Hardware-Nachrüstung bei Diesel-Auots Wie der Schadstoff-Ausstoß verringert werden soll

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) inspiziert ein nachgerüstetes Fahrzeug. Foto: dpa
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) inspiziert ein nachgerüstetes Fahrzeug. Foto: dpa

Der ADAC hat seinen Praxistext mit drei Fahrzeugen abgeschlossen. Bei Hardware-Nachrüstungen für Diesel-Autos erhöht sich der Spritverbrauch, doch es werden weniger Schadstoffe ausgestoßen.

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Stuttgart - Mit einer Hardware-Nachrüstung sollen Besitzer von Euro-5-Dieseln absehbare Fahrverbote vermeiden können. Der ADAC hat mit Unterstützung des Stuttgarter Verkehrsministeriums drei Systeme in einem Fiat Ducato, VW T 5 und Opel Astra einem Praxistest unterzogen. Sie minderten die kritischen Stickstoffdioxid-Emissionen stark, aber bei unter null Grad nicht immer in den gesetzlich geforderten Bereich. Außerdem stieg der Kraftstoffverbrauch zum Teil stark an, auch wurde mehr vom Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. Für Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), den ADAC-Vorsitzenden Dieter Roßkopf und das Kfz-Gewerbe im Land gibt es dennoch kein Vertun: „Nachrüstung hilft, sie ist machbar und bezahlbar“, die Hersteller müssten jetzt mitwirken und die Software liefern, damit die „Nachrüster ihren Job machen können“, schließlich habe „die gesamte Branche das Elend angerichtet“ sagte Hermann am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse.

ADAC: Bezahlbare Lösung

„Die Menschen brauchen eine bezahlbare Lösung, nicht jeder kann sich ein neues Auto kaufen“, so Roßkopf. Alle Beteiligten verwiesen darauf, dass die Systeme während der Tests, die von August 2018 bis Januar 2019 dauerten, weiterentwickelt worden seien. 270 Milligramm Stickstoffdioxid darf ein nachgerüsteter Euro-5-Diesel pro Kilometer ausstoßen, bei unter fünf Grad Celsius sind es 540 Milligramm, der Mehrverbrauch ist in der Richtlinie auf sechs Prozent gedeckelt.

Im sommerlichen Realbetrieb war die Grenze für die in der Reserveradmulde und am Unterboden verbauten Systeme von HJS (Fiat), Oberland-Mangold (VW) und Twintec (Opel) kein Problem. Bei unter null Grad waren allerdings laut ADAC-Technikchef Reinhard Kolke die Emissionen so hoch, dass die 38 bis 53 Prozent Minderung nicht reichten, um unter die neuen Vorgaben zu kommen.

Softwareupdates gefordert

Die Euro-5-Norm lässt (ohne Nachrüstung) 180 Milligramm Stickstoffdioxid zu. Der VW emittierte bei frostigen Temperaturen 1922, der Opel 1527, der Fiat bei zehn Grad 1894 Milligramm. Bei derartigen Überschreitungen sei der Nachrüst-Grenzwert „besonders herausfordernd“, so Kolke. Das Thermofenster der Hersteller sei ein Problem, so Verkehrsminister Hermann. Er fordert Software-Updates und finanzielle Hilfen der Hersteller für die Halter. Daimler und VW haben bis zu 3000 Euro zugesagt. Daimler unterstütze die Hersteller vorbildlich, so Roßkopf. Unter den getesteten Modellen waren kein Mercedes und kein Volvo. Für diese Hersteller sollen aber, kündigte Martin Pley vom gleichnamigen Nachrüster an, schon bald Nachrüstsätze in Serie am Markt sein. Zuerst für Volvo, hier rechnet Pley in zwei Wochen mit der Freigabe des Kraftfahrt-Bundesamtes, dann bis Juli für Daimler. 3000 Euro reichten für das System und den Einbau, den im Raum Stuttgart das Autohaus Felix Kloz übernehmen werde. Mercedes-Fahrer müssten damit nicht drauflegen und hätten freie Fahrt.

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