Diskussion in Schorndorf Fahrradfreundliche Stadt erwünscht

Gunhild Veil-Panni schiebt ihr Rad durch eine Verbotszone. Foto: Stoppel
Gunhild Veil-Panni schiebt ihr Rad durch eine Verbotszone. Foto: Stoppel

In Schorndorf geht die Verbesserung der Radwegssituation nur schleppend voran – das Rathaus lässt stattdessen Verbotsschilder auf den Pflasterbelag pinseln.

Rems-Murr: Oliver Hillinger (hll)
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Schorndorf - Das Wetter wird wärmer und lädt zum Radfahren ein, doch der Fachbereich Ordnung in Schorndorf hat in den vergangenen Tagen mit einer Aktion unter Pedaleuren Verwunderung ausgelöst. An einigen Abfahrten zu Unterführungen ließ die Behörde Verbotschilder auf den Pflasterbelag aufmalen mit der Botschaft: Radeln ist hier nicht erwünscht.

Es habe Beschwerden gegeben, dass Radfahrer sich nicht an das Absteigegebot hielten, erläutert die Stadtverwaltung die Maßnahme, die mit der örtlichen Radverkehrslobby nicht abgesprochen war. Das sei nicht nötig gewesen, die Rechtslage ­habe sich damit ja nicht geändert, heißt es.

Barrieren an den Bahngleisen

Seit Jahren versucht eine Gruppe der Lokalen Agenda, in der Daimlerstadt bessere Bedingungen für Radler zu schaffen, denn das Radwegenetz sei nach wie vor ­lückenhaft, sagen deren Aktive. Immer wieder sei ein Radweg unterbrochen, zu schmal oder gar mit Barrieren verstellt – zum Schutze des motorisierten Verkehrs. In Schorndorf gilt das seit Jahrzehnten ­etwa für die Querung der Bahngleise, deren Unterführungen Engstellen für Radler sind. Etliche Radwege sind zudem sehr schmal geraten, sie verlaufen teils auf einer halben Gehsteigbreite. Um dies zu ändern, hat die Gruppe auf Vorschlag des Grünen-Stadtrats Wilhelm Pesch im vergangenen Herbst zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen – sie stellte sechs Bürgeranträge für den Haushalt.

Am Donnerstag waren die Agenda-Aktiven im Rathaus, um die Anträge durchzusprechen – sie hatten den Verkehrsplaner Christoph Link mitgenommen, um die Sache fachlich zu untermauern. Gunhild Veil-Panni von der Lokalen Agenda lobt „die konstruktive Gesprächsatmosphäre“, in der man sich mit den Amtsleitern über die Pläne gebeugt habe. Man habe sich verstanden gefühlt, sagt Veil-Panni, der städtische Chefplaner Manfred Baier habe gesagt, es sei ihm „eine Herzensangelegenheit“, dass die Unter­führung zwischen dem Bahnhofplatz und dem Breuninger-Areal verbessert werde – sie ist eine der wichtigsten Bahnlinien­querungen in die Stadt.

Konkrete Zusagen gab es laut den Agenda-Aktiven aber nur für zwei Punkte. Vor der zukünftigen Forscherfabrik, der ehemaligen Galerie für Technik, soll eine Radfahr-Furt an einer bisher gefährlichen Straßenquerung eingerichtet werden. Auf offene Ohren sei auch gestoßen, die Radwegeführung in der Johann-Philipp-Palm-Straße zu verändern. Radler und Autofahrer sollen sich dort künftig die Fahrbahn teilen, der verbreiterte Gehweg bliebe allein den Fußgängern überlassen. Es sei allerdings nicht sicher, ob dies rechtzeitig bis zur Remstalgartenschau 2019 oder erst im Jahr danach zu schaffen sei, so Manfred Beier.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sprach Beier von „vielen interessanten Ansätzen“, die man nun „eingehend prüfen“ müsse. Nach der Sommerpause wolle die Stadtverwaltung dem Gemeinderat Bericht erstatten. Zuvor sind erst einmal andere Themen an der Reihe. Bei einer Sondersitzung am 1. Juli soll der Gemeinderat die Gartenschauprojekte festzurren, ebenfalls im Juli soll über das neue Verkehrskonzept abgestimmt werden – jenes für die Autos.

Da an vielen Stellen in Schorndorf keine schnelle Änderung zu erwarten ist, rät der Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch Radlern deshalb, „selbstbewusst“ aufzutreten. Sie sollten direkt im motorisierten Verkehr fahren und eine Warnweste tragen. Diese Mischung in Kombination mit Tempo 30 sei ohnehin der moderne Stand einer ­Verkehrskonzeption für die Innenstadt.




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