Dieter Scholl hat das Gitarrenensemble Leonberg und das Leonberger Sinfonieorchester gegründet. Jetzt verabschiedet sich der 87-jährige Musiker.

Das sei schon ein Einschnitt, gibt Dieter Scholl zu. Er sagt aber auch: „Irgendwann muss Schluss sein.“ Scholl hat das Jugendsinfonieorchester Leonberg, aus dem das Leonberger Sinfonieorchester entstanden ist, und das Gitarrenensemble Leonberg gegründet. Am Sonntag dirigiert er nun sein letztes Konzert.

 

Die Musik ist allerdings nicht seine einzige Lieblingsbeschäftigung, wie man im Gespräch mit Dieter Scholl erfahren kann. „Bis vor zwei Jahren bin ich noch geritten,“ erzählt der ehemalige Amateur-Turnierreiter. Heute gibt er sein Wissen über das Reiten und die Pferde an seine Tochter und seine Enkeltochter weiter. „Ich brauche den Stallgeruch,“ sagt er lächelnd.

Der gebürtige Stuttgarter war nach seinem Musikstudium in München aktiv im Jazz und mit seiner Band international unterwegs. „Ich hatte ein Sextett. Wir waren Gewinner beim Jazzfestival in Frankfurt und sind dadurch bekannt geworden“, blickt der 87-Jährige zurück. Dadurch habe er auch viele Stars kennengelernt – auf Anhieb fällt ihm da Caterina Valente ein. Mit Peter Kraus sei er heute noch befreundet. „Ich habe schon als Schüler in einer Jazzband gespielt. Das war neben der Klassik meine Leidenschaft.“ Bei den Instrumenten hat Dieter Scholl ursprünglich mit dem Klavier begonnen. Aber dann entdeckte er die Liebe zur Gitarre.

Er hat Stars wie Caterina Valente und Peter Kraus kennengelernt

Als der Musiker Vater wurde und eine Familie hatte, sah er den Zeitpunkt für gekommen, „sesshaft“ zu werden, wie er sagt. Da fügte es sich gut, dass in Leonberg gerade die Jugendmusikschule aufgemacht wurde. Scholl wurde dort Lehrer. Aus seinen besten Schülern hat er 1969 einen Gitarrenspielkreis gegründet „Es gibt heute noch Mitglieder im Ensemble, die ich als Vorschüler kennengelernt habe“, freut sich Dieter Scholl. Immer wieder seien auch neue Gitarristen dazugestoßen. Aber sie mussten gut sein, betont er. Bei „Jugend musiziert“ hat sich das Gitarrenensemble in den 1970er und 1980er Jahren mehrere Landes- und Bundespreise erspielt und war auch im Rundfunk und bei Preisträgerkonzerten zu hören. Gern erinnert sich Dieter Scholl daran, dass das Gitarrenensemble auch im Rundfunk und im Fernsehen aufgetreten ist. Seit 1999 – nachdem Scholl in Pension gegangen war – gibt es das Ensemble als eingetragenen Verein. „Dort werde ich auch weiterhin Mitglied bleiben,“ betont er.

Landes- und Bundespreise bei „Jugend musiziert“ gewonnen

Das Gitarrenensemble spielt hauptsächlich eigene Arrangements und Kompositionen. Sie stammen aus Scholls Feder. Arrangieren und Komponieren – das mache er nach wie vor gerne. Die meisten Arbeiten seien in der Nacht entstanden, dann, wenn alles ruhig ist, verrät Scholl. „Die meisten Partituren haben deshalb Kaffeeflecken“, sagt er lachend. Wenn er eine Idee habe, greife er zum Notenpapier. „Das ist für mich kein Stress,“ so Scholl. Er mache diese Arbeit aus dem Kopf heraus, er setze sich nicht ans Klavier. Dabei ergeben sich manchmal auch „Verrückheiten“, wie er es ausdrückt. Als Beispiel nennt er, dass er für das Gitarrenensemble Auszüge aus der „Moldau“ von Smetana bearbeitet hat. Zu den von ihm komponierten Stücken gehören auch die „Andalusischen Skizzen“, die jetzt bei dem Konzert am Sonntag noch einmal gespielt werden. Dieter Scholl erinnert sich, wie das Gitarrenensemble dieses Werk im Sendesaal der Villa Berg gespielt und dort aufgenommen hat. Die Aufnahme, die sich im Archiv des SWR befindet, ging bis tief in die Nacht hinein. „Das ist ein Erlebnis gewesen. Das freut mich jetzt noch“, sagt der Dirigent.

Die „Andalusischen Skizzen“ wurden beim SWR aufgenommen

Parallel zum Gitarrenspielkreis gründete Dieter Scholl ein Sinfonieorchester. Das sei ein Traum von ihm gewesen, erzählt er. „Zwölf Lehrerkollegen haben den Anfang gemacht. Dann, als sie so weit waren, kamen Schüler von allen hinzu.“ Die Schüler wurden älter, und so wurde aus dem Jugendsinfonieorchester ein Sinfonieorchester, das Scholl bis 2003 leitete. Auch mit dem Sinfonieorchester hat er viel erlebt. Ein Erlebnis hebt er hervor: „Da waren wir im Opernhaus in Baden-Baden. Es gab eine Show mit Tänzern und Sängern. Dazu brauchte man ein Orchester als Begleitung.“ Das Engagement kam über seinen Manager. Das sei für alle etwas Besonderes gewesen. Sie seien an mehreren Tagen abends nach Baden-Baden gefahren, viele Orchestermitglieder noch nach der Arbeit. „Man hat schon einiges mitgemacht“, blickt der Musiker, der heute in Renningen lebt, nachdenklich zurück.

Auch das Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters geht auf eine Idee von Scholl zurück. Es war ihm wichtig, dabei nicht nur eingängige Johann-Strauß-Melodien zu spielen, sondern beispielsweise leichte Klassik und Musical-Melodien. „Beim ersten Neujahrskonzert in der Stadthalle hatte man den Saal mit einer Wand abgeteilt. So mussten 250 Leute wieder gehen, weil für sie kein Platz da war“, erinnert sich Dieter Scholl. Mit einem solchen Andrang hatte die Stadt nicht gerechnet. „Von da an war das Konzert immer ausverkauft“, sagt Scholl und ergänzt: „Da bin ich schon stolz drauf.“

Manchmal, wenn er zurückblicke, denke er „Was hast Du alles angestellt!“, erzählt Dieter Scholl. „Ich freue mich, dass ich es so hingekriegt habe.“

Das Abschiedskonzert von Dieter Scholl mit dem Titel „Saitensprünge in Dur und Moll“ ist am Sonntag, 10. März, um 18.30 Uhr im Theater im Spitalhof in Leonberg. Unter www.gitarrenensemble-leonberg.de können Interessierte erfragen, ob Karten frei geworden sind.