist in Gewässernähe zu sehen
Die Mückenfledermaus ist die kleinste Art in ganz Europa. Sie trägt braunes Fell und schwarze Flughäute. Ihre Nase ist hell und auffällig kurz. Sie kommt hauptsächlich in gewässernahen Lebensräumen vor. In Stuttgart lässt sie sich vor allem am Neckar, am Max-Eyth-See und in einzelnen Parkanlagen nieder.
Breitflügelfledermaus jagt in Lichthöfen und an Straßenlaternen
Die Breitflügelfledermaus findet man typischerweise in Städten. Diese Fledermaus nutzt Gebäude als Quartiere und ist nachts in luftiger Höhe über Parks und Lichtungen unterwegs. Ausgewachsene Tiere kommen auf eine Körperlänge von bis zu acht Zentimetern. Ihre Flügelspannweite kann bis zu 40 Zentimeter umfassen. Die kleine Flugkünstlerin trägt in der Regel dunkelbraunes bis schwarzes Rückenfell, während das Fell am Bauch gelblich-beige ist. Ihren Namen trägt sie wegen ihrer relativ breiten Flügel. Am ehesten sichtet man die Breitflügelfledermaus bei ihrer Jagd in Lichthöfen und an Straßenlaternen.
Naturschutzgebiet Eichenhain als Lebensraum für zahlreiche Fledermäuse in Stuttgart
Das kleine Naturschutzgebiet in Sillenbuch ist die Heimat von etwa der Hälfte aller in Baden-Württemberg vorkommenden Fledermausarten. Dies erhöht die Artenvielfalt im Raum Stuttgart enorm. Hier leben Arten wie die Bechsteinfledermaus, die Große Bartfledermaus, die Fransenfledermaus, das Große Mausohr oder das Braune Langohr.
Die Große Bartfledermaus
Ihr Lebensraum sind Mischwälder mit Gewässern. Hier jagt sie knapp über der Wasseroberfläche oder aber in 20 Metern Höhe zwischen den Baumkronen. Von der Kleinen Bartfledermaus unterscheidet sie sich optisch lediglich durch feine Zahnmerkmale. Sie trägt langes Fell, das an der Oberseite hellbraun mit goldenem Glanz und an der Unterseite hellgrau ist. Das kleine Tier wird zwischen 3,9 und etwa fünf Zentimeter groß und bringt es auf eine Flügelspannweite von bis zu 24 Zentimetern.
Die Fransenfledermaus lebt in Gebäuden oder im Wald
Die Fransenfledermaus wird häufig auch als „Hausfledermaus“ oder „Waldfledermaus“ bezeichnet. Sie lebt im Sommer in Gebäuden und in Baumhöhlen, während sie ihr Winterquartier in unterirdischen Hohlräumen aufschlägt. Diese Fledermausart ist ein sogenannter Gebüschjäger, denn sie sammelt ihre Nahrung direkt von Blattoberflächen oder Baumstämmen ab. Die Fransenfledermaus wird zwischen vier und fünf Zentimeter groß und erreicht eine Flügelspannweite von etwa 28 Zentimetern.
Das Große Mausohr: Die klassische Kirchenfledermaus
Beim Großen Mausohr handelt es sich um eine Kirchenfledermaus, denn es besiedelt häufig Kirchendachböden. Mit rund 40 Zentimetern Flügelspannweite ist das Große Mausohr die größte in Deutschland heimische Fledermausart. Die Fledermaus hat kurzes, graubraunes Fell und einen weißgrauen Bauch. Die Schnauze ist breit und ihre Ohren sind lang und breit. Diese Fledermaus jagt am liebsten in Laubwäldern, wo sie dicht über dem Boden fliegt und flugunfähige Käfer frisst.
Das Braune Langohr: Exzellentes Hören dank großer Ohren
Beim Braunen Langohr fallen, wie könnte man es anders erwarten, in erster Instanz die großen Ohren auf. Diese sind fast so lang wie der gesamte Körper. Mit ihren großen Ohren können sie neben den Echos ihrer Beutetiere auch leiseste Krabbelgeräusche hören. Seine Wochenstube richtet auch das Braune Langohr auf Dachböden ein. Hier verkriecht es sich tagsüber aber gerne in Spalten und kommt erst am Abend zur Jagd wieder heraus. Auch diese Fledermausart sammelt ihre Beute direkt von Blättern oder Bäumen ab.