Dieter Nuhr in der Porsche-Arena in Stuttgart Ist doch alles Unsinn

Von Cornelius Oettle 

Der Kabarettist Dieter Nuhr hat in der Porsche-Arena über Umweltverschmutzung, die Wirtschaft, Extremismus und Religionen geredet – in einer Weise, die progressives Denken nicht gerade fördert.

Ist Deutschland näher an Nordkorea als am Neoliberalismus? Dieter Nuhr glaubt es. Foto: dpa
Ist Deutschland näher an Nordkorea als am Neoliberalismus? Dieter Nuhr glaubt es. Foto: dpa

Stuttgart - „Ich will nicht, dass Sie denken, ich wolle hier alles schönreden“, sagt Dieter Nuhr während seiner Zugabe am Samstag. Zuvor hat er zwei Stunden lang unter anderem über Umweltverschmutzung, Wirtschaftssysteme und Religionen gesprochen und dabei allerdings tatsächlich einiges schöngeredet. Passend, dass die Porsche-Arena dem 57-Jährigen Obdach gewährt. Beim Namensgeber macht er sich mit seinem neuen Programm „Nuhr hier, Nuhr heute“ sicher beliebt. Die Autoindustrie selbst bringe niemanden um, raunt Nuhr mit der bekannten, markanten Diktion, denn es seien ja andere, die die Autos fahren. Was ist mit der Diesel-Affäre, der Feinstaubbelastung? Durch Stickoxide verursachte Tode gebe es nicht, das sei „Unsinn“.

Mit solch scharfsinniger Argumentation fegt Nuhr auch andere komplexe Themen vom Tisch: Werden selbstfahrende Autos die Taxifahrer ersetzen? „Kann ich mir nicht vorstellen!“ Ist es nicht so, dass die Reichen aufgrund eines sozialdarwinistisch geprägten, unzureichend geregelten Kapitalismus derzeit immer reicher und die Armen immer mehr werden? Hierzulande sei man „regelungstechnisch näher an Nordkorea als an irgendeinem Neoliberalismus“, weiß Nuhr. Als Beispiel nennt er Mecklenburg-Vorpommerns Landesseilbahngesetz – dort ist derzeit gar keine Seilbahn in Betrieb. In Stuttgart gibt es viel Applaus für solche Worte. Notabene: Von Menschen, die sich gerade noch einen halben Liter Cola für vier Euro gekauft und womöglich schon länger keinen Blick mehr auf die Mietpreise in der Innenstadt geworfen haben.

Appell für Gelassenheit

Derlei konservatives, herrschende Zustände eher festigendes denn anprangerndes Kabarett ist zum Glück selten. Freude daran hat, wer den Status quo für gerecht hält, sprich: davon profitiert. Zwar geriert sich Nuhr als rationaler Kritiker, der etwa alle Formen des politischen Extremismus und Religionen per se ablehnt. Dass sein „Appell für Gelassenheit“, wie er das Programm beschreibt, progressives Denken aber nicht fördert, sondern lähmt, sollte man indes nicht schönreden.




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