Der Direktverkauf der Firma im Waiblinger Gewerbegebiet Ameisenbühl schließt zum Ende des Monats und konzentriert sich künftig auf Halal-Produkte. Was passiert mit dem Verkaufspersonal?
Die Großmetzgerei Kübler mit Hauptsitz in Waiblingen steht vor deutlichen Veränderungen. Ein zentrales Element: Der Direktverkauf in der Zeppelinstraße schließt schon Ende dieses Monats. Beim veränderten eigenen Produktionssortiment, das künftig primär auf Halal-Produkte setzt, hätte die dortige Struktur nicht mehr gepasst.
„Wir setzen auf Einzelhandel, Discount, Selbstbedienung und beliefern auch türkische Läden“, sagt Philipp Kübler zum neuen Kurs, bei dem auch die bisherigen Räume des Waiblinger Verkaufs für die Produktion benötigt würden. Schließlich liefert die Waiblinger Großmetzgerei in ihrem Spezialgebiet der Halal-Produkte quasi europaweit – mit Schwerpunkten bei Supermärkten in Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien oder Frankreich.
Kübler: „Halal – das ist ein Wachstumsmarkt“
In der Nische mit den Halal-Produkten – „das ist ein Wachstumsmarkt, das hat Zukunft“ – sind die Waiblinger seit sieben Jahren aktiv. Und klar geworden sei, sagt Kübler bezüglich der grundlegenden Firmenstrategie: „Wir wollen uns nicht verzetteln.“ Man werde auf das setzen, worin man zum Spezialisten geworden sei. Was unter anderem auch heißt, dass bei den Fleisch- und Wurstprodukten künftig Schweinefleisch in der Hauptproduktion frischer Ware weitgehend außen vor bleibt.
Halal, so erläutert der Firmenchef der Waiblinger Großmetzgerei, bedeute in diesem Zusammenhang aber nicht, dass die Tiere geschächtet, sprich ohne Betäubung getötet werden. Das widerspräche auch europäischem Recht. „Bei uns gibt es kein geschächtetes Fleisch“, betont Philipp Kübler. „Ich finde Schächtung nicht gut, Tierschutz ist wichtig.“ Kübler werde sein Fleisch auch künftig ausschließlich aus Schlachthöfen in Deutschland beziehen. Die Ware werde weiterhin nur jene Halal-Siegel tragen, bei denen zur Tötung der Tiere Elektrokurzzeitbetäubung oder Bolzenschussapparate erlaubt beziehungsweise vorgeschrieben sind. Die gängigen Halal-Siegel legen hier unterschiedliche Maßstäbe an.
Personal am Kübler-Standort Waiblingen bleibt erhalten
Die Betäubung vor dem Schlachten, so heißt es in der Fachliteratur zum Thema Halal und Fleisch, sei ein Beispiel für den Versuch, die uralten Prinzipien auf aktuelle technologische Standards und Möglichkeiten anzuwenden. Deshalb sei die Betäubung, die zur Zeit des Propheten noch keine Rolle spielte, heute ein oft diskutierter Aspekt. Nach der Ansicht mancher Gelehrter und Zertifizierer seien Betäubungen nicht zulässig. Aus diesem Grund meidet ein Teil der Muslime Fleisch und weitere Produkte von Tieren, die unter Zuhilfenahme von Betäubungsmethoden geschlachtet wurden.
Am Standort Waiblingen arbeiten momentan gut 100 Beschäftigte. Daran werde sich auch unter den neuen Bedingungen nichts ändern, sagt Philipp Kübler beim Gespräch über die Neuausrichtung der Firma. Das gesamte seitherige Verkaufspersonal werde andere Aufgaben im Betrieb erhalten.
Metzgerei Kübler
Gründung
Die Metzgerei Kübler wurde 1890 als Metzgerei Johann Burger in der Rotebühlstraße in Stuttgart gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude durch einen Luftangriff zerstört. Gründersohn Karl Burger zog sich zurück, die Firma wurde als Metzgerei Paul Sommer weitergeführt. Traude Sommer, Tochter von Paul und Gertrude Sommer, heiratete 1955 den Metzgermeister Richard Kübler. 1966 folgte die Namensänderung in Metzgerei Kübler.
Direktverkauf
In den 1990er-Jahren wurde die Produktion nach Waiblingen verlegt. 2003 eröffnete im Ameisenbühl der Direktverkauf. 2021 wurde das Traditionsgeschäft in Stuttgart geschlossen.