Heimat ist ein vielschichtiger Begriff. Am 24. Februar wird in Esslingen unter dem Titel „Ist das noch/schon mein Land?“ darüber diskutiert.

Das Wort „Heimat“ hat in der deutschen Geschichte schon zahlreiche Bedeutungswandel hinter sich – und es ist eines dieser Wörter, die nur unscharf in eine andere Sprache übersetzt werden können. Vielleicht, weil in ihm so viele Bedeutungen mitschwingen – Daheimsein und Geborgenheit, aber auch Nationalismus bis hin zu einem aggressiv ausgrenzenden Rassismus. Der Begriff wird von unterschiedlichen Gruppen teilweise sehr unterschiedlich verwendet.

 

Darüber wird nun gesprochen: In einer Diskussionsrunde im Esslinger Komma am 24. Februar um 19.30 Uhr. Der PEN Berlin, eine 2022 gegründete Schriftstellervereinigung, organisiert die Veranstaltungsreihe „Ist das noch/schon mein Land“. Der Eintritt ist kostenlos.

Diskutiert wird in erster Linie mit dem Publikum sowie Jovana Reisinger und Georg Restle. Georg Restle, geboren 1965 in Esslingen ist Jurist, Journalist und Fernsehmoderator. Von 2010 bis 2012 war er ARD-Korrespondent in Moskau und berichtete seit dem russischen Überfall auf die Ukraine regelmäßig aus Lwiw und Kiew. Er leitet und moderiert das ARD-Politmagazin Monitor. Mit seinem Redaktionsteam wurde er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Georg Restle , Jovana Reisinger und Deniz Yücel diskutieren in Esslingen

Jovana Reisinger, geboren 1989 in München, ist Schriftstellerin (»Spitzenreiterinnen«, »Still halten«), Filmemacherin und bildende Künstlerin. Sie dreht Kurzfilme, die international auf Festivals und in Museen gezeigt werden. Für die Vogue schreibt sie die Kolumne »Bleeding Love« und für die FAZ eine Single-Kolumne. Zuletzt erschien der Essay »Pleasure« (Ullstein, 2024).

Für PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel, der auch in Esslingen sein wird, eine perfekte Gelegenheit, „die Spaltung der Öffentlichkeit zu überwinden. Und das ohne Angst vor der Meinung frei nach Herz und Schnauze.“ Inspiriert wurde der PEN Berlin von Jean Améry, einem österreichischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden. In seinem Essay „Wieviel Heimat braucht der Mensch?“ schrieb er: „Man muss Heimat haben, um sie nicht nötig zu haben.“

Das Plakat zur Veranstaltung. Foto: PEN Berlin

„Heimat ist Sicherheit“: Ängste und ihre gesellschaftliche Bedeutung

Dort findet sich auch die Definition: „Heimat ist Sicherheit.“ Laut Yücel brachte das die Initiatoren zum Thema, „auch aus der Beobachtung heraus, dass viele Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, mit Ängsten zu tun haben: vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor wirtschaftlichem Niedergang. Der Angst, dass es die Kinder mal nicht besser, sondern schlechter haben werden als wir. Der Angst vor unkontrollierter Zuwanderung oder vor der Machtübernahme des Rechtsextremismus.

Dazu kommen internationale Verwerfungen, der Ukraine-Krieg, Trump. Unsere Überlegung war, diese Ängste vor Verlusten, vor dem Verlust von Sicherheit kann man zusammenfassen in dem Begriff Heimat – auch weil das ein positiverer Begriff ist, positiver als Angst.“ Die Autorenvereinigung veranstaltet die Gesprächsreihe in 22 größeren und kleineren Orten in Baden-Württemberg. Anschließend wandert die Veranstaltung im März nach Rheinland-Pfalz, im August und September nach Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.