InterviewDigitalisierung an Schule in Ditzingen Eine neue Lernkultur entwickelt sich

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Wie wird das Tablet neben der Recherche zur Dokumentation genutzt?

Ich kann die Leistung des Schülers einfacher dokumentieren, etwa durch die Fotofunktion. Da wir keine Noten geben, können wir nicht mehr auf Exceltabellen zugreifen, in die man Noten einträgt und am Ende ein arithmetisches Mittel erhält. Ich muss den Lernprozess des Schülers dokumentieren, und das ist über ein IPad, das der Lehrer direkt dabei hat, viel einfacher. Wir haben online ein Dokumentationssystem, auch ein Vertretungslehrer hat jederzeit Zugriff auf die Leistung der Schüler und weiß deshalb auch im individualisierten Unterricht genau, wo der Schüler steht und wie er ihm helfen kann.

Sie geben keine Noten. Sie beschreiben daher den Erkenntnisgewinn?

Ja, der Kompetenzerwerb ist ein Prozess, diesen zu verfolgen ist mitentscheidend, um dem Schüler dadurch zu helfen, weiterzukommen. Es ist nicht mehr das Entscheidende, am Ende eine Klassenarbeit zu schreiben. Diesen Prozess muss ich aber dokumentieren, weil ich nicht nur drei oder vier Schüler habe.

Ihr Fazit fällt nach einem Jahr positiv aus?

Ja. Ditzingen ist die erste Kommune im Landkreis, die so offensiv an das Thema in allgemeinbildenden Schulen herangegangen ist. Mein Dank gilt deshalb dem Schulträger und dem Gemeinderat. Wir werden jetzt auch die Grundschulen in Ditzingen einbeziehen, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir es im der Sekundarstufe machen. Wir werden die Schüler langsam heranführen. Es besteht inzwischen eine große Offenheit in der Kommune, das gefällt mir sehr. Wir haben erfahren, dass das IPad ein Hilfsmittel ist, das die Schüler sehr verantwortungsvoll nutzen und das sie auch weiterbringt. Wichtig ist allerdings, dass man dazu eine gute technische Ausstattung benötigt. Sonst nützt das alles nichts. Man braucht einen Breitbandanschluss, muss im Zimmer die Möglichkeit haben, zu visualisieren, was ein Schüler macht. Wenn er etwas auf dem Laptop gemacht hat, kann er sich auf dem Beamer einloggen und es allen anderen Schülern zeigen. Das ist eine große Hilfe, weil sich auch Schüler untereinander etwas erklären, das muss nicht immer gleich der Lehrer machen. Es entwickelt sich ein neues System der Kommunikation und gegenseitigen Unterstützung.

Es entwickelt sich eine neue Lernkultur?

Ja, aber die ist nicht nur abhängig vom IPad. Ich brauche zunächst den individualisierten Unterricht in einer heterogenen Schülerschaft, die ich in Kompetenzen unterrichte. Auf diesem Weg ist das IPad eine Unterstützung.

Wo wird die Schule in fünf Jahren sein?

Sie muss da sein, wo die Gesellschaft ist, auch wo die technische Entwicklung ist. Das ist nicht immer so gegeben. Die Schule ist meist 20, 30 Jahre hintendrein. Aber wir bemühen uns, auf dem Stand der Technik zu sein. Denn unsere Schüler kommen ins Berufsleben – und wo findet Digitalisierung statt? Nicht nur im Privatleben, sondern hauptsächlich im Berufsleben, darauf muss ich meine Schüler vorbereiten, auch auf einen kritischen Umgang mit den Medien. Deshalb wollen wir immer auf dem aktuellen Stand sein. So lange der Schulträger das finanziell mitmacht, machen wir das.

Schulleiter
Jörg Fröscher leitet seit 1998 die Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule im Ditzinger Ortsteil Hirschlanden. Der 65-Jährige hat die Schule von der Grund- und Hauptschule über die Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule geführt. Er ist früh die Kooperation mit dem Laserspezialist Trumpf eingegangen, was ihm auch Kritik eingebracht hat.

Schulgebäude
Die Theodor-Heuglin-Schule hat vor drei Jahren ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Seit einigen Jahren wird sie grundlegend erneuert, alte Gebäude wurden abgerissen, neue errichtet. Mit dem Neubau wurden auch die grundlegenden, technischen Voraussetzung für ein digitales Lernen an der Schule geschaffen.