15 Stationen in Waiblingen, die man gesehen haben muss, stellt ein digitaler Rundgang des Heimatvereins vor. Beate Mayer und Raimund Gwosdz haben viel Wissenswertes aufgestöbert – für Besucher, aber auch für Einheimische, die etwas dazulernen wollen.
Waiblingen - Sie ist zweihundert Meter breit, etwa vierhundert Meter lang und hat jede Menge interessante Häuser, Plätze und Anekdoten zu bieten: die Waiblinger Altstadt. Durch letztere werden von Mai an – dank der Remstal-Gartenschau – wohl vermehrt Besucher schlendern. Das hat den Heimatverein Waiblingen auf die Idee gebracht, einen digitalen Stadtrundgang zu entwickeln. Ausgerüstet mit einem Smartphone oder Tabletcomputer, können Touristen auf eigene Faust die historische Innenstadt und ihre schönsten Ecken erkunden, indem sie einen QR-Code einscannen, der in den Schaufenstern von Läden in der City hängt, und sich auf diese Weise auf der Internetseite www.hvwn.de/rundgang einwählen.
Wobei die 15 Stationen des Rundgangs durchaus auch für Einheimische interessant sind – wer weiß schon so genau, wer den ersten elektrischen Personenaufzug in Waiblingen bauen ließ oder wo in der Stadt Friedrich Schillers Urgroßvater geboren wurde? „Das ist kein schneller, rein touristischer Rundgang, er geht in die Tiefe und bietet viele Details“, sagt Beate Mayer: „Der digitale Rundgang ist auch für Waiblinger gedacht, die denken, dass sie ihre Stadt genau kennen.“
Stöbern im Archiv des Heimatvereins
Nahezu zwei Jahre haben die stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins und Raimund Gwosdz, bis vor kurzem Beiratsmitglied, an der modernen Version einer Stadtführung gearbeitet. Ein Team, das sich gut ergänzte: Hier Beate Mayer, die seit fast zwei Jahrzehnten Menschen durch die Stadt führt, die sie kennt wie ihre Westentasche. Und da der Historiker Raimund Gwosdz, der erst vor einigen Jahren aus Ludwigsburg nach Waiblingen gezogen ist und dem manches auffällt, woran langjährige Bewohner etwas betriebsblind achtlos vorbeigehen. „Wir haben beide dazugelernt“, sagt Raimund Gwosdz über die zwei Jahre, in denen er und Beate Mayer in Geschichtsbüchern und dem Archiv des Heimatvereins geforscht haben.
„Wir haben uns einen Stadtplan vorgenommen und entschieden, welche Stationen reinkommen“, erzählt Beate Mayer. Klar gäbe es mehr als 15 sehenswerte Orte in der Altstadt, aber das Duo hat sich auf das beschränkt, was man auf jeden Fall gesehen haben muss. Die Tonspur des Rundgangs dauere exakt eine Stunde und sieben Minuten, erzählt Raimund Gwosdz – und länger reiche die Konzentrationsfähigkeit der meisten wohl auch kaum. Wobei Rundgänger anders als bei den sonst üblichen Führungen ja einfach mal ein Päuschen in einem Café einlegen und danach wieder einsteigen könnten.
Wissen in komprimierter Form
Zu jeder Station gibt es einen kurzen Vorspann, der in komprimierter Form auf das jeweilige Gebäude oder Denkmal eingeht. Wer mehr wissen möchte, kann weiter nach unten scrollen und erfährt auf der von Hubertus Amann programmierten Internetseite mehr Details über jeden Standort. „Wir haben um die Texte gerungen und an vielen Sätzen lange gefeilt“, erzählt Beate Mayer.
Die Mühe hat sich gelohnt: der Rundgang bietet, kurz und knackig formuliert, Wissenswertes zuhauf. Zum Beispiel, dass das Beinsteiner Tor der tiefste, der Hochwachtturm der höchste Punkt der Altstadt ist – und dass genau 21 Höhenmeter zwischen ihnen liegen. Zu finden ist auch eine Geschichte, die Beate Mayer immer gerne bei ihren Stadtführungen erzählt: die, wie die Waiblinger zu ihrem Necknamen „Taubenhäusler“ gekommen sind. Die Vögel wurden einst besonders von ärmeren Bürgern gehalten und als Sonntagsbraten aufgetischt. Weil es irgendwann zu viele Tauben gab, die auf den Äckern Schaden anrichteten, wurde im Jahr 1740 die Haltung der Vögel von der Größe des Grundbesitzes abhängig gemacht. Dass ausgerechnet die Ärmsten keine Tauben mehr halten durften, löste bei diesen Empörung aus.
Solche Geschichten machen Geschichte lebendig. Und genau das wollen Mayer und Gwosdz mit ihrem Rundgang, der in zehn Sprachen abrufbar ist, erreichen. „Wir wollen gerade auch jüngere Leute ansprechen“, sagt Raimund Gwosdz, der bis zu seinem Ruhestand als Geschichtslehrer tätig war. „Wenn ich noch Lehrer wäre, dann würde ich mit meinen Schülern eine Schnitzeljagd machen und sie mit dem Smartphone durch die Stadt schicken.“