Diskussion um Umweltspur Wie geht es weiter auf Esslingens Staumeile?

Von Johannes M. Fischer 

Esslingens Dauerbaustellen verursachen Dauerstau. Ist es da sinnvoll, eine Umweltspur einzurichten? Die Entscheidung dazu liegt auf der Zielgerade.

Spiegelbild in der Kiesstraße. Wie geht es weiter mit den Staus? Foto: /Horst Rudel
Spiegelbild in der Kiesstraße. Wie geht es weiter mit den Staus? Foto: /Horst Rudel

Esslingen - Die Freien Wähler im Esslinger Gemeinderat wollen bei einem der wichtigsten Verkehrsprojekte im Landkreis den Entscheidungsdruck verringern. Auf der viel befahrenen Kiesstraße – einem Teil des Altstadtrings – möchte die Stadtverwaltung im kommenden Jahr eine Umweltspur unter anderem für Busse und Taxis einrichten. Da es aber den Freien Wählern zufolge noch zu viele offene Fragen gibt und auch Gutachten ausstehen, verlangen die Gemeinderäte, den Beschluss bis zum Mai 2021 zu verschieben. Begründung: „Der Beschluss zur versuchsweisen Einrichtung der Rad-Bus-Spur ist nicht zeitkritisch.“ Im Mai sei „immer noch ein ausreichender Vorlauf vor Ende der Straßensperrung Geiselbachstraße möglich.“

Die Vollsperrung in der Geiselbachstraße ist der Grund, warum die Verwaltung davon abrückte, die Umweltspur sofort einzurichten. Ursprünglich wollte sie das, doch im Gemeinderat quer durch mehrere Fraktionen gab es erheblichen Widerstand. Die Kiesstraße ist zu bestimmten Verkehrszeiten auch eine Stau-Straße, was unter anderem mit der Langzeit-Baustelle in der Geiselbachstraße zu tun hat. Ein großer Teil des Verkehrs läuft aufgrund der dortigen Straßensperrung über die besagte Kiesstraße. Gleichzeitig gehört die Kiesstraße zu jenen Verkehrswegen, die für Fahrradfahrer schwierig zu befahren ist.

Zu schnell geplant?

Für die Freien Wähler, aber auch für Mitglieder anderer Fraktionen, hatte die Verwaltung voreilig die versuchsweise Einrichtung der Umweltspur auf dieser zentralen Straße geplant. Das Thema ist aus Sicht von Hermann Falch, der für die Freien Wähler im Mobilitätsausschuss sitzt, noch nicht zu Ende gedacht. „Erst prüfen, dann beschließen“, bringt er die Bedenken der Wählervereinigung auf den Punkt. Abwarten möchte er auch die Ergebnisse externer Untersuchungen, die sich mit dem gesamten Ringverkehr beschäftigen. Zudem hatten die Freien Wähler eine Untersuchung zu alternativen Radwegen beantragt. Erst die Ergebnisse würden einen „fundierten Beschluss“ möglich machen „und nicht nur einen Schnellschuss“. Der Mobilitätsausschuss tagte dazu am Mittwochabend, ein Ergebnis lag zum Andruck der Zeitung aber noch nicht vor.

Auch Hindenburgstraße im Fokus

Zurück geht die Idee von der Umweltspur auf einen gemeinsamen Antrag der SPD und der Linken. Das ist inzwischen ein dreiviertel Jahr her. CDU und FDP halten insgesamt wenig von einer ein- oder beidseitigen Umweltspur in der nächsten Zeit. Für den CDU-Vorsitzenden und Stadtrat Tim Hauser ist das Vorhaben „pendlerfeindlich und hat mit Umweltschutz nichts zu tun“. Dennoch legte auch die CDU einen Alternativvorschlag vor: Die Kiesstraße könne zeitweise – außerhalb der Stauzeit – zur Fahrradspur werden.

Verkehrstechnisch stehen noch weitere Entscheidungen an, die die Stadt demnächst treffen muss. In einem Antrag der Freien Wähler wird eine Parallelroute durch kleinere Straßen vorgeschlagen, in der auch die Fahrradstraße Hindenburgstraße eine Rolle spielt. Wo es weiteren Gesprächsbedarf gibt: Geplant wird von der Verwaltung an der Kreuzung Hindenburgstraße/Olgastraße eine sogenannte Dialogsperre, die ein durchgängiges Befahren der Hindenburgstraße für Autofahrer verhindert. Die Freien Wähler halten das für falsch. Sie sähen die Sperre lieber an anderer Stelle, weil die Olgastraße eine wichtige Verbindung für Gewerbetreibende sei.




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