Ditzingen Ein zu teurer Kampf gegen den Herztod?

Von  

Ein Dizinger Unternehmer wollte etwas Gutes tun und beteiligte sich an der Anschaffung eines Defibrillators. Doch nun beschleicht ihn das Gefühl, dafür deutlich zu viel bezahlt zu haben.

Ein Defibrillator   kann helfen,  Leben zu retten. Foto: factum/Archiv
Ein Defibrillator kann helfen, Leben zu retten. Foto: factum/Archiv

Ditzingen - Gerhard Krause ist sauer. Der Ditzinger hat im September des vergangenen Jahres einen Vertrag mit einer Werbefirma unterschrieben. Für 1350 Euro sollte er sich an der Anschaffung eines Defibrillators für einen örtlichen Einkaufsmarkt beteiligen. Der Taxiunternehmer tat dies gerne. „Ich wollte etwas Gutes tun“, sagt er. Aber inzwischen beschleicht ihn das Gefühl, einen zu hohen Preis dafür gezahlt zu haben. Die Werbefirma bestreitet dies und erklärt vielmehr, „keinen unverhältnismäßig hohen Gewinn erzielt“ zu haben.

Die Böblinger Firma Brunner Mobil Werbung hatte Krause den Vertrag für den werbefinanzierten Defibrillator unterbreitet. Kombiniert mit der Vereinbarung, ihm dafür einen Platz auf einer Werbetafel unmittelbar bei dem Erste-Hilfe-Gerät einzuräumen. Die Tafel mit Krauses Werbung hängt inzwischen tatsächlich in dem Ladengeschäft. Doch die kleine Anzeige für seinen Betrieb ist eine von 20 zum Teil deutlich größeren Firmenwerbungen. Wenn nun jeder der aufgeführten Unternehmer wie er rund tausend Euro bezahlt habe, sei für den Defibrillator deutlich zu viel bezahlt worden, rechnet Krause vor. „Ich fühle mich über den Tisch gezogen.“ Tatsächlich haben in Ditzingen andere Unternehmer, die nicht genannt werden möchten, weit mehr bezahlt als Krause.

Laut der Deutschen Herzstiftung sind die Geräte meist für 700 bis 800 Euro zu haben, auf jeden Fall aber für „unter tausend Euro“, wie das Vorstandsmitglied Dietrich Andresen sagt. Wenngleich es Qualitätsunterschiede bei den Geräten gebe, handle es sich in dieser Preisklasse stets um „gute oder sehr gute Defibrillatoren“, sagt der Kardiologe.

Mündlich habe ihm der Böblinger Werbevertreter bei seinem Besuch in Ditzingen zudem Aufträge versprochen, moniert Krause. „Von Kurierfahrten war die Rede, um die Defibrillatoren auszufahren.“ Außerdem sollte er eine Person regelmäßig zur Bestrahlung ins Krankenhaus fahren. „Wenn sich die Ausgaben amortisieren, habe ich erst recht kein Problem damit, 1300 Euro zu bezahlen.“ Die mündlichen Versprechungen wurden indes nicht im Vertrag fixiert. Die Aufträge blieben aus. Krause wurde stutzig und informierte sich. „Ich bin erschrocken, als ich erfuhr, wie viel ein Defibrillator wirklich kostet.“

Krause konfrontierte Brunner Mobil Werbung telefonisch mit seiner Kritik. Ohne Erfolg. Auch der Außendienstmitarbeiter, der bei ihm war, war nicht zu erreichen. Brunner Mobil Werbung bestätigt, dass dieser nicht mehr für das Unternehmen tätig sei. Schriftlich erklärt die Böblinger Firma auf Anfrage dieser Zeitung, „stets bestrebt“ zu sein, „alle Vereinbarungen zwischen den Kunden und dem Außendienstmitarbeiter einzuhalten“. Nach eigenen Angaben hat es in Ditzingen einen Nettoumsatz von rund 31 500 Euro erzielt. Nach Abzug der Kosten – Provision für den Außendienst, Flyer und Poster für die Werbekunden sowie die Defibrillatoren –, „haben wir keinen unverhältnismäßig hohen Gewinn erzielt, im Gegenteil, es ist uns bei diesem Projekt sogar ein Verlust entstanden“. Zudem verweist die Firma darauf, in Kooperation mit dem Verein Pro Defi nicht nur einen, sondern vier Defibrillator-Standorte „in Ditzingen“ realisiert zu haben. Auf Nachfrage schränkt sie allerdings ein, eines der vier Geräte befinde sich im 24 Kilometer entfernten Sindelfingen.

Für die vier Apparate hat die Firma nach ihren Angaben 9000 Euro bezahlt – inklusive Einweisung und Wartung über fünf Jahre. Der Taxiunternehmer Krause hat inzwischen eine Mahnung erhalten. „Ich werde zahlen“, sagt er ernüchtert. „Was bleibt mir anderes übrig?“