Discounter plant in Korntal-Münchingen Bauarbeiten für Lidl beginnen wohl im Spätherbst

Von Stefanie Köhler 

Die Stadt Korntal-Münchingen ist bei der Gestaltung des Korntaler Bahnhofsareals einen wesentlichen Schritt weiter: Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan beschlossen. Einen Zeitplan gibt es auch schon.

Ansprechend ist anders: Das Gelände am Korntaler Bahnhof liegt seit Jahren brach. Das scheint sich nun bald zu ändern: Lidl öffnet eine Filiale. Foto: factum/
Ansprechend ist anders: Das Gelände am Korntaler Bahnhof liegt seit Jahren brach. Das scheint sich nun bald zu ändern: Lidl öffnet eine Filiale. Foto: factum/

Korntal-Münchingen - Für die Korntaler Bürger rückt die lang ersehnte Lidl-Filiale am Bahnhof in greifbare Nähe: Der Gemeinderat von Korntal-Münchingen hat den Bebauungsplan für das knapp 13 000 Quadratmeter große, brachliegende Gebiet am Ortseingang beschlossen.

„Bei Bauprojekten kann man Unvorhergesehenes natürlich nie ausschließen. Die Stadtverwaltung hofft aber – und geht aktuell auch davon aus – dass nun nichts mehr schiefgeht“, sagt der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Stefan Wolf. Über den sogenannten Durchführungsvertrag, den Korntal-Münchingen vergangene Woche mit Lidl abgeschlossen habe, sei das Unternehmen als Träger des Vorhabens dazu verpflichtet, dieses umzusetzen. Alle Beteiligten seien „hoch motiviert“, zu bauen, sagt Stefan Wolf.

Wohnungen zu „marktgerechten Preisen“

Die Baugenehmigung ist laut dem Fachbereichsleiter „in Arbeit“. Wann sie erteilt wird, sei aber noch offen. Erst dann werde sich Lidl wieder öffentlich äußern, sagt ein Unternehmenssprecher.

Derweil rechnet die Bietigheimer Wohnbau mit der Baugenehmigung im Juli oder August. „Auf dieser Basis könnte sich ein Baubeginn im Herbst anschließen“, sagt der Geschäftsführer Carsten Schüler. Die Wohnungsbaugesellschaft errichtet im östlichen Bereich des Bahnhofsareals an der Weilimdorfer Straße den Lidl-Markt sowie die drei Gebäude mit insgesamt 33 Wohnungen darüber.

Bei dem „komplexen Bauvorhaben“, so Schüler, sei eine Bauzeit von zwei Jahren realistisch. Die Bewohner könnten also im Herbst 2021 einziehen. „Die Wohnungen werden zu gegebener Zeit zu marktgerechten Preisen zum Verkauf angeboten.“

Bauvorhaben verzögerte sich immer wieder

Im südwestlichen Bereich steht künftig ein Geschäftshaus. Dort – so heißt es jedenfalls bislang – will der örtliche Raumausstatter mit seinem Haupthaus in der Weilimdorfer Straße hinziehen. In den Obergeschossen möchte er dann ein Hotel betreiben. Zu den konkreten Plänen werde er sich später äußern, sagt Joachim Becker unserer Zeitung. Über einen Kreisverkehr an der Kreuzung Weilimdorfer und Charlottenstraße wird das gesamte Gebiet erschlossen.

Manch ein Korntal-Münchinger glaubte nicht mehr daran, dass am Korntaler Bahnhof tatsächlich eine Lidl-Filiale mit Wohnungen entsteht. Im Dezember 2005 hatte das Unternehmen das Gelände der Deutschen Bahn abgekauft – und plante seitdem einen Markt. Doch das Vorhaben verzögerte sich immer wieder.

Der lange Weg bis zum endgültigen Bebauungsplan

„Das Hauptproblem waren der Lärmschutz und die hohen Anforderungen“, sagt der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos). In diesem Bereich musste erheblich nachgebessert werden, insgesamt wurde der Entwurf des Bebauungsplans zwei Mal überarbeitet.

„Auf alle festgestellten, vom Projekt ausgehenden Grenzwertüberschreitungen gemäß Schallgutachten wurde mit geeigneten Maßnahmen reagiert“, sagt Stefan Wolf. Zum Beispiel schützt eine neun Meter hohe transparente Wand auf dem Lidl-Dach die Bewohner vor Lärm von Schiene und Verkehr. Lärmschutzfenster erhalten diejenigen Anwohner, die von sogenannten Schallreflexionen betroffen sind, also von mehr Lärm, weil die neuen Gebäude Schienenlärm zurückwerfen. Auch werden die Anwohner von Lärm durch Lidl – etwa Lieferverkehr – geschützt.

K.-o.-Kriterium Lärmschutz

Dabei stellte sich immer die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Lärmschutz ist teuer. Allein die Kosten für die Glaswand liegen im siebenstelligen Bereich. „Hohe Kosten für Lärmschutz sind für viele Projekte ein K.-o.–Kriterium“, weiß Schüler von der Bietigheimer Wohnbau. Werner König, der Leiter der Abteilung Bauträger und Projektentwicklung, sagt: Unter Berücksichtigung aller Kosten und Einnahmen habe sich das Projekt letztlich als wirtschaftlich erwiesen. „Es steht auf kaufmännisch guten Beinen.“ Mit Lidl schließe man nun die finalen Verträge.

Für die Stadträte endet mit dem Ja zum Bebauungsplan „eine unendliche Geschichte“, wie es Guntram Schrempp (SPD) formuliert. „Korntal wartet auf einen Discounter“, sagt Oliver Nauth (CDU). Er findet den Lärmschutz für die Anwohner „gut gelöst“. Die Freien Wähler sehen dem weiteren Verlauf des Bauprojekts mit „großer Entspannung“ entgegen, meint Wolfgang Anton. „Endlich verschwindet die Industriebrache.“




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