Dieter Nuhr in Stuttgart Das wird man wohl doch noch sagen dürfen

Von Kathrin Horster 

Die Comedy von Dieter Nuhr ist nicht immer geschmackvoll oder politisch korrekt. Aber sie ist gedeckt durch die Meinungsfreiheit.

„Ich freue mich über weiße, alte Männer“, sagt Dieter Nuhr (hier bei einem Auftritt in Göppingen im vergangenen Jahr) Foto: imago/7 aktuell
„Ich freue mich über weiße, alte Männer“, sagt Dieter Nuhr (hier bei einem Auftritt in Göppingen im vergangenen Jahr) Foto: imago/7 aktuell

Stuttgart - Angesichts der voll besetzten Porsche Arena am Samstagabend kann man es kaum glauben, doch es gibt Menschen, die den Humor von Comedian Dieter Nuhr nicht mögen. Seinen Fans berichtet der gebürtige Weseler von schlimmen Anwürfen gegen seine Person; man habe ihn schon als Rechtspopulisten und links-grün-versifft bezeichnet, als islamophob und sexistisch. Er selbst ist zwar nicht bei „Fridays for Future“ engagiert; er würde aber im Zimmer seiner Tochter an kalten Tagen die Heizung herunterdrehen, um dem Kind zu helfen, die hochgesteckten Klimaziele der Bewegung zu erreichen. Am meisten hat ihn der Vorwurf eines Twitter-Users gekränkt. Der schrieb, Nuhr sei ein Rassist, er würde sich nie von türkischstämmigen Tontechnikern verkabeln lassen. „Ich arbeite immer kabellos“, moniert Nuhr, und lässt so jeden Kritiker alt aussehen. „Mit was für einem Scheißdreck man sich befassen muss“, sagt er. Die Menge lacht und klatscht.

Die mediale Klima-Hysterie geht Nuhr auf den Keks

Dieter Nuhr ist einer aus der Mitte der Gesellschaft und er drückt aus, was viele bewegt. Etwa den Ärger darüber, dass die Deutschen immer nur nörgeln, obwohl sie laut einer aktuellen Post-Studie ziemlich glücklich sind. Den öffentlichen Palaver über Tempolimits, Feinstaub, den Klimawandel, AKWs und Kohlekraftwerke hält Nuhr für völlig übertrieben und findet starke Argumente. Die Medien gehen ihm auf den Keks, weil die immer nur Hysterie schüren, siehe Corona-Virus.

„Ich freue mich über weiße, alte Männer. Über die freut sich niemand, weil die angeblich toxisch sind“, jammert Nuhr, und erntet begeisterte Lacher. Es ist erstaunlich, auf wie viel Protest Nuhr mit seinen Ansichten stößt, an diesem Abend bekommt er viel fröhliche Zustimmung. Den AfD-Politiker Björn Höcke nennt er einen Bonsai-Hitler und vereint in dieser Ansicht scheinbar Angehörige des konservativen bis linken Spektrums, die aus der AfD gerne einen harmlosen Kleingärtnerverein machen würden. Das ist legitim und von der Meinungsfreiheit gedeckt, erst recht im Rahmen eines Kabarettprogramms. In der Realität muss man sich aber mit steigenden Zustimmungswerten für die Partei befassen. Man hat es schon fast vergessen, doch bei der Thüringer Landtagswahl im Oktober 2019 schob sich die AfD als zweitstärkste Kraft nach den Linken vor die CDU, mit Höcke als Spitzenkandidat.

Gegen intolerante Spaßbremsen

Wer es ablehnt, dass darüber Witze gemacht werden, sitzt in einer Blase und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, man sei eine intolerante Spaßbremse. Nuhr fordert an diesem Abend Toleranz von allen und erzählt eine Anekdote von einer Gruppe türkischstämmiger Eltern an einer Grundschule. Die hätten ihre Teilnahme an einem Fest abgesagt, wenn dort Alkohol ausgeschenkt würde. Nuhr findet, die Türken müssten das Saufen tolerieren. Und zieht Parallelen zum Veganismus: Wenn er auf seiner eigenen Party Fleisch essen wolle, müssten das Veganer akzeptieren. Die könnten sich ja einen Tannenzapfen mitbringen. Stimmt natürlich. Im Fall der abstinenten türkischen Eltern könnte man allerdings fragen, ob der Ausschank von Alkohol auf einem Grundschulfest überhaupt sinnvoll ist. Kinder und deren Lehrer finden besoffene Muttis und Vatis nicht so toll, egal, ob deutsch, türkisch oder grün-blau-kariert. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.




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