Radfahrer teilen sich die Fußgängerzone mit Fußgängern. Die Frage ist: Wie lang noch? Die Esslinger CDU-Fraktion schlägt vor, den Radverkehr zu bestimmten Zeiten einzuschränken. Foto: Roberto Bulgrin
Die CDU-Fraktion in Esslingen will Radler nur noch zu bestimmten Zeiten in der Fußgängerzone. Auf Social Media sorgt diese Forderung für viel Diskussionsbedarf.
Eine Forderung der Esslinger CDU-Fraktion erreichte zum wiederholten Mal den Esslinger Gemeinderat: Sperrzeiten in der Fußgängerzone. Zumindest zu bestimmten Zeiten, beispielsweise wenn die Fußgängerzone stark frequentiert ist.
In den sozialen Medien sorgte diese Nachricht für einen regen Meinungsaustausch in den Kommentaren.
Fahrradfahren oder schieben?
„Ist es zu viel verlangt, wenn die Radfahrer absteigen und ihr Gefährt schieben? Eine Fußgängerzone ist kein Radweg“, fragt sich ein Nutzer. Dass das Fahrrad in der Fußgängerzone geschoben werden sollte, darüber sind sich in der Kommentarspalte viele einig. Es sei eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme und ein Zeichen des Respekts, findet eine Kommentatorin.
Mangelnde Rücksichtnahme adressiert die CDU-Fraktion in ihrer Forderung einer Sperrzeit. Die stützt sie darauf, dass Senioren, Kinder, Hundehalter und andere Passanten durch rücksichtslose Radfahrer beeinträchtigt werden würden. Durch die Sperrzeit sollen Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern vermieden werden. Die Fraktion schlägt klare Zeitfenster vor, in denen Fahrradfahrer die Fußgängerzone passieren dürfen. Wann genau, das soll die Stadtverwaltung festlegen.
Doch die Frage, wie rücksichtlos Radfahrende tatsächlich sind, scheidet die Geister. „Es läuft doch im Wesentlichen gut miteinander. Die Rücksichtslosen sind immer rücksichtslos, mit oder ohne Schilder, mit oder ohne Sperrzeiten“, ist sich eine Person auf Instagram sicher. Ein anderer Nutzer drückt hingegen aus, wie überfällig eine Sperrzeit bereits sei: „Ja, das wird mal Zeit oder soll erst jemand sterben?“ Ein Dritter berichtet, er sei in seinem ganzen Leben noch nie von einem Fahrrad angefahren worden.
Mit Schrittgeschwindigkeit dürfen Fahrradfahrende durch die Fußgängerzone fahren. Foto: Roberto Bulgrin
Die Forderung der CDU umfasst neben einer klaren Beschilderung und Kontrollen auch ausreichend angebotene Fahrradstellplätze vor der Fußgängerzone – organisiert von der Stadtverwaltung. Ob ein Verbot für Radfahrende tatsächlich kontrolliert werden würde, darüber sind sich viele Kommentatoren unsicher. Eine Person teilt eine Erfahrung aus Plochingen: „In Plochingen ist das Fahrradfahren immer verboten. Nicht mal wenn Wochenmarkt ist, halten sie sich daran. Kontrolliert wird aber auch nicht.“
Fahrradfahren sei in der Fußgängerzone generell verboten, kommentiert ein weiterer Nutzer. Das gilt laut ADFC allerdings nicht in Esslingen: Hier dürfen zugelassene Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone fahren – dazu zählen auch Fahrräder. Ist eine Fußgängerzone mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“ gekennzeichnet, dürfen Radfahrende sie in Schrittgeschwindigkeit passieren. Nach Angaben des ADFC-Kreisverbands Esslingen ist ein gutes Miteinander von Radfahrern und Fußgängern unter diesen Bedingungen möglich. Unfälle seien eher selten, teilte der Verband auf Nachfrage mit.
Radfahrer sollen raus aus der Fußgängerzone
Ob Fahrräder grundsätzlich in eine Fußgängerzone gehören, ist für viele bereits angesichts des Namens klar: „Es heißt ‚Fußgängerzone’. Richtig? Nicht ‚Radfahrzone’“, kommentiert ein Nutzer. Weiter fragt ein anderer: „Welcher Teil von ‚Fußgängerzone’ wurde eigentlich konkret nicht verstanden?“
Ein Mann hat weitreichendere Vorstellungen und schlägt vor, den Radverkehr gleich grundlegend zu verringern: „Einfach die Pliensaustraße für den Kfz-Verkehr öffnen, links und rechts 90 Zentimeter Bordstein für Fußgänger, eine Auf- und Abfahrt runter zur Maille, die man in einen Parkplatz umgestaltet hat, und das Problem mit Radfahrern in Esslingen löst sich praktisch von selbst“. Dadurch würden Handel, Gastro und das Leben in Esslingen aufblühen, postuliert er. Eine andere Nutzerin schreibt: „Sperrzeiten? ...ganz verbieten eher!“
Für Radfahrende wichtig: Abstellorte und sichere Radwege
Zwischen Schiebevorschlägen und dem Unmut über Fahrräder finden sich in der Kommentarspalte auch Fahrradfahrende, die sich zu den Sperrzeiten äußern. Ein selbsternannter begeisterter Radfahrer schlägt auf Instagram vor, die Fußgängerzone an bestimmten Wochentagen für Fahrräder zu sperren. Dafür brauche es laut ihm allerdings dringend mehr Abstellorte, wie sie auch die CDU wünscht. Eine Nutzerin sieht das ähnlich. Sie berichtet, die Fußgängerzone vor allem an Samstagen zu meiden. Darüber hinaus spricht sie sich für sichere Radwege aus. Bessere Optionen würden Radfahrer sicher gerne nutzen, so der ADFC. Grundsätzlich sollen sich Radfahrer und Fußgänger sicher durch die Stadt bewegen können. Der Verein wünscht sich eine funktionierende Gesamtlösung vom Gemeinderat, „anstatt mit Verboten Symptome zu kurieren“.