Die Lehren aus den Monaten des Fernunterrichts haben den Weg zwar geebnet, dennoch war Corona nicht alleine dafür verantwortlich, dass sich das Goldberg-Gymnasium schneller auf den Weg gemacht hat als manch andere Schule. „Wir hatten vor Pandemiebeginn einen Medienentwicklungsplan. Die Erfahrungen aus der für uns schwierigen Coronazeit haben das Geschehen aber beschleunigt“, erklärt Schulleiterin Veronika Knüppel. Mithilfe rasch abzugreifenden Geldes aus dem Digitalpakt und dem Spendentopf des Trägervereins habe die Modernisierung der IT einen Schub bekommen. Die Gesamtkosten, so die Schulleitung, dürften bei bis zu 300 000 Euro liegen.
Beamer und Whiteboard statt Arbeitsblatt und Tafel
Nun sieht der Unterrichtsalltag auf dem Goldberg so aus: Statt altbackener Schiefertafeln und staubiger Kreide, unzähliger kopierter Arbeitsblätter und zerfledderten Heften projiziert der Beamer den Stoff vom Lehrer-Tablet an das Board. In den Schülerreihen findet sich ein Tablet nach dem anderen. Die Schüler können auf den Displays wichtige Stellen markieren oder auf einem geteilten Bildschirm Arbeitsblatt und ein Dokument zum Mitschreiben öffnen.
„Die Jugendlichen gehen sehr versiert mit der Technik um. Auch die meisten Lehrerkollegen machen mittlerweile viel Gebrauch davon. Und da in jedem Raum des Gebäudes WLAN und entsprechende Technik vorhanden sind, ist das Arbeiten mit digitalen Hilfsmitteln ein fester Bestandteil geworden“, sagt Tobias Walldorf, stellvertretender Schulleiter. Bereitgestellt wird die IT-Infrastruktur von der Stadt Sindelfingen und von externen Firmen, die bei technischen Problemen zur Verfügung stehen. So könne der Unterricht auch nach Schwierigkeiten schnell wieder weiterlaufen, sagt Knüppel.
Besonders die Oberstufe aus Klasse 11 und 12 nutzt für ihre Unterrichtseinheiten fast ausschließlich die von der Schule gestellten Tablets. Die Jüngeren verfügen noch nicht über eigene Tablets, die auch nach Hause mitgenommen werden dürfen. „Hier stecken wir noch in Überlegungen. Im Moment geht die Tendenz aber dahin, dass das Angebot nicht auf alle Klassen der Unter- und Mittelstufe übertragen wird“, erläutert Walldorf. Die flächendeckende Einbeziehung digitaler Tools hat bei allem Fortschrittsdenken aber auch Grenzen, betont Walldorf: „Klausuren sowie das Abitur gehen weiterhin analog vonstatten. Das heißt, dass die Schüler klassisch mit Stift und Papier arbeiten. So können wir in Prüfungssituationen gewährleisten, dass keine unerlaubte Informationsbeschaffung getätigt wird.“
Digitalisierung geht nicht ohne gewisse Risiken
Genau hier liegt nämlich auch für die digitalaffine Schulleitung eine Herausforderung: Wie mit der Tatsache umgehen, dass Schüler heutzutage „Digital Natives“ sind, nebenbei spielen, surfen oder chatten oder Lösungen im Unterricht oder für ihre Hausaufgaben googeln und einfach übernehmen können? „Das stellt uns vor Herausforderungen“, gesteht Knüppel. Die klassische Wissensabfrage ergebe so jetzt und in Zukunft möglicherweise immer weniger Sinn, wenn nicht klar ist, wie Schüler X an die Antwort auf die Frage gelangt sei. „Da wir unsere Schüler aber gut kennen und auch wir Lehrer das Internet mit seinen Möglichkeiten kennen, können wir Plagiate schnell ausfindig machen“, unterstreicht die Schulleiterin.
Während Google und Webseiten mit kompletten Lösungswegen das eine Tool sind, auf das die Jugend gerne zurückgreift, stellt das Künstliche-Intelligenz-Programm namens ChatGPT die Lehrerschaft schon jetzt auf eine ganz andere Probe. Denn hier lasse sich die Quelle eines Textes nicht mehr zurückverfolgen, um ein potenzielles Plagiat nachzuweisen. Tobias Walldorf hat hier bereits seine Erfahrung gemacht: „Ich habe die KI ein Gedicht verfassen lassen. Das Ergebnis war verblüffend: Zwar war das Gedicht nicht die höchste literarische Kunst, mit Stilmitteln und mehr als passabler Sprache hat mich das Resultat aber überzeugt. Hätte mir ein Zehntklässler das so abgegeben, hätte ich ihm eine Eins gegeben.“
Und so wartet auf das Goldberg-Gymnasium als eine digitale Musterschule im Kreis die nächste Herausforderung innerhalb der digitalen Transformation. Ein weiteres Fragezeichen bleibt die zukünftige Ausstattung mit Geräten. „Hier hoffen wir darauf, dass das Land sicherstellt, dass wir in ein paar Jahren keine Rückschritte erleben, wenn Geräte ausgetauscht werden müssen“, wirft Veronika Knüppel den Blick voraus.
Die Schulen fit für die Zukunft machen
Digitalpakt
Mit dem Digitalpakt Schule wollen Bund und Länder die digitale Infrastruktur an Schulen stärken. Auf Baden-Württemberg entfallen während der Laufzeit von fünf Jahren rund 650 Millionen Euro.
Sofortausstattungsprogramm
Das Land hatte im Rahmen des Sofortausstattungsprogramms rund 130 Millionen Euro für öffentliche und private Schulen zur Verfügung gestellt, um mobile Endgeräte wie Tablets zu beschaffen.
Schnelles Internet
Die Stadt Sindelfingen hat alle 17 Schulen in ihrer Trägerschaft an das Glasfasernetz angeschlossen.
Goldberg-Gymnasium
Das Gymnasium hat 250 000 bis 300 000 Euro für die digitale Ausrüstung investiert. Dazu gehören Beamer, Laptops, Tablets, Whiteboards oder Microsoft-Office-Pakete für alle Schüler.