Diskussion im Südwesten Ist ein verpflichtender Hundeführerschein sinnvoll?

Von red/dpa/lsw 

Zwang oder Freiwilligkeit? Das ist auch beim Hundeführerschein die Frage. Die Stadt Leimen hat mit einem freiwilligen Angebot wenig erreicht. Die Rathausspitze verlangt ein Umdenken. Doch es gibt deutlichen Widerstand gegen solche Pläne.

Wer den Hundeführerschein macht, muss weniger Hundesteuer bezahlen. Foto: dpa
Wer den Hundeführerschein macht, muss weniger Hundesteuer bezahlen. Foto: dpa

Leimen - Wie sinnvoll ist ein Hundeführerschein? Bei dem Thema gehen die Meinungen weit auseinander: So wünscht sie die Stadt Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) nach einer Hundeattacke auf einen Jugendlichen eine gesetzliche Regelung zur Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins. „Zum Schutz der Menschen würden wir das begrüßen“, sagte Oberbürgermeister Hans Reinwald (CDU). Der Verband für das Deutsche Hundewesen hingegen hält nichts von der Idee. Ein solches Instrument schrecke insbesondere ältere Menschen von der Hundehaltung ab, die sich keiner Prüfung mehr unterziehen wollten. „Die Hundehaltung darf nicht weiter erschwert werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Jörg Bartschera am Dienstag in Dortmund.

In Leimen hatten jüngst zwei nicht angeleinte Hunde, höchstwahrscheinlich Kampfhunde, einen 15-Jährigen vom Rad gezerrt und schwer verletzt. Er musste in einer Spezialklinik behandelt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Für die Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins wäre das Land zuständig, namentlich das Innenministerium.

Vorteile bei der Hundesteuer

Der Leimener Schultes Reinwald empfiehlt schon jetzt Hundebesitzern in seinem Ort, den Führerschein freiwillig zu machen. Obwohl die Kommune bei Vorlage eines Führerscheins eine verringerte Hundesteuer verlangt, sei das Interesse an dem Angebot gering, hieß es im Rathaus. Seit zwei Jahren reduziert sich die Hundesteuer von jährlich 96 Euro für das erste Tier um 24 Euro, wenn die Prüfung bestanden ist. Sie umfasst einen theoretischen Teil sowie einen Praxisteil, in dem das Tier mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert wird.

Verbands-Mann Bartschera sieht vor allem praktische Fragen ungelöst, wenn - wie bereits in Niedersachsen - eine Führerscheinpflicht besteht. Was passiert, wenn man seinen Hund im Urlaub seinen Nachbarn überlässt, die keinen Sachkundenachweis haben? Können Kinder noch mit dem Familienhund Gassi gehen, wenn nur die Eltern den Führerschein haben? Und was geschieht, wenn Herrchen und Frauchen durch die Prüfung fallen? Sinnvoll findet Bartschera dagegen eine Registrierung aller etwa sieben Millionen Hunde in Deutschland. Mittels eines Chips am Hals könnten die Tiere ihrem Halter oder Züchter zugeordnet werden. Das sei bei Verlust des Tieres enorm hilfreich.