Diskussion um Begrünung des Marktplatzes Marktbeschicker: Bäume ja – aber wie?

Von Julika Wolf 

Zur Verbesserung des Stadtklimas will OB Kuhn viele Bäume pflanzen. Zurzeit wird geprüft, ob auch der Marktplatz so begrünt werden soll. Viele Händler auf dem Wochenmarkt sind prinzipiell für Bäume, sorgen sich aber um den Platz, der verloren geht.

Gisela Supper  hält die Begrünung prinzipiell für eine gute Idee (links). Für den Wochenmarkt könnte das aber weniger Platz bedeuten. Foto:   4 Bilder
Gisela Supper hält die Begrünung prinzipiell für eine gute Idee (links). Für den Wochenmarkt könnte das aber weniger Platz bedeuten. Foto:  

Stuttgart - Zuerst waren bei der Umgestaltung des Marktplatzes keine zusätzlichen Bäume im Gespräch. Und das, obwohl Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sich dafür ausgesprochen hat, an den Hotspots der Stadt mehr Bäume und Sträucher zu pflanzen, um das Stadtklima zu verbessern. Im Sommerinterview mit unserer Zeitung hat Kuhn nun angegeben, die Stadt prüfe die Option der Bäume auf dem Marktplatz doch.

Prinzipiell eine viel gelobte Idee. Negative Folgen hätte das aber etwa für die Beschicker des Wochenmarkts, der dreimal pro Woche auf dem Marktplatz stattfindet. Ihnen würde mit der Begrünung des Platzes einiges an Fläche weggenommen. Was halten sie also von der Idee?

Ingrid Meder vom Demeter-Stand hat sich mit dem Thema bereits befasst und hat eine Antwort gleich parat. „Im Prinzip finde ich Bäume auf dem Marktplatz gut, das belebt so einen Platz“, sagt sie. Sie plädiert sogar für ein Café, das die Leute zum Verweilen einlädt. Doch für die Marktbeschicker würden die Bäume ein Hindernis darstellen – vor allem, wenn es keinen Platz für die Fahrzeuge gibt, mit denen sie ihre Waren auf den Marktplatz bringen können.

Es fehlt an Sicherheit darüber, wie es weitergeht

Ähnlich sieht das Jochen Latzko vom Hagebutten- und Imkereierzeuger Lieber-Latzko. „Man muss ein Konzept finden, mit dem die Leute ihre Fahrzeuge noch unterbringen können“, sagt er. Es fehle an Sicherheit darüber, wie es weitergeht – das stimme schon ein wenig nachdenklich. Außerdem müsse man nicht nur den Wochenmarkt berücksichtigen, sondern auch Feste wie das Weindorf, das ebenfalls auf dem Marktplatz stattfindet. Und er bringt noch ein weiteres Argument ein: „Die Bäume leiden ja vielleicht auch. Die, die jetzt schon auf dem Marktplatz stehen, brauchen unglaublich viel Wasser.“ Trotzdem sei die Begrünung prinzipiell toll – er genießt es sehr, dass sein Stand im Schatten der Bäume steht.

Gisela Supper ist für mehr Bäume. Die Verkäuferin beim Stand der Gärtnerei Peter Schwarzkopf findet auch, es gehöre eine Art Café-Lounge auf den Marktplatz. „In anderen, kleineren Städten zieht das auch die Leute in die Stadtmitte“, sagt sie. Dass das die Marktbeschicker in eine schwierige Situation bringen könnte, sei aber sehr wahrscheinlich. „Vielleicht könnte man den Markt ja auch anders aufstellen“, schlägt Dominique Haenschen vor. Die regelmäßige Besucherin des Wochenmarktes steht gerade vor dem Stand und kauft Blumen. Sie hat sich offensichtlich schon Gedanken zum Thema gemacht. Zumindest unter der Woche sei für eine andere Aufstellung der Stände durchaus Platz, sagt sie. An den Samstagen sehe es da schon schwieriger aus.

„Dem Klima tut’s gut“

Auch Daniel Hoffmeier hat seine Probleme mit den Bäumen auf dem Marktplatz. „Das Pro ist: Dem Klima tut’s gut. Zumindest dem kleinen Klima. Die Welt werden wir damit nicht retten“, gibt der Inhaber des Obst- und Schnittrosenverkaufs zu. Andererseits habe ein freier Platz auch einen Wert – zum Beispiel als Standort für den Weihnachtsmarkt oder das Weindorf. „Ich persönlich find’s nicht gut“, schlussfolgert er. Es gehe zu viel Platz verloren. Das sei übrigens nicht nur bei den eventuell angedachten Bäumen so, sondern auch beim fest eingeplanten Wasserfontänenfeld.

Die Marktbeschicker sehen eine Begrünung also wie erwartet kritisch. Trotzdem zeigen sich einige hin- und hergerissen. Bäume und Sträucher in der Innenstadt halten viele von ihnen eben für einen essenziellen Schritt in Richtung Klimaschutz. Was das allerdings für den Markt bedeutet, steht noch in den Sternen.

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