Im Gebiet Niederhofen gibt es bereits seit Anfang 2017 eine Anschlussunterbringung. Gemeinderäte befürchten nun eine Erweiterung.

Leonberg - Bedingt empfehlenswert, aber kurzfristig zehn Wohneinheiten möglich – so steht es im Steckbrief. Und dazu der Vermerk: Erweiterung zweiter Bauabschnitt möglich. Es ist genau dieser Vermerk, der einige Gemeinderäte hat hellhörig werden lassen, als es jüngst um die Suche nach weiteren Standorten für den Wohnungsbau in Leonberg ging.

Das Areal, um das es geht, befindet sich in der Riedstraße im Gebiet Niederhofen in Eltingen. 2015 wurde hier ein schöner neuer Spielplatz errichtet, es gibt einen Bolzplatz und eine eingezäunte Wiese, die auch mal als Koppel genutzt wird. Man blickt auf eine Baumreihe, die die Glems einrahmt. Eigentlich sehr idyllisch. Doch 2016 hat eben jenes Areal für hässliche Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und der Stadt Leonberg gesorgt.

Bis zu 90 Menschen haben Platz

Denn im Zuge der steigenden Zahlen an Flüchtlingen, aber auch heimischen Wohnungslosen, wurde hier eine städtische Unterkunft errichtet. Eine so genannte Anschlussunterbringung für Menschen, deren Asylantrag bereits bewilligt wurde oder die eine Duldung erhalten haben. Im Mai 2016 rollten die Bagger an. Zwei Gebäude, die bis zu 90 Menschen Platz bieten, wurden hochgezogen. Die Nähe zum Spielplatz, ein Bau im Überflutungsgebiet der Glems, aber vor allem die Angst vor denen, die dann dort wohnen werden, sorgten für Streit. Könnte das jetzt wieder von vorn losgehen?

Die Drucksache zur Standortsuche lässt so etwas vermuten, finden einige Gemeinderäte. „Die Bebauung der Berliner Straße wurde unter anderem kritisch gesehen, weil die Sorge bestand, einen neuen sozialen Brennpunkt zu schaffen. Nun wollen wir unbesehen durch die Hintertür einen sozialen Brennpunkt im Niederhofen in Eltingen riskieren und konstruieren“, sagte Susanne Kogel (CDU), die sich in diesem Punkt länger zu Wort meldete.

Integrationsaufgaben in Schule und Kita

Die Unterkunft habe sich erfreulicherweise gut integriert. Viele Einrichtungen wie Kitas und Grundschulen in der Gegend verzeichneten aber schon jetzt einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, bisher ohne dass es größere Probleme gäbe. Durch eine weitere Flüchtlingsunterkunft „riskieren wir das Kippen der Situation“, fuhr Kogel fort, die selbst aus diesem Teil Eltingens stammt.

Den Preis bezahle dann nicht nur die Stadt, sondern auch die Bewohner im Niederhofen sowie die Kinder, Erzieher und Lehrer in den Betreuungseinrichtungen. „Wir handeln uns, nur weil das Grundstück in städtischer Hand ist und die Nachbarn den ersten Bau angenommen haben, Probleme für die nächsten Jahrzehnte ein“, befürchtete Kogel und erntete Zustimmung bei einigen Kollegen im Gemeinderat.

Thema ist noch nicht vom Tisch

Ihr sei bewusst, dass die Standortuntersuchungen nur eine „Vorabliste“ sei. „Meine Sorge ist, dass es später heißt: Ihr als Gemeinderat habt das doch abgesegnet“, sagte sie und beantragte, den Standort Riedstraße nicht weiter als Möglichkeit für eine Anschlussunterbringung zu führen. Am Ende begnügte sie sich aber mit einer Zusicherung des Oberbürgermeisters Martin Georg Cohn, dies als Anregung ins weitere Verfahren mitzunehmen.

Vom Tisch ist das Thema damit noch nicht. Denn die Stadt Leonberg wird in naher Zukunft eine weitere Anschlussunterbringung schaffen müssen. Die Stadt hat zwar 2015 und 2016 Unterkünfte in Höfingen und am Kreisel Schweizermühle geschaffen. In Höfingen und im Niederhofen leben vor allem Menschen in der Anschlussunterbringung. In den Containeranlagen an der Schweizermühle sowie in der Rutesheimer Straße vor allem heimische Wohnungslose.

Unterkünfte fallen weg

Doch mit der Bebauung des Postareals und der Umsetzung des Brückenschlags fallen dort eine ganze Reihe an städtischen Wohnungen weg. Zudem steht das frühere Hotel Online im Ramtel nur noch bis Ende 2020 zur Verfügung. Dort sind derzeit 36 Menschen untergebracht, hauptsächlich alleinstehende Erwachsene.

Wohnraum auf dem freien Markt ist für uns kaum noch zu bekommen“, sagte der Erste Bürgermeister Ulrich Vonder­heid dazu. So bietet die Stadt seit 2016 an, mit privaten Vermietern Verträge zu schließen und die Wohnungen dann an Flüchtlingen oder Obdachlose weiterzugeben. Die Situation sei nach wie vor angespannt und „gleichbleibend unbefriedigend“. Es gebe kaum Fluktuation in den städtischen Unterkünften, da nicht genügend bezahlbarer Wohnraum vorhanden sei. 637 Menschen lebten im Frühjahr in städtischen Unterkünften, davon 224 heimische Wohnungslose und 413 in der Anschlussunterbringung. Darunter waren insgesamt 219 Kinder.

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