Diskussion um das Mineralbäder-Areal Berg braucht vor allem ein Verkehrskonzept

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Bei einem Informationsabend zum Mineralbäder-Areal mündet jede Diskussion in die ungelösten Zu- und Abfahrtsprobleme in dem kleinen Stadtteil.

Für das Areal zwi Foto: Manfred Storck
Für das Areal zwi Foto: Manfred Storck

S-Ost - Mehr als 100 Menschen sind am vergangenen Montag zum Informations- und Ausspracheabend über das Mineralbäder-Areal allgemein und speziell den Schwanenplatz gekommen. In der dreistündigen Veranstaltung wurde ein Bebauungskonzept eines Investors für den Platz vorgestellt, außerdem präsentierte der Verein Berger Bürger die Ergebnisse einer Umfrage unter den Einwohnern. Thomas Herrmann von der Architektenkammer stellte die Lage des Stadtteils in einen Gesamtzusammenhang mit dem gegenüber liegenden Neckarpark und den umliegenden Parks. Die drei eingeladenen Architekturbüros haben jetzt vier Wochen Zeit, eigene Vorschläge für eine Gestaltung des Schwanenplatz-Geländes auszuarbeiten.

Ziel: Acht Millionen Euro Erlös

Der Stadtteil Berg gehört zum Stadtbezirk Stuttgart-Ost, hat gut 2500 Einwohner und liegt zwischen Neckar, Unterem Schlossgarten und dem Rosensteinpark. Von Berg führt ein Steg hinüber zum Cannstatter Wasen, außerdem liegen in Berg gleich zwei beliebte Mineralbäder, das traditionsreiche Mineralbad Berg und das eher auf Familien ausgerichtete Leuze. Vor einigen Jahren kaufte die Landeshauptstadt für alles in allem deutlich mehr als acht Millionen Euro die Anteile des einst privat geführten Mineralbads Berg und damit auch die zugehörigen Grundstücke am Schwanenplatz. Jetzt will die Stadt das bisher zum Teil als öffentlicher Parkplatz genutzte Areal direkt beim Bad verkaufen und erklärtermaßen acht Millionen Euro daraus erlösen.

Das große Problem im Stadtteil Berg ist, dass die Mineralbäder mit dem Auto vergleichsweise umständlich und mitten durch den Ort erreichbar sind. Das führt vor allem an warmen Sommertagen zu langen Autoschlangen und zugeparkten Straßen. Der Steg zum Wasen sorgt ebenfalls für Verkehr. Wenn Frühlings- oder Volksfest ist, parken Festbesucher zum Leidwesen der Einwohner ebenfalls gerne und kostenlos in Berg und laufen den kurzen Weg über den Neckar. Durch eine Bebauung von Teilen des Schwanenplatzes befürchten die Einwohner noch mehr Autos im Stadtteil. Ein umfassendes Verkehrskonzept für Berg gibt es bisher nicht.

Hotel mit 100 Zimmern

Ende vergangenen Jahres war die Stadt kurz davor, das Areal an die Investoren Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau (GWG) in Stuttgart und die Bietigheimer Wohnbau zu verkaufen. Entsprechende Beschlussvorlagen kursierten bereits. Im letzten Moment wurde die jetzt begonnene Bürgerbeteiligung vorgeschaltet.

Das Konzept der Investoren sieht eine durchlässige Blockrandbebauung mit einer Kindertagesstätte, einem Ärztehaus und einem Hotel mit 100 Zimmern inklusive Wellnessbereich vor. Im Innenbereich sind 80 Eigentumswohnungen vorgesehen. Ein Parkdeck mit 150 Stellplätzen soll für Bewohner und Nutzer ausreichen.

Bausünde: das Leuze-Parkhaus

Die Ergebnisse der Umfrage des Vereins Berger Bürger sind von diesem Konzept nicht weit entfernt. Auf den zurück geschickten Fragebögen wurde vor allem eine bessere Infrastruktur zum Beispiel durch eine Ärztehaus gewünscht, auch ein Hotel wurde relativ häufig genannt. Wohnungen können sich dort ebenfalls viele Berger vorstellen, allerdings in kleinteiliger Bebauung, nicht als Gebäudeblocks. Ein großer Wunsch der Einwohner von Berg ist eine Überdeckelung der Bundesstraße und ein besserer Zugang zum Neckar. Das ist auch ein Ziel des Architekten Thomas Herrmann von der Kammergruppe Stuttgart-Ost. Außerdem schlägt er, der das Leuze-Parkhaus als Bausünde ansieht, eine Direktanbindung der Mineralbäder und damit des Stadtteils vom Leuze-Tunnel her vor, was auf große Zustimmung stieß.

Nach den Referaten schrieben die mehr als 100 Anwesenden am Montagabend ihre Vorschläge und Wünsche auf mehr als 200 Karteikarten. Diese werden jetzt ausgewertet und den drei Architekturbüros Trojan und Trojan (Darmstadt), Schirmer (Würzburg) und Aufmkolk (Nürnberg) zur Verfügung gestellt. Die Büros werden ihre Vorschläge am 27. Februar in Berg vorstellen.




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