Direktvertrieb-Experte „Die Kunden wünschen sich wieder Offline-Partys“

Jochen Clausnitzer sieht den Direktvertrieb nach dem US-Aus von Tupperware nicht in der Krise. Foto: Bundesverband Direktvertrieb Deutschlan/d

In den USA ist Tupperware insolvent – ist dies auch das Ende der Verkaufspartys? Im Gegenteil, meint Jochen Clausnitzer vom Bundesverband Direktvertrieb. Verkaufspartys seien derzeit in vielen Bereichen gefragt.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Die Tupper-Party ist in Deutschland fast zum Synonym geworden für die Verkaufspartys im Direktvertrieb, wo auch Lebensmittel oder Kosmetik- und Wellnessprodukte im privaten Rahmen verkauft werden. Nach der Insolvenz von Tupperware in den USA gehen in Deutschland die Verkaufspartys nicht nur weiter – sie liegen auch im Trend, betont Jochen Clausnitzer, Geschäftsführer des Bundesverbands Direktvertrieb. Aber warum eigentlich?

 

Herr Clausnitzer, Tupperware in den USA ist insolvent. Hat das Prinzip Verkaufsparty für den Direktvertrieb ausgedient?

Auf keinen Fall. Das analoge Modell ist nicht unter Druck, im Gegenteil: Der Umsatz im Direktvertrieb ist in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland kontinuierlich auf derzeit mehr als 20 Milliarden Euro gewachsen, und der Kern des Wachstums basiert auf dem Partygeschäft. Die Branche zählt derzeit mehr als 900 000 Vertriebspartner und -partnerinnen.

Warum wirkt ein so altes Konzept noch immer?

Der Einkauf wird durch das Internet immer anonymer und kompetente Beratung im Einzelhandel seltener. Im Direktvertrieb können die Kundinnen und Kunden die Produkte auf den Verkaufspartys ausprobieren und sich untereinander darüber austauschen. Wer die Produkte vor dem Kauf testen kann, ist mit dem Kauf besonders zufrieden – dies belegen die niedrigen Widerrufsquoten. Ein weiterer Vorteil der Partys ist, dass sie nicht nur von Kundinnen und Kunden weiterempfohlen werden, dort können Unternehmen auch neue Vertriebspartnerinnen und -partner gewinnen.

Wie hat die Corona-Pandemie die Branche verändert?

Seit Corona gehören auch persönliche Beratungen im Internet selbstverständlich zum Direktvertrieb, etwa bei Live-Shopping-Events oder virtuellen Kaufpartys. Es gibt inzwischen intelligente Lösungen, wie Kunden während des Online-Events die Produkte in den Warenkorb klicken können. Während der Pandemie und danach ist der Branchenumsatz gewachsen, auch weil Vertriebspartner und -partnerinnen in den sozialen Medien aktiver sind. Gleichwohl ist in den vergangenen beiden Jahren die Bedeutung des Verkaufs vor Ort gestiegen – die Kunden wünschen sich wieder Offline-Partys. Wir sind soziale Wesen.

Viele Unternehmen suchen nach Arbeitskräften. Warum sollte man sich für den Direktvertrieb heute noch selbstständig machen?

Im Direktvertrieb haben Sie die größte Flexibilität, das passt zu unserem Zeitgeist. So viel Flexibilität können auch Unternehmen mit Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten nicht bieten. Aber natürlich wird es für Unternehmen immer wichtiger, die Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner auch gut zu schulen und sie zu motivieren.

Wie sehen Sie die Branche in fünf Jahren?

Die Branche wird weiter kontinuierlich wachsen. Die persönlichen Beratungen auf den Verkaufsveranstaltungen vor Ort werden am wichtigsten bleiben – flankiert von Online-Veranstaltungen und dem Engagement in den sozialen Medien.

Lobbyist für den Direktvertrieb

Person
Jochen Clausnitzer wurde 1971 in Moers geboren und ist seit 2011 Geschäftsführer des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland (BDD) e.V. Zuvor war der Jurist elf Jahre für die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) tätig, zuletzt als Vertreter des DIHK-Rechtsbereichs in Brüssel.

Verband
Der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e.V. (BDD) vertritt Unternehmen, die im Direktvertrieb Produkte und Dienstleistungen vertreiben. Dazu zählen vor allem Energie- und Kommunikationsdienstleistungen, Haushaltswaren, Lebensmittel und Getränke, Bauprodukte, Kosmetik, Reinigung und Tierpflege, Finanzdienstleistungen und Wellness.

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