Diskriminierung Wieder gewaltsame Ausschreitungen gegen Roma

Gewalt gegen Roma in Bulgarien. Foto: AP 3 Bilder
Gewalt gegen Roma in Bulgarien. Foto: AP

In Bulgarien schlugen Skinheads zwei Roma zusammen - und auch in Tschechien droht die Lage zu eskalieren. Die Minderheit lebt in ständiger Angst.

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Blageowgrad/Sofia - Nach einer Anti-Roma-Demonstration in Bulgarien ist es erneut zu Gewalt gegen Angehörige dieser Minderheit gekommen. Nach dem friedlichen Protest im südbulgarischen Blagoewgrad überfielen nationalistisch gesinnte Skinheads in der Nacht zum Donnerstag zwei Roma im Stadtzentrum und schlugen sie zusammen. Daraufhin versammelten sich rund 300 Menschen aus dem Roma-Viertel. Die Polizei konnte weitere Zusammenstöße verhindern.

Die ethnischen Auseinandersetzungen waren nach einem Verkehrsunfall am Freitagabend im Süden des Balkanlandes losgebrochen, bei dem ein slawischstämmiger Jugendlicher vorsätzlich getötet worden sein soll. Dafür soll der am Mittwoch festgenommene Roma-Boss "Zar Kiro" (König Kiro) verantwortlich sein. Auch nach dessen Festnahme protestierten Bulgaren slawischer Abstammung in vielen Städten gegen die Roma-Minderheit - auch in der Hauptstadt Sofia. Die extrem nationalistische Ataka-Partei setzte ihre mehrtägige Protestaktion am Präsidentensitz in Sofia auch am Donnerstag fort.

Die Partei, die sowohl im bulgarischen als auch im EU-Parlament vertretenen ist, hatte die Einberufung des Rates für nationale Sicherheit unter Vorsitz von Staatspräsident Georgi Parwanow gefordert. Das Gremium wird nun am Samstag zusammenkommen und sich mit den Auseinandersetzungen befassen. Gleichzeitig soll es in Sofia wieder Anti-Roma-Proteste geben. In dem Balkanland leben mehrere Hunderttausend Roma - mit wenigen Ausnahmen - in bitterer Armut.

Auch in Tschechien Demonstrationen gegen Roma

Inzwischen droht auch in Tschechien die Situation in den von Roma bewohnten Dörfern zu eskalieren. In der deutsch-tschechischen Grenzstadt Varnsdorf zogen bereits mehrfach Protestzüge von mehreren Hundert Einwohnern an den von Roma bewohnten Häusern vorbei. Seit mehr als einem Monat sind die 62 Bewohner der Sozialwohnungen - zwei Drittel davon Kinder - jedes Wochenende mit neuen Anti-Roma-Märschen konfrontiert. Nur 500 Meter weiter entlang der Straße beginnt Deutschland.

Vor dem Gebäude stehen echte Bereitschaftspolizisten in voller Montur. Mehrere Hundertschaften hat die Prager Zentralregierung in die entlegene Region an der Grenze zu Sachsen geschickt - vorerst auf unbestimmte Zeit. Mittlerweile haben sich die Polizisten sogar in einem der Nachbarhäuser eine Wache eingerichtet und per direkter Videoüberwachung ein Auge auf die Roma-Unterkunft.

Auf dem Hauptplatz der Kleinstadt heizt der Organisator der Protestmärsche, Lukas Kohout, auch am vorigen Samstag wieder eine Menge von etwa 350 Unzufriedenen an. Der 28 Jahre alte Kohout gehört zur rechten Szene. In Tschechien erlangte er zweifelhafte Berühmtheit, nachdem er sich als Assistent des Präsidenten der UN-Vollversammlung Jan Kavan ausgegeben hatte. In dieser "Funktion" flog er auf Kosten anderer mit einem Privatjet nach Sri Lanka. Seither ist er vorbestraft. dpa/dapd




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