Diskussion um Ausbau der Spitalschule in Leonberg Tendenz: Der Theatersaal soll bleiben

Der Theatersaal der Spitalschule: Der Raum ist gut ausgestattet und wichtig für die Kultur in der Stadt. Foto: /Simon Granville

Schülerzahlen steigen, es braucht eine Mensa und Betreuungsräume. Die Suche nach Lösungen im Fall der Spitalschule könnte auch Folgen für die Kulturlandschaft der Stadt haben. Am Dienstag entscheidet der Gemeinderat.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Eine Tendenz ist erkennbar. Geht es nach den meisten Stadträten im Leonberger Sozial- und Kultusausschuss, soll der Theatersaal in der Spitalschule genau das bleiben, was er ist – und damit nicht zur Schulmensa umgebaut werden. Anfang Juli war zum ersten Mal durchgeklungen, dass die Stadtverwaltung mit einem solchen Gedanken spielt. Denn ab dem Schuljahr 2026/2027 hat jedes Kind von der ersten bis zur vierten Klasse in der Grundschule einen Anspruch auf ganztägige Förderung in einer Tageseinrichtung. So wird es also auch in der Spitalschule Änderungen geben müssen. Die Kommune prüft, wie sie zur Ganztagsschule umgebaut werden kann.

 

Die bisherigen Varianten

Die Stadtverwaltung hat den Räten zwei Alternativen präsentiert. Variante eins sieht den Neubau eines zweistöckigen Gebäudes auf dem an die Schule angrenzenden Grundstück des ehemaligen Kindergartens Zwergenburg vor. Eine Mensa soll ins Erdgeschoss, Betreuungsräume sollen ins Obergeschoss. Geschätzte Kosten: etwa 9,8 Millionen Euro. In der zweiten Variante soll der Theatersaal im ersten Untergeschoss der Schule zum Speisesaal und der nebenliegende Musiksaal zur Küche werden.

Das Foyer im Erdgeschoss soll als Betreuungsraum genutzt werden. Kosten für den Umbau: rund 1,5 Millionen Euro. Sollte diese Variante umgesetzt werden, kommt für das Theater die sanierungsbedürftige alte Schuhfabrik in der Eltinger Straße in Betracht. Sie soll zu einer „Kulturfabrik“ mit Theatersaal umgebaut werden. Geschätzte Kosten dafür: um die 7,3 Millionen Euro, allerdings noch ohne Statikprüfung und Brandschutz.

Die Stimmen

„Es ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, beides ist schlimm“, umschrieb Sebastian Werbke (Grüne) die beiden Vorschläge. Mit Variante zwei versetze man dem lokalen Kulturleben in Leonberg den Todesstoß. Bei Variante eins sei kaum akzeptabel, dass „mal wieder Landschaft versiegelt“ werde. „Pest und einen leichten Schnupfen“ vermochte indes Frank Albrecht (SALZ) erkannt zu haben. „Die Idee mit der Zwergenburg hat ja fast schon Hand und Fuß. Aber die Kulturfabrik klappt im Leben nicht“, merkte er an.

Andreas Wierse (CDU) erschien der Umbau des Theatersaals „verlockend aufgrund der Kosten“. Aber vor den Aspekten, die man sich damit einfange, schreckte auch er zurück: Theater- und Musikgruppen, die in die Stadt- oder Steinturnhalle ausweichen müssen? Oder die gar zeitweise überhaupt keine Ersatzspielstätte haben? Das gehe nicht.

Georg Pfeiffer (Freie Wähler) machte es kurz: „Wir sind mit beiden Optionen nicht ganz glücklich – wobei Variante zwei gar nicht in Frage kommt.“ Ähnlich sah es auch Dieter Maurmaier (FDP): „Bei Variante zwei sind so viele Fragen offen.“

Einzig Christiane Hug-von Lieven (SPD) sprach sich im Namen der Mehrheit ihrer Fraktion für den Umbau des Theatersaals aus. „Es geht ohne Bebauungsplan und ist vom zeitlichen Ablauf einfacher.“ Natürlich stelle sich aber weiter die Frage, wo Ausweichmöglichkeiten sein könnten.

Die Ausweichmöglichkeiten

Immer wieder wurde die Stadthalle genannt. Nur wird diese in absehbarer Zeit ebenfalls saniert werden müssen. Und die Steinturnhalle? „Dort herrscht ein Klima, bei dem sich zum Beispiel Instrumente verstimmen“, merkte der Kulturamtsleiter Stefan Streib an, im Wissen, dass auch zahlreiche Gruppen der Musikschule Räume benötigen. Auch von der Stadthalle als Ausweichquartier hält er nur wenig. „Das Theater im Spitalhof hat Tradition, es ist eine prämierte Spielstätte mit guter Akustik“, sagte er über den 204 Zuschauer fassenden Saal – der zudem über Künstlergarderoben und -duschen verfügt.

Die weiteren Ideen

Zwei weitere Varianten wurden ins Gespräch gebracht. Georg Pfeiffer schlug vor, vielleicht einen Teil des Schulhofes miteinzubeziehen. Allerdings dürfte das in Sachen Statik fragwürdig sein, da es sich dabei um das Dach der darunterliegenden Turnhalle handelt. Fabian Strecker (Grüne) brachte einen Stelzenbau ins Spiel und fragte, ob das wohl technisch machbar sei.

Wie geht es weiter?

Abgestimmt wurde im Ausschuss nicht, obwohl das ursprünglich der Plan war. An diesem Dienstag wandert das Thema somit ohne klare Empfehlung in den Gemeinderat. Allerdings: Ein relativ klares Stimmungsbild ist vorhanden. Es lautet pro Theatersaal.

Schülerzahlen und Schuhfabrik

Schülerzahlen
Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an der Spitalschule steigt von aktuell 278 (Schuljahr 2022/2023) auf 390 im Schuljahr 2028/2029. Somit wird eine durchgängig vierzügige Grundschule erwartet.

Schuhfabrik
Der erste Teil des Gebäudes wurde bereits im Jahr 1821 errichtet. Ab 1898 folgte der Bau des ursprünglich zweigeschossigen Fabrikgebäudes, 1910 wurde es

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leonberg Theater Gemeinderat Stadthalle