Ditzingen Eine Studentin weist der FDP den Weg

Die Vorbereitungen für die Weltklimakonferenz, die im November im brasilianischen Belém stattfindet, laufen bereits. Foto: dpa

Helena Herzig ist eine junge Frau aus Ditzingen, die sich für Umweltthemen stark macht, dafür jetzt auf der Klimakonferenz in Baku war – und in der FDP Politik macht. Beim Dreikönigstreffen wurde sie in den Landesvorstand ihrer Partei gewählt.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Helena Herzig ist 25, setzt sich für Klimaschutz ein, war jetzt zum zweiten Mal als Beobachterin bei der Weltklimakonferenz in Baku – und ist in der FDP. Sie kennt die Frage, ob sie sich für ihr Anliegen, Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel zu finden, nicht die falsche Partei ausgesucht habe. Und sie lacht darüber. Denn im Grunde, so sagt sie selbst, müsse sie die Frage mit einem klaren Ja antworten. „Ich müsste bei den Grünen sein.“ Aber sich dort zu engagieren, das schien ihr zu einfach. Es sei doch der Sache dienlicher, sich dort dafür stark zu machen, wo das Thema bisher nicht den Stellenwert hat, den es ihrer Meinung nach haben muss. So kam sie zur FDP.

 

Sie will zwei große Themen in Einklang bringen

„Es kann nicht sein, dass es für ein so großes wichtiges Thema nur eine Partei gibt“, sagt die Ditzingerin, die vor vier Jahren beschloss, politisch aktiv zu werden. Es gehe ihr nicht darum, programmatische Schwerpunktthemen gegeneinander auszuspielen. Sie sieht vielmehr die Notwendigkeit darin, „Nachhaltigkeit und Wirtschaft in Einklang“ zu bringen. Dafür wirbt sie im Jugendverband der Liberalen und der Partei selbst, auf Orts- und Landesebene, in Arbeitskreisen auf Bundesebene. Beim Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart wurde sie in den FDP-Landesvorstand gewählt.

Das gefällt nicht jedem in der FDP. Das weiß Herzig. Sie lässt sich davon nicht beirren. „Der Großteil meiner Generation hat keine Sozialismus-Träume und klebt auch nicht fürs Klima auf der Straße“, sagte sie in ihrer Rede in Stuttgart. „Sie wollen Klimaschutz, aber sie wollen auch Jobs in einer starken Wirtschaft, wenn sie mit Schule, Ausbildung oder Studium fertig sind.“

Helena Herzig aus Ditzingen. Foto: Simon Granville

Herzig sitzt im Hirschlander Ortschaftsrat, dort berichtete sie über ihre Erfahrungen in Baku und den Erkenntnissen, mit denen sie von der Weltklimakonferenz zurückgekehrt ist. Zwei davon: Die Entscheidungsprozesse dauern lange und die erzielten Fortschritte sind minimal. „Die Frustration ist sehr groß“, gibt die gelernte Industriekauffrau unumwunden zu. Herzig studiert inzwischen in Pforzheim Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz, eine Form der Technischen BWL. Trotzdem wirbt sie mit Zuversicht und Optimismus für die Sache. „Man kann auch alles sein lassen. Aber damit kommt man auch nicht weiter.“ Deshalb laufen schon die Vorbereitungen für die nächste Klimakonferenz im brasilianischen Belem, um dort erneut die Stimme zu erheben.

In Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, fand im November die Weltklimakonferenz statt. Für diese Conference of the Parties (COP) der Vereinten Nationen (UN) hatten sich 40 000 Teilnehmer registriert. Neben Staats- und Regierungschefs waren Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, der Wissenschaft, der Industrie und Energiewirtschaft angereist. Herzig hatte sich bei IFLRY um die Teilnahme beworben, dem Zusammenschluss liberaler Jugendorganisationen in aller Welt. IFLRY bringt sich über die offizielle Jugendorganisation Youngo ein, die bei der Uno gehört wird. Als ein zentrales Ergebnis des Gipfels von Baku wird gewertet, dass sich die Teilnehmerstaaten darauf einigten, die Finanzhilfen für Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung für die die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder aufzustocken. Dafür aufkommen sollen weitgehend die Industrienationen. Gleichwohl: Für den „Loss & Damage Fonds“ zum Ausgleich von Verlusten und Schäden, die durch den Klimawandel verursacht wurden, werde noch zu wenig Geld bereitgestellt, meint Herzig.

Welten prallen aufeinander

Bei diesem Thema prallten weiterhin Welten aufeinander, hat Herzig in Baku wie zur Bestätigung erlebt. Während der Präsident von Aserbaidschan Öl und Gas als „ein Geschenk Gottes“ gepriesen habe, ließ sich der Präsident Kolumbiens von einem seiner Minister vertreten: Nach einer Flutwelle war der nationale Notstand in seinem Land ausgerufen worden. Der Präsident von Bhutan wiederum warb für Kohlenstoffmärkte, um wirtschaftliche Anreize zur CO2 - Einsparung zu schaffen. Das Königreich hat eine der besten CO2 -Bilanzen weltweit.

„Klimaschutz muss sich rechnen“, sagt Herzig und formuliert daraus eine Forderung: „Wir müssen die ökologische Marktwirtschaft als Konzept in die Politik reinbringen.“ Um daran aktiv mitzuwirken, hat sie den deutschlandweit agierenden Verein „Ökologische Marktwirtschaft“ mitinitiiert. Dieser hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, marktwirtschaftliche Konzepte zu fördern, die ökologisch wirksam und ökonomisch effizient sind. „Die Marktwirtschaft ist nicht der Feind des Umweltschutzes, sondern ihr größter Verbündeter“, sagt Herzig, um dann eine weitere Beobachtung aus Baku einfließen zu lassen: „Die Unfähigkeit in die Zukunft zu denken ist ein ganz großes Problem.“. Sie kritisiert damit etliche Industriestaaten, die sich zugleich schwer damit tun würden, Klimaflüchtlinge aufzunehmen.

Doch für das Thema bedürfe es ohnehin mehr Engagement, meint die 25-Jährige: „Fortschritt ist weit mehr, als politische Rahmenbedingungen zu setzen.“ Dabei lässt sie sich von Al Gore inspirieren.

Der frühere US-Vizepräsident arbeitet inzwischen als Berater, um Klima- und Umweltschutz außerhalb der politischen Bühne auf anderen Ebenen voranzutreiben. Sie habe ihn bei der vorigen Konferenz erlebt, nicht direkt, nur per Videoübertragung in einem der für Beobachter zugänglichen Nebenräume, so Herzig. Aber auch so erzielten seine Worte Wirkung. „Wenn der eine Weg nicht funktioniert, geht man eben einen anderen“, hat sie zum Beispiel für sich aus seiner Rede mitgenommen. Und dass man sich bei dem Thema auch nicht allein auf die Politik konzentrieren sollte. Es gebe viele Möglichkeiten zu gestalten. „Man kann seinen Weg finden, um zum Fortschritt beizutragen.“

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