Dirk Schaible bei seiner offiziellen Verabschiedung als Bürgermeister. Foto: Werner Kuhnle
Nach 16 Jahren als Bürgermeister von Freiberg hat Dirk Schaible im vergangenen Frühsommer sein Amt niedergelegt. Einen neuen Job hat er zwar noch nicht, dafür viel Zeit zum Reflektieren.
Es habe dann doch länger gedauert als gedacht, sagt Dirk Schaible im Gespräch mit dieser Zeitung. In ein Loch sei er zwar nicht gefallen, es habe jedoch Monate gedauert, bis er sich von den 16 Jahren als Bürgermeister von Freiberg erholt hat. Die neue Unabhängigkeit, „Herr über die eigene Zeit zu sein“, habe er dringend gebraucht. „Erst Anfang des Jahres hatte ich dann wieder richtig Kraft getankt und seitdem auch wieder die Motivation, eine neue Aufgabe anzupacken.“
Schaible räumte im Juni vergangenen Jahres das Chefbüro im Freiberger Rathaus. Mit etwas Abstand ist er sich sicher: Der Rückzug war die richtige Entscheidung. Heute hat der 55-Jährige mehr Zeit für seine Familie und die Möglichkeit, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken. Bereuen würde er nichts – dennoch haben Konflikte Spuren hinterlassen.
Wogen glätten sich und schlagen hoch
Als Schaible 2008 das Bürgermeisteramt übernahm, herrschte in der Stadt eine gespannte Atmosphäre. Die Beziehung zwischen seinem Vorgänger Ralf Maier-Geißer und dem Gemeinderat war zerrüttet, die Stadt gespalten. Wahlkämpfe wurden mit harten Bandagen geführt, und viele Beteiligte brauchten Jahre, um sich davon zu erholen. Eine seiner ersten und wichtigsten Aufgaben war es daher, diese tiefen Gräben zu überwinden – mit Erfolg. Doch die Anfangszeit forderte ihren Tribut. „Das hat viel Kraft gekostet“, erinnert sich Schaible.
Während sich die Wogen glätteten, türmten sich die Aufgaben. „Während andere Kommunen wichtige Themen schon aufs Gleis gesetzt hatten, waren wir hinterher“, blickt Schaible zurück.
Besonders der bauliche Zustand der Schulen bereitete ihm Kopfzerbrechen. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat plädierten für weniger, aber qualitativ bessere Grundschulen – ein Vorhaben, das auf heftigen Widerstand stieß. Eine emotionale Debatte entbrannte, eine Bürgerinitiative stemmte sich gegen die Pläne. Nach einem Bürgerentscheid 2016 musste Schaible seine Pläne einmotten. „Das war damals für mich schwer zu verstehen. Wir hatten die Argumente auf unserer Seite, die Bürgerinitiative aber die Emotionen.“
Auch in den Folgejahren blieben Konflikte nicht aus – etwa um die Zukunft des Wasenstadions oder die steigenden Kosten der neuen Oscar-Paret-Schule. „Es gibt keine offenen Wunden, aber die Auseinandersetzungen haben mich nicht kaltgelassen“, gesteht Schaible.
Standing-Ovations für Dirk Schaible bei seinem Abschied Mitte Juni im Freiberger Prisma. Foto: Werner Kuhnle
„Jetzt bin ich wirklich präsent“
Heute genieße er die neugewonnene Freiheit und vor allem die Zeit mit seiner Familie. „Früher war ich am Esstisch oft nur körperlich anwesend, meine Gedanken aber kreisten um das Rathaus. Jetzt bin ich wirklich präsent.“ Auch Freunde und Weggefährten hätten ihm bereits zurückgemeldet, wie entspannt er inzwischen wirkt.
Nun sei er auch langsam bereit, seine berufliche Zukunft in Angriff zu nehmen, sagt Schaible. „Es gibt zwar noch nichts zu verkünden, aber ich führe interessante Gespräche.“ Details könne er nicht nennen, die Gespräche drehen sich jedoch um Jobs in der öffentlichen Verwaltung – aber auch in der freien Wirtschaft.
Fast ein Jahr nach der Bürgermeisterwahl in Freiberg wirkt Dirk Schaible ausgeglichen und zugleich erwartungsfroh. Die Ruhepause verläuft fast so, wie er sie sich vorgestellt hat – mit einer kleinen Ausnahme: „Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, die Alpen zu Fuß zu überqueren. Dazu bin ich noch nicht gekommen.“