Das Fleischerhandwerk ist für Gabi und Frank Baur eine Berufung. Doch weil die Zeit nicht stehen bleibt und es immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden, haben sich die Inhaber, die das Fachgeschäft seit 2002 in der dritten Generation führen, eine Idee zu eigen gemacht, um die traditionellen Werte des Hauses mit der digitalen Welt zu verknüpfen. Einen nationalen oder gar globalen Handel streben die Baurs dabei erst gar nicht an. „Unsere Zielgruppe ist die Bevölkerung von Wernau und der umliegenden Orte“, sagt Frank Baur. „Da wollen wir etwas aufbauen und das möglichst gescheit, weil alles, was weiter weg ist, weder regional noch nachhaltig wäre“, fügt er hinzu.
Fast ebenso große Vielfalt wie im Laden
Dass die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie – und das damit einhergehende, sich verändernde Einkaufsverhalten – der digitalen Theke im Hause Baur einen Schub verliehen haben, ist für die Metzgerfamilie keine Frage. Gleichwohl war die Idee dazu bereits geboren, als das Virus noch nicht den Alltag der Menschen bestimmt hat. An den Start ging das Angebot, bei dem vor dem heimischen Bildschirm eine fast ebenso große Vielfalt herrscht wie im Laden selbst, vor rund einem halben Jahr. „Wir wollten unseren langjährigen und natürlich auch neuen Kunden einen Bestell- und Lieferservice anbieten“, erklärt der 51-Jährige.
Der aktuellen Situation geschuldet und um den Betrieb mit so wenig Kontakten wie möglich aufrecht erhalten zu können, wurde das Konzept zusammen mit „Regiowelt“, einer Marke der branchenspezifisch tätigen Beratungsgesellschaft MHG, vorangetrieben. Und das Angebot, speziell was das Click & Bring angeht, also das Bestellen und Liefern, kommt an: in Wernau ebenso wie in den Nachbarkommunen. Nicht zuletzt ältere Menschen nutzen den Service. „Und wenn diese kein Internet haben oder mit dem Ordern nicht zurechtkommen, machen das eben ihre Kinder“, hat Frank Baur festgestellt, der die Waren noch selbst ausliefert.
Wider dem Personalmangel
Verglichen mit dem angestammten Ladengeschäft bewege sich der Umsatz zwar nur im einstelligen Prozentbereich, wachse aber stetig, betont er. „Zudem finden wir immer wieder Stellschrauben, um nachzujustieren“, ergänzt Baur: Ausführliche Informationen über die Herkunft der Produkte, die Möglichkeit zur Sprachbestellung oder das Fertigen individueller Portfolios für Stammkunden seien zumindest schon angedacht.
Zunächst jedoch soll die digitale Theke weiter etabliert und nach Möglichkeit noch ausgebaut werden. Etwa 300 Artikel sind mittlerweile online verfügbar. „Alle Produkte sind hausgemacht und aus unserer eigenen Produktion.“ Auch sonst ist es fast so wie im Geschäft selbst. „Wir sind zwar nicht mit einem Laden direkt vor Ort, aber mit unserer digitalen Theke dennoch bei den Leuten“, betont Frank Baur. Eine „echte“ Filiale zusätzlich zu gründen, sei wesentlich schwieriger – und teurer obendrein. „Den meisten Fleischereien fällt es schwer, überhaupt Personal zu finden. Und gute Fachkräfte sind erst recht Mangelware“, erklärt der Metzgermeister. Auf diese Weise könne er dennoch mehr Kunden bedienen und dadurch die Auslastung seines alteingesessenen Betriebs steigern. An Qualität und Regionalität würden durch das Online-Geschäft aber keine Abstriche gemacht, versichert er.
Ab 25 Euro wird kostenlos ausgeliefert
Wer an Baurs digitaler Theke bestellt, kommt sich fast so vor wie vor der „Auslage“ im Wernauer Metzgerfachgeschäft. Der Kunde kann sich schnell und problemlos durch das Angebot klicken. Die Handhabung der Internetplattform ist denkbar einfach und funktioniert analog zu anderen Online-Shops. Auch die Bezahlung erfolgt über die von dort bekannten Möglichkeiten.
Mit einem Vorlauf von drei Stunden kann die Bestellung direkt im Laden abgeholt werden. Die Ware wird aber in einem eigens kreierten Karton auch ausgeliefert, ab einem Einkaufswert von 25 Euro in Wernau und den Nachbarkommunen sogar kostenlos. Um das Angebot noch nachhaltiger zu machen, wird dafür, sofern es die Witterung zulässt, ein Elektroroller eingesetzt.