Dirk Nowitzki Einmal Dallas, immer Dallas

Dirk Nowitzki gewann 2011 den NBA-Titel mit den Dallas Mavericks. Foto: EPA

Dirk Nowitzki ist nicht nur der beste deutsche Basketballer der Geschichte – in seiner 21. Saison mit den Dallas Mavericks gilt er als einer der größten und treuesten Sportler aller Zeiten.

Dallas - Als Dirk Nowitzki am 5. Februar 1999 zum ersten Mal ein NBA-Spielfeld betrat, kannten den 2,13 Meter langen Schlacks nur echte Basketball-Experten. Der damals 20-Jährige war erst der vierte Deutsche in der NBA, sein Club, die Dallas Mavericks, einer der schlechtesten Vereine der Liga und der zweite Rücktritt von Michael Jordan das einzige NBA-Thema, das weltweit für Schlagzeilen sorgte. Fast 20 Jahre später und mit 1472 NBA-Partien auf dem Buckel gilt Nowitzki als einer der besten Spieler aller Zeiten und ist nichts weniger als eine lebende Legende.

 

Seit Donnerstagnacht Rekordhalter

In der Nacht auf Freitag stellte der 13 malige Allstar einen bemerkenswerten Rekord auf: Er lief in der 21. Saison in Folge für den gleichen Club auf. Eine Treue, die nicht nur in der NBA ihres gleichen sucht – einzig Kobe Bryant, der immerhin 20 Jahre das Trikot der Los Angeles Lakers trug, spielt diesbezüglich in einer ähnlichen Liga wie der Würzburger. Dass Nowitzki diesen Rekord erst im 27. Saisonspiel seiner Mavericks einstellte, ist einer Sprunggelenksoperation aus dem Frühjahr geschuldet, die ihn bis zuletzt außer Gefecht gesetzt hatte. „Es ist schön, zurück zu sein“, grinste Nowitzki nach seinem Comeback in die Kameras der US-amerikanischen Sportsender. Kein Wort zu seinem Rekord, sich selbst nur nicht zu wichtig nehmen – wer noch nicht gewusst hatte, wie der 40-Jährige tickt, erfuhr es spätestens in diesem Moment.

In einer Zeit, in der sich die besten Spieler der NBA für Titelgewinne zusammentun, dachte Nowitzki nie ernsthaft über einen Wechsel aus Dallas nach. Und während andere Superstars Tag für Tag damit beschäftigt sind, ihr Image in der Öffentlichkeit zu pflegen und mit einer ganzen Entourage an Beratern, Stylisten und Freunden durch die USA fliegen, will Nowitzki nur eines: Spaß und den maximalen Erfolg. Mit seiner Mannschaft, mit seinen Dallas Mavericks. „Einzelsport ist eben nicht mein Ding“, sagt Nowitzki, der als Jugendlicher als einer der besten Tennisspieler seiner Generation galt. „Er lässt sich nicht zu einer Marke aufbauen – er will einfach ein guter Basketballspieler sein“, schwärmt auch Ex-MVP Charles Barkley vom „German Wunderkind“.

Der Teamerfolg steht über allem

Wie wichtig Nowitzki der Teamerfolg ist, zeigt ein Ereignis aus dem Jahr 2007: Als erster Europäer wurde er zum MVP, dem besten Spieler der NBA-Saison, gewählt. Allerdings unterlagen er und seine Mavs in der ersten Playoff-Runde gegen die Underdogs der Golden State Warriors. „Diese Saison ist die größte Enttäuschung meiner Karriere“, sagte Nowitzki nach der entscheidenden Niederlage. Dass er der beste Spieler der Saison war? Geschenkt! „Erst als mir Mark Cuban die Trophäe mit Tränen in den Augen überreichte, wurde mir klar, was ich damals erreicht hatte“, gesteht Nowitzki heute.

Mit Cuban, seit dem Jahr 2000 Besitzer der Dallas Mavericks, verbindet den Deutschen eine echte Freundschaft. Im US-amerikanischen Profisport, wo Spieler wie Vieh und ohne ihr eigenes Wissen von einem Verein an den nächsten verhökert werden können, eine echte Rarität – wie Nowitzki selbst auch eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. 21 Jahre trägt er nun das Dallas-Trikot, immer wieder verzichtete er auf Gehalt, um Cuban die Möglichkeit zu geben, Topspieler nach Dallas zu holen, um den maximal möglichen Erfolg zu haben. „Was Dirk für diesen Verein getan hat, ist einmalig“, weiß auch Cuban. NBA-Analysten gehen davon aus, dass Nowitzki im Laufe seiner Karriere auf unfassbare 194 Millionen US-Dollar an Gehältern verzichtete, um den Mavericks größtmöglichen Spielraum zu geben.

Nowitzki verzichtet auf fast 200 Millionen Dollar Gehalt

Nun läuft er mir einem Gesamtgehalt von 252 Millionen Dollar aus 21 NBA-Spielzeiten nicht Gefahr, eines Tages am Hungertuch nagen zu müssen – Discounts von Superstars gegenüber ihren Clubs sind dennoch eine Seltenheit. „Ich spiele nicht für Geld, ich spiele um zu gewinnen“, so Nowitzkis vermeintlich einfache Formel. Und da man in den USA immer als unvollendet gilt, ohne einen Meistertitel gewonnen zu haben, war der Titelgewinn mit Dallas im Jahr 2011 ein Meilenstein auf seinem Weg in die „Hall of Fame“ – die Ruhmeshalle der NBA.

„Der größte Moment meiner Karriere“, sagt Nowitzki aber nicht über den einzigen Titel seiner Mavericks. Nein, gemeint ist der Tag, an dem er sich einen „Lebenstraum“ erfüllte und die deutsche Olympiamannschaft 2008 als Fahnenträger bei den Spielen in Peking anführen durfte. Es ist diese Heimatverbundenheit, die seine deutschen Fans genauso an ihm schätzen wie jene in Dallas, wo ihm kürzlich ob seiner Verdienste der „Schlüssel der Stadt“ übergeben wurde.

Einer der größten Basketballer der Geschichte

Die Vita Nowitzkis liest sich unglaublich: NBA-Meister, MVP, 13-maliger Allstar, 15 Playoff-Teilnahmen, Olympionike und mittlerweile siebtbester Punktesammler der NBA-Geschichte. Daran war am 5. Februar 1999 nicht zu denken: Nowitzki traf in seinem ersten Spiel keinen Wurf aus dem Feld. 21 Spielzeiten und 31 187 NBA-Punkte später scheint die NBA ohne ihn undenkbar. Wie unprätentiös er aber mit sich und seiner Person umgeht, verdeutlicht ein einziger Satz in der ihm gewidmeten Dokumentation „Der perfekte Wurf“: „Ich kann halt ganz gut Bälle in Körbe werfen, aber andere sind bestimmt in haufenweise wichtigeren Dingen talentiert – und die kennt kein Mensch.“

Nachdem zuletzt zwei Mal die Playoffs verpasst wurden und sich unweigerlich sein Karriereende nähert, hat Nowitzki nur eines im Kopf: „Wir wollen in die Playoffs.“ Als er 1999 kam, lagen die Mavericks am Boden – nun will er offenbar nicht gehen, ehe sein Club um den neuen Superstar Luka Doncic wieder zu den besten Teams der Liga gehört.

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