Vor 66 Millionen Jahren schlug ein riesiger Asteroid auf die Erde ein. Der Aufprall hatte ein gigantisches Massensterben zur Folge. Sämtliche Dinosaurier verschwanden von der Erde. Wissenschaftler haben jetzt die ersten Stunden nach dem kosmischen Einschlag rekonstruiert.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Austin - Der Einschlag des Asteroiden, der vor 66 Millionen Jahren das Aussterben aller großen Dinosaurier auslöste, könnte Tsunamis und Buschbrände hervorgerufen und gewaltige Mengen Schwefel freigesetzt haben. Diese Hypothese haben Forscher nun mit der Auswertung eines Bohrkerns aus dem Chicxulub-Einschlagskrater bei Yucatan untermauert, wie sie in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) schreiben.

 

„Der einzige Weg zu einem globalen Massensterben wie diesem ist ein atmosphärischer Effekt“, sagt der Geophysiker Sean Gulick, Forschungsprofessor an der University of Texas at Austin Jackson School of Geosciences. Der untersuchte Kern stammt aus einem Abschnitt einer ringförmigen Hügelkette (Peak ring) im Einschlagskrater, der einen Durchmesser von circa 180 Kilometern hat.

Der Abschnitt liegt unter Wasser vor der Küste im Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatan. An dieser Stelle bildete sich in den 24 Stunden nach dem Einschlag eine 130 Meter dicke Schicht von Ablagerungen, schreiben die Wissenschaftler. Sie bestehen aus verschiedenen Lagen.

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Durch Asteroideneinschlag brachen Nahrungsketten zusammen

Ein vom Einschlag ausgehender Tsunami kam den Forschern zufolge durch Reflexionen an Küsten wieder zurück. Er lagerte unter anderem Holzkohle in dem Krater ab. Die Kohle deutet das Team um Sean Gulick als Hinweis auf Buschbrände, die vom Einschlag ausgelöst wurden.

Der Tsunami könnte Meerwasser bis weit ins Innere der umliegenden Kontinente gebracht haben, beim Zurücklaufen des Wassers ins Meer könnten verkohlte Pflanzenreste mitgerissen worden sein.

Zudem fanden die Forscher Hinweise darauf, dass es schwefelhaltige Aerosole waren, die nach dem Asteroideneinschlag das Weltklima veränderten. Wie man es auch von Vulkanausbrüchen kennt, schirmen die schwefelhaltigen Aerosole das Sonnenlicht teilweise ab. In der Folge kann sich die Fotosynthese der Pflanzen verringern und Nahrungsketten können zusammenbrechen.

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Eine Milliarde Hiroshima-Bomben auf Yucatan

Dies könnte dazu geführt haben, dass etwa 75 Prozent allen Lebens zum Ende der Kreidezeit zugrunde ging. Die Kreidezeit ist ein Zeitalter in der Erdgeschichte. Sie begann vor rund 145 Millionen Jahren mit dem Ende des Juras und endete vor etwa 66 Millionen Jahren mit dem Beginn des Paläogens.

Der kosmische Felsbrocken hatte schätzungsweise eine Länge von von rund zehn Kilometern und ein Gewicht von 3000 Milliarden Tonnen. Mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern in der Sekunde raste auf die Erde zu. Auf der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko schlug er ein.

Mit der Energie von einer Milliarden Hiroshima-Atombomben schlug er auf und grub sich 30 Kilometer tief ins Gestein. Der Krater, den er hinterließ, hatte einen Durchmesser von 200 Kilometer. Im Umkreis von 1500 Kilometern tötete die Hitzewelle augenblicklich jedes Leben. Erdbeben mit einer Stärke von zwölf oder 13 erschütterten den Globus. Tsunamis rasten über Meere und Kontinente und hinterließen Zerstörung und Tod.

Doch das Schlimmste kam erst noch: Gewaltige Mengen an Ruß und Staub gelangten in die Atmosphäre, der Himmel verdunkelte sich. Der kosmische Gesteinsbrocken hatte eine Erdschicht mit viel Sulfat und Carbonat getroffen.

Schlagartig wurden zwischen 100 bis 500 Milliarden Tonnen Schwefel wurden in die in die Atmosphäre geschleudert. Die daraus entstandenen Schwefelsäuretröpfchen ließen das Sonnenlicht nicht mehr durchdringen, so dass die Temperaturen um zehn Prozent fielen.

Mit dem Asteroid kam der Tod

Die jahrelange Abkühlung und Dunkelheit vernichtete sämtliche Wälder, das Plankton in den Weltmeeren verschwand. Und damit auch die Pflanzenfresser, die ohne Nahrung verhungerten, wenn sie nicht schon durch die unmittelbaren Folgen des Meteoriteneinschlags sofort getötet worden waren. Als die Nahrungskette zusammenbrach, verschwanden auch die Fleischfresser – und mit ihnen der Tyrannosaurus Rex, der gewaltigste Räuber, der je auf dem Land gelebt hat.

Die Meteoriten-Theorie existiert seit den frühen 1980er Jahren. Damals fanden Forscher im 200 Kilometer Chicxulub-Krater im Golf von Mexico eine hohe Konzentration von Iridium, einem auf der Erde äußerst seltenen Metall, das vor allem auf Asteroiden und Meteoriten vorkommt.

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Nach einer anderen Theorie soll das Massensterben am Ende der Kreidezeit durch eine sich über einige Hunderttausende Jahre hinziehende Ausbruchswelle eines Supervulkans in der Dekkan-Trapp, einer mehr als 500 000 Quadratkilometer großen durch Vulkanismus geprägten Region in Westindien, ausgelöst worden sein. Was auch immer den globalen Tod auslöste, die Ära der Dinosaurier war für immer Geschichte.