Disput in Heimsheim Solarpark auf Waldflächen an A8? „Wald abholzen sollte die letzte Lösung sein“

, aktualisiert am 18.12.2025 - 08:56 Uhr
Beidseitig der Autobahn bei Heimsheim gibt es viele Waldflächen. Foto: Simon Granville

Heimsheim prüft den Bau von großen Solaranlagen und hat dabei bewaldete Flächen an der Autobahn A8 im Visier. Das Forstamt stellt sich jedoch quer – und auch sonst gibt es Gegenwind.

Die Stadt Heimsheim bleibt dabei: Sie will das Interesse von möglichen Investoren für eine großflächige Fotovoltaik-Anlage auf ihrer Gemarkung abfragen. Diesen Beschluss hat der Gemeinderat jetzt bei zwei Enthaltungen noch einmal bestätigt. Dabei denkt die Kommune an drei Freiflächen auf beiden Seiten der Autobahn A 8, für die jetzt nach Investoren Ausschau gehalten wird.

 

Der Haken an der Sache: Die Forstbehörde spielt nicht mit. Denn die Gebiete im Besitz der Stadt sind kein Brachland, sondern weitgehend bewaldet. Als Pluspunkt kann Heimsheim aber die Lage der Flächen innerhalb eines 200-Meter-Korridors entlang der Autobahn in die Waagschale werfen. Dort dürfen Solaranlagen laut Baugesetzbuch privilegiert errichtet werden, ohne dass ein Bebauungsplan nötig wäre. Zusätzlich bewertet das Erneuerbare-Energien-Gesetzwegen des „überragenden öffentlichen Interesses“ den Ausbau solcher Anlagen positiv.

Stromversorgung mit Solarenergie: Die Dächer in Heimsheim reichen nicht

24 Gigawatt Strom werden derzeit in Heimsheim pro Jahr verbraucht. In der Zukunft wird mit einem weiter steigenden Bedarf gerechnet. Um die Abhängigkeit von externen Energielieferanten zu verringern, hält die Stadt weitere Fotovoltaik-Anlagen für nötig. Weil dafür die Potenziale auf den Dächern nicht ausreichen, rücken nun Freiflächen-Anlagen in den Blick.

Schon im April hatte der Gemeinderat die Suche nach möglichen Investoren beschlossen. Doch das störte Vertreter des Forstamtes des Enzkreises und der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg bei einem Termin vor Ort wenig. Sie lehnen die Nutzung der Waldflächen ab. Andernfalls werde ein Präzedenzfall geschaffen.

Westlich der Autobahn liegt das Gewerbegebiet Egelsee. Foto: Simon Granville

Stephan Wilforth vom Beratungsbüro „tetraeder“ hatte jetzt den Auftrag von der Stadt, diesen Interessenkonflikt einzuschätzen. Seine Kernaussage lautet: Es gibt keine harten Ausschlusskriterien für Fotovoltaik-Anlagen auf den kommunalen Flächen an der Autobahn, aber es gibt relevante Abwägungskriterien, vor allem den dortigen Wald.

Ein drei Hektar großes Gebiet nordwestlich des Gewerbegebiets Egelsee sei ehemaliges Grünland, zeige eine junge Aufforstung und habe eine „geringe ökologische Vorprägung als klassischer Wald“. Auf einer vier Hektar großen Fläche zwischen Gewerbegebiet und Autobahn sei eine forstwirtschaftliche Nutzung durch die stark vorbelastete Lage, wenn überhaupt nur eingeschränkt möglich.

Das größte Konfliktpotenzial sieht der Berater für ein elf Hektar großes Waldgebiet nordöstlich des Gewerbegebiets und der Autobahn. Doch auch hier gebe es eine Vorbelastung durch die Autobahn und das angrenzende Gewerbegebiet. In seinem Fazit sieht Stephan Wilforth den Wald und die Gehölze als zentrales Diskussionsthema. Letztlich hänge eine Genehmigung von der Qualität des gesamten Vorhabens ab.

Im Heimsheimer Gemeinderat gingen die Meinungen auseinander: Eugen Gommel (Unabhängige Wählervereinigung) sprach sich, wie andere Gemeinderäte auch, gegen das Abholzen von Wald aus und meinte, es gebe noch viele innerörtliche Potenzialflächen. Er schlug eine Überdachung der Römerstraße samt den dortigen Parkplätzen im Gewerbegebiet Egelsee vor.

Was will man eigentlich in Heimsheim – Fotovoltaik oder Windkraft?

Walter Müller von den Freien Wählern ergänzte dies durch die Überdachung großer Parkflächen bei der Stadthalle oder den Supermärkten. „Wald abholzen sollte die letzte Lösung sein“, sagte er. Man solle erst einmal diskutieren, was man wolle; Fotovoltaik oder Windkraft, meinte Ulrich Meeh (Unabhängige Wählervereinigung).

„Meine Haltung ist, das eine tun und das andere nicht ausschließen“, entgegnete Bürgermeister Jürgen Troll. Mit dem Verfahren könne man prüfen, welche Investoren sich das angesichts der Einwände der Forstbehörde überhaupt zutrauen, so Troll. Auch Gaby Wulff (Bürger für Heimsheim) plädierte für das Verfahren. „Ich kann nur Abwägungen treffen, wenn ich alle Fakten auf dem Tisch habe.“ Sie sei grundsätzlich gegen Waldeingriffe. „Bei der Windkraft wären die noch schlimmer.“ Die Stadt hat im Sommer gemeinsam mit der Nachbarkommune Weissach beschlossen, auch für Windkraftanlagen mögliche Investoren in den Blick zu nehmen.

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