Gerlingen Die günstige Wohnung soll keine Utopie mehr sein

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Gemeinderatsfraktionen pochen darauf, dass bezahlbarer Wohnraum im Bruhweg II im Blickfeld bleibt.

Wo sich zwischen Bruhweg und Ditzinger Straße noch Äcker befinden, sollen in wenigen Jahren Häuser stehen. Foto: factum/Archiv
Wo sich zwischen Bruhweg und Ditzinger Straße noch Äcker befinden, sollen in wenigen Jahren Häuser stehen. Foto: factum/Archiv

Gerlingen - Es gibt Anträge der Grünen und der SPD im Gemeinderat, und jetzt hat sich dessen Sozialausschuss mit dem Thema befasst: neuer bezahlbarer Wohnraum in Gerlingen. Beide Fraktionen drängen darauf, dass im Baugebiet Bruhweg II Wohnungen entstehen, die sich für ältere Menschen und junge Familien eignen – und die sich auch Menschen mit mittlerem Einkommen leisten können.

Für das Neubaugebiet läuft der Wettbewerb der Stadtplaner und Architekten; im Januar tagt das Preisgericht. Der Gemeinderat gab den Planern ein sogenanntes Eckpunktepapier an die Hand. Darin sind einige Dutzend Vorgaben festgehalten – unter anderem, dass sowohl Geschosswohnungsbau als auch Doppel- und Reihenhäuser vorgesehen werden; es ist an Gebäude zu denken, in denen Wohngemeinschaften ebenso unterkommen können als auch mehrere Generationen unter einem Dach. Eigentumswohnungen sind ebenso vorzusehen wie solche zur Miete, kommunaler oder genossenschaftlicher Wohnungsbau.

Grüne wollen Flächen reservieren

Laut dem Stadtrat Rolf Schneider wollen die Grünen, dass im Neubaugebiet Flächen für Pflegeeinrichtungen vorgesehen werden; über Konzepte und Träger habe man sich noch keine Gedanken gemacht. „Wir sagen auch nicht, die Stadt soll es machen“, so Schneider. Die Fraktion wolle nur, dass in zwei bis drei Jahren „etwas bereitgehalten“ werde. Die SPD hatte im September beantragt, im Bruhweg II „bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit mittlerem Einkommen zu schaffen“. Dafür seien 2017 im städtischen Etat 800 000 Euro bereitzustellen. Die Anträge beider Fraktionen „können wir wunderbar verknüpfen“, so Barbara Günther (SPD). Man müsse den Wettbewerb abwarten; „wir werden aber nicht locker lassen“, sagt Günther.

Auch die anderen Fraktionen stützten die Anträge der Kollegen. So erinnerte Gabriele Badenhausen (CDU) daran, dass die Planer gemäß dem Eckpunktepapier eine Fläche für soziale Einrichtungen vorsehen müssen. Petra Bischoff (Freie Wähler) hofft auf „kreative Eingaben“ der Planer. Ihr Fraktionskollege Gerhard Amos meinte, man könne das Problem durch „demografiefestes Bauen“ entschärfen, mit einem Aufzug pro Haus.

2020 fehlen 76 Pflegeplätze

Zuvor hatten Fachleute für die ältere Generation und die Pflege ihre Erkenntnisse vorgetragen. Loredana Wachter vom Amt für Jugend, Familie und Senioren stellte Daten über die älter werdende Bevölkerung und das Angebot an Pflege vor. Nach dem Kreispflegeplan fehlen im Jahr 2020 in Gerlingen 76 Pflegeplätze.

„Wir planen für uns“, meinte Reinhard Ernst, der Geschäftsführer der Sozialstation – und meinte damit die Fünfziger-Generation. Bis die Häuser fertig seien, über die man jetzt rede, seien es „nicht mehr die anderen“, die dort einziehen. Laut Berit Kuleßa ist das Altenhilfezentrum Breitwiesenhaus voll ausgelastet. Für das Annemarie-Griesinger-Haus, das gerade gebaut wird, sei die Nachfrage nach Mietwohnungen und Plätzen in Wohngemeinschaften schon höher als das Angebot.