Ditzingen Die ganz großen Marken bleiben fern

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Ein geplantes Einkaufszentrum hat einen schweren Stand zwischen Stuttgart, Leonberg und Ludwigsburg. Dennoch entsteht auf dem Bahnhofsareal ein Shopping-Center auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)
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Ditzingen - Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer im südlichen Landkreis Ludwigsburg wohnt, kann sich überlegen, in welches Einkaufszentrum er geht, um sich Kleidung zu holen. Sowohl das Leo-Center in Leonberg, das Breuningerland in Ludwigsburg und die Landeshauptstadt sind schnell erreichbar.

Auch die Ditzinger haben diese Wahl, künftig könnten sie aber im Ort bleiben. Denn auf dem Bahnhofsareal entsteht ein Shoppingcenter. Takko Fashion, Deichmann und Lidl, zudem die Drogerie Müller und die Bäckerei Sehne werden einziehen. Der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt des Millionenprojekts ist am Freitag gewesen. Auf dem gut 8000 Quadratmeter großen Areal entsteht in einem ersten Abschnitt ein Nahversorgungszentrum samt Parkplätzen.

Der Investor und gleichzeitig Bauherr ist die Allgäuer Immobilien Holding (AIH). Die Gesamtkosten werden auf 15 Millionen Euro geschätzt. Vor dem Bau „mussten die Hauptmieter stehen“, sagt Hans Lipp vom Projektentwickler, der Unternehmensgruppe Geiger, über das wirtschaftliche Risiko, dort zu bauen. Interessenten habe es bereits lange gegeben. Schließlich sei die „Kaufkraftbindung in Ditzingen unterdurchschnittlich“. Die Ditzinger kaufen gerne auswärts ein: 70 Prozent der Kaufkraft fließen ab. Das soll sich mit dem Bahnhofsumbau ändern.

Ditzingen weit zurück im Vergleich

Laut einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart aus dem Jahr 2013 rangiert Ditzingen im Vergleich mit anderen Kommunen am unteren Ende der Tabelle. Wenngleich der Oberbürgermeister Michael Makurath die konkreten Ergebnisse der Studie bezweifelt, pflichtet er ihrer Kernaussage bei: Kleinere Standorte haben es demnach schwer, sich zu behaupten.

Das hat offenbar auch die Suche nach den Mietern im neuen Einkaufszentrum gezeigt. Obwohl die Verwaltung das Areal als städtebauliches Filetstück preist, werden Bekleidungshäuser wie C&A sowie H&M auch weiterhin nicht in der Großen Kreisstadt präsent sein. Denn wer schon im Leo-Center beziehungsweise im Breuningerland präsent sei, oder wie das Modeunternehmen S. Oliver gar in beiden, hat laut Hans Lipp gar kein Interesse daran, sich die eigenen Kunden durch eine weitere – zwischen den beiden Standorten gelegenen – Filiale abzujagen. Deren Einzugsbereich soll nicht verkleinert werden.

Das Verfahren habe sich „im Jahr 2014 hingezogen“, sagt Lipp. Der Baubeginn war ursprünglich für Ende des vorigen Jahres vorgesehen. Die Verzögerung habe allerdings nicht am Mietermangel gelegen. Vielmehr seien immer wieder Abstimmungen notwendig gewesen. Nun steht das Bauende jedoch fest. „In der ersten Hälfte 2016 wollen wir fertig sein.“

Vor überzogenen Erwartungen in Bezug auf die künftigen Mieter im neuen Einkaufszentrum hat freilich auch der Oberbürgermeister Michael Makurath gewarnt. Immer wieder betonte er, die Stadt Ditzingen sei ein Unterzentrum: Entsprechend der Planung der Region Stuttgart übernehmen die Kommunen dabei Aufgaben für sich und ihr Umland. Landesweit werden vier Stufen unterschieden: Neben dem einzigen Oberzentrum – der Landeshauptstadt Stuttgart – gibt es sogenannte Mittelzentren sowie Unter- und Kleinzentren. Je höher die Hierarchiestufe, umso größer ist der jeweilige Einzugsbereich. Ditzingen ist eines von zwölf Unterzentren in der Region und damit gleichzusetzen etwa mit Marbach am Neckar und Winnenden (Rems-Murr-Kreis). Zum Vergleich: Leonberg und Ludwigsburg sind Mittelzentren, Gerlingen ist ein Kleinzentrum.

Bahnhofsareal hat Scharnierfunktion

Das Bahnhofsareal hat deshalb vor allem innerörtliche Bedeutung. Es ist ein städtebauliches Scharnier zwischen dem Gewerbegebiet und der Innenstadt. In der Haupteinkaufsstraße erweitert derzeit das Modehaus Kämpf. Auch dieses hofft, vom Bahnhofsumbau zu profieren. „Alles was sich in Ditzingen tut, ist ein Gewinn, auch wenn es branchenähnlich ist“, sagt der Geschäftsführer Christoph Kämpf. Gleichwohl betont er, dass die Stadt schon heute eine Einkaufsstadt sei. Das gelte erst recht, wenn das Einkaufszentrum sowie der geplante Baumarkt gebaut seien.




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